Frankreich: Gläubige und Neonazis protestieren gegen Homo-Ehe

Demonstartion gegen die Homo-ehe in Paris
Demonstration gegen die Homo-Ehe in Paris

In Paris haben am 26. Mai tausende Bürger gegen die vor kurzem anerkannte Homo-Ehe protestiert. Die Polizei sprach von 150.000, der Veranstalter von einer Million Teilnehmer. Am Beginn lief Demonstration friedlich, erst am Abend kam es zu Rangeleien zwischen Jugendlichen und Sicherheitskräften. Bei den anschließenden schweren Ausschreitungen wurde 293 Menschen festgenommen. Wie die Polizei nach Berichten der Nachrichtenagentur AFP mitteilte, gab es die meisten Festnahmen am späten Sonntagabend, wo sich Gegner der rechtlichen Gleichstellung homosexueller Paare stundenlange Auseinandersetzungen mit der Polizei geliefert hatten. Am 29. Mai soll Frankreichs erste Ehe homosexueller Partner in Montpellier geschlossen werden. Dort wollen zwei Männer heiraten.

Die Aktion gegen die Ehe von Schwulen und Lesben wird inzwischen nicht mehr nur von der katholischen Kirche und den oppositionellen Konservativen unterstützt. An den Protesten beteiligen sich mittlerweile auch rechtsradikale Gruppen, die grundsätzlich die sozial-liberale Agenda der regierenden Sozialisten ablehnen.

Zu der Demonstration aufgerufen hatten Gegner des Gesetzes wie die Organisation „La Manif Pour Tous“ und das den katholischen Traditionalisten nahestehende Institut „Civitas“.

Präsident François Hollande hatte in der vergangenen Woche das Gesetz „Ehe für alle“ unterschrieben. Nationalversammlung hatte zuvor der Verfassungsrat als letzte Instanz grünes Licht für das Bestimmung gegeben und eine Klage der Opposition abgewiesen.

Antagonisten der Homo-Ehe, die wiederholt gewaltsam gegen das Gesetz demonstriert hatten, kündigten weitere Proteste an.

Frankreich ist das 14. Land, das es Gleichgeschlechtlichen erlaubt zu heiraten. Eine gleichberechtigte Homo-Ehe wurde bisher unter anderem in Kanada, Spanien, Dänemark, Schweden, Norwegen, den Niederlanden und Neuseeland eingeführt, auch Uruguay, Argentinien und Südafrika haben entsprechend liberale Gesetze. In den USA ist sie in der Hauptstadt Washington sowie zwölf Bundesstaaten erlaubt. In Deutschland gibt es bisher keine Gleichstellung von Homosexuellen bei der Ehe. Gleichgeschlechtliche Paare können ihre Lebenspartnerschaft standesamtlich eintragen lassen, müssen aber Nachteile wie z.B. beim Adoptionsrecht in Kauf nehmen.

Die Märkische Oderzeitung kommentiert: Es sind beängstigende Bündnisse, die sich im Mutterland von Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit gefunden haben. Rechtsradikale Organisationen wie die Gruppe „Printemps français“ kämpfen gemeinsam mit erzkatholischen Kräften gegen die Zeichen der Zeit, gegen Toleranz und verweigern ein faires Miteinander. Es ist ein symbolträchtiger Zufall, dass ausgerechnet auf dem Höhepunkt der Homosexuellen-Hatz beim Festival in Cannes der Film von Abdellatif Kechiches „La vie d’Adèle“ gewinnt, der die Liebe zwischen zwei Frauen thematisiert und darstellt.

Der Film des französisch-tunesischen Regisseurs handelt von der leidenschaftlichen Beziehung zweier junger Frauen. Für Aufsehen sorgte der fast drei Stunden lange Film unter anderem mit expliziten Sex-Szenen.

 

Die Baltische Rundschau | Online-Redaktion
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