Die “Financial Times Deutschland” (FTD) wird zum 7. Dezember eingestellt. Der Verlag Gruner + Jahr bestätigte am Freitag (23. November) nach langem Hin und Her das Aus der defizitären Wirtschaftszeitung

Schwäbische Zeitung über selbstbewusster Journalismus frankfurter rundschau

Leutkirch/ots/BR | “Die „Financial Times Deutschland“ (FTD) schreibt seit ihrer Gründung im Jahr 2000 Verluste”, erklärte Vorstandsmitglied Julia Jäkel. Deshalb habe der Verlag keinen Weg gesehen, die “FTD” weiter zu betreiben. Chefredakteur Steffen Klusmann erklärte, es sei dem Blatt nicht gelungen, “ein Geschäftsmodell zu entwickeln, das unseren Anspruch an Journalismus zu finanzieren vermag”. Dem Verlag zufolge sind 364 Jobs betroffen: 258 Arbeitsplätze in Hamburg, 42 in Frankfurt und 14 in weiteren Außenbüros. Dazu kämen 50 Mitarbeiter in nicht redaktionellen Verlagsbereichen.

Am 13. November kam die Nachricht, dass die „Frankfurter Rundschau” (FR) Insolvenz angemeldet hatte. Der Verlag, der dem Kölner Medienhaus M. DuMont Schauberg MDS und der SPD-Medienholding DDVG gehört, stellte einen entsprechenden Antrag. Zum vorläufigen Insolvenzverwalter sei der Rechtsanwalt Frank Schmitt von der Kanzlei Schultze & Braun bestellt worden. Die Geschäftsführung bleibe weiter im Amt, dürfe aber nur noch mit Zustimmung des Verwalters Geld ausgeben.

Angesichts massiver Verluste sei “keine Perspektive der Fortführung des Unternehmens mehr erkennbar”, teilten die Eigentümer mit. Ziel sei es aber, derzeit den Geschäftsbetrieb fortzuführen. Die Gehälter der Mitarbeiter seien bis Ende Januar 2013 durch das Insolvenzgeld abgesichert. “Die Insolvenz der Rundschau ist die Folge von jahrzehntelangem Missmanagement”, sagte der Vorsitzende des Deutschen Journalisten-Verbands, Michael Konken. “Das Aus der renommierten Zeitung ist besonders bitter für die Beschäftigten, die über Jahre hinweg mit Einkommensverzicht für den Erhalt ihrer Zeitung gekämpft haben.” Sie hätten ein Anrecht darauf, dass sich der Verlag zu seiner Verantwortung für die “FR”-Journalisten bekenne. Konken rief die Geschäftsführung dazu auf, den Betroffenen adäquate Stellen bei anderen Medien der Gruppe anzubieten.

Die 1945 gegründete “FR” kämpft seit Jahren mit Verlusten und musste immer wieder Stellen abbauen. Der Mantelteil wird überwiegend von einer Redaktionsgemeinschaft des Mutterverlags erstellt und ist zu einem Großteil identisch mit dem der “Berliner Zeitung”. Die “FR” hatte 2001 noch eine Auflage von 190.000. Im dritten Quartal 2012 lag die Auflage der sechs Mal pro Woche erscheinenden Zeitung laut Informationsgemeinschaft zur Feststellung der Verbreitung von Werbeträgern (IVW) bei 117.996 Exemplaren. Vom Insolvenzantrag sind knapp 500 Mitarbeiter betroffen.

Dazu ein Kommentar der „Schwäbischen Zeitung“:

Manche Zeitungen verschwinden zu Recht vom Markt. Wenn die Frankfurter Rundschau die Herzen und Brieftaschen ihrer Leser nicht mehr erreicht, ist sie reif für den Konkursrichter. Wenn die Financial Times Deutschland Jahr für Jahr Millionenverluste macht, gehört sie schweren Herzens eingestampft.
Darin unterscheidet sich eine Zeitung nicht von einer Uhr. Wenn Japaner und Schweizer billigere oder bessere Uhren bauen, ist es folgerichtig, die Uhrenfabriken in Schwenningen zu schließen. Das ist das Wesen unseres kapitalistischen Systems.

Nun gibt es aber einen Unterschied zwischen einer Zeitung und einer Uhr. Starker Journalismus ist wesentlich für das Funktionieren unserer Demokratie. Nicht zu Unrecht wird die Presse als die vierte Gewalt im Staat bezeichnet. Ihre Aufgabe besteht auch darin, das Treiben der Regierung, des Gesetzgebers und der Justiz zu kontrollieren.

Diese Aufgabe verlangt nach finanzstarken, unabhängigen Redaktionen und selbstbewussten, gebildeten Journalisten. Ebenso wie wir uns den Rechtsstaat viel Geld kosten lassen, muss uns auch die freie Presse etwas wert sein. Ein gut gemachtes Blatt wie die Schwäbische Zeitung kostet weniger als ein Stück Torte oder ein kleines Glas Bier. Ist das zu viel verlangt?

Statt aber selbstbewusst die Stärken und Pflichten professioneller Redaktionen herauszustreichen, haben Manager und Journalisten das eigene Werk kleingeredet. Wir haben Zeitungen in Supermärkten verschenkt und den Kunden Kaffeemaschinen mitgegeben, bloß damit sie ein Abonnement abschließen.
Es ist an der Zeit, den Wert unabhängiger Zeitungen und ihrer Internetportale ins Bewusstsein zu rufen. Mutige Journalisten können sich mit den Mächtigen anlegen, Unrecht aufdecken, Lüge von Wahrheit scheiden und wichtige von unwichtigen Nachrichten. Diese Aufgabe ist mehr denn je gefragt in einer Welt, in der wir hundert Fernsehsendern, abertausenden Internetseiten und Heerscharen von Politikern und Unternehmen ausgeliefert sind, die uns mit allen Mitteln einlullen wollen.

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