101-jähriger Autor Boris Pahor blickt mit Ernücherung auf den Menschen

Berlin (KNA) — Boris Pahor (101), slowenisch-italienischer Schriftsteller und antifaschistischer Widerstandskämpfer, lassen seine Erlebnisse von Krieg und Grausamkeit ernüchtert auf den Menschen blicken. Er habe nach seiner Verhaftung durch die Gestapo in Triest die Konzentrationslager Dachau, Natzweiler-Struthof, Mittelbau Dora und Bergen-Belsen durchlaufen und erlebt, zu welcher Grausamkeit die Menschen fähig seien, sagte Pahor der „Welt“ (Mittwoch). Zugleich habe er dabei bestätigt gefunden, was schon die Vorsokratiker in Griechenland festhielten: „Wir Menschen sind uns selbst überlassen. Es gibt kein göttliches Wesen, das sich für uns interessiert.“

Die Vernunft sage, dass Hass und Unterdrückung ebenso falsch seien wie die Vorstellung, bestimmte Menschen seien besser als andere, so Pahor weiter. Doch diese Erkenntnis habe in der Geschichte der Menschheit nie lange Bestand gehabt. So hätten auch die Christen, kaum dass sie unter Kaiser Konstantin (306-337) Anerkennung und Macht bekamen, andere unterdrückt.

Pahor verarbeitete seine Erlebnisse in den Konzentrationslagern in dem mehrfach preisgekrönten Roman „Nekropolis“. Er gilt als einer der bekanntesten Vertreter der slowenischen Gegenwartsliteratur. Er lebt in seiner Geburtsstadt Triest.

joh/cas