Aktienmarkt: Die Zeitbomben weiterticken ohne dass ernsthafte Gegenmaßnahmen

Beim Fußball werden die Mannschaften ausgepfiffen, die ein Unentschieden mit belanglosem Ball Hin– und Her-Geschiebe ohne erkennbaren Tordrang über die Zeit retten wollen. Die Börsen freuten sich aber über das „Spiel auf Zeit“, das sich die USA nun einräumen. Die Demokraten und Republikaner einigten sich in letzter Minute kurz vor Spielabbruch einstimmig im Senat und durch mehrheitlichen Beschluss im US-Kongress, dass es einen Übergangshaushalt bis zum 15. Januar 2014 gibt und die Schuldengrenze wurde zunächst auch nur bis zum 7. Februar 2014 leicht erhöht.

Damit wurde die USA zwar vor der Zahlungsunfähigkeit bewahrt, aber der nervenaufreibende Machtpoker zwischen Demokraten und Republikaner geht damit schon kurz vor Weihnachten in eine neue Runde, was Obama eigentlich vermeiden wollte. Es handelt sich also, wenn überhaupt nur um einen Pyrrhussieg Obamas, was den USA bisher nach S&P 24 Mrd. USD kostete. Immerhin dürfen sich jetzt zumindest Hunderttausende von US-Staatsbediensteten auf die Weihnachtsgans freuen, die diesmal aber wohl nicht so fett sein wird, da dann schon wieder zu Weihnachten zwischen den zerstrittenen Demokraten und Republikanern um ihre Arbeit gefeilscht wird. Die dafür hauptsächlich verantwortliche Tea Party, also der rechte Teil der Republikaner, verliert indessen in den USA immer mehr an Ansehen.

Das Gefährliche an der ganzen Sache ist, dass gegenwärtig mehrere Zeitbomben – fast unbemerkt – weiterticken ohne dass ernsthafte Gegenmaßnahmen unternommen werden. Es wird nur die Schnur der Zeitbombe verlängert, was den Aktienmärkten aber genügt, liquiditätsgetrieben neue Höchstkurse zu erreichen. Dies geschieht aber nur bei dünnen Börsenumsätzen, so dass die anhaltende Hausse nicht nachhaltig sein muss.

Die Rating–Agentur Fitsch senkte den Ausblick der US-Staatsanleihen nur auf negativ, beließ es aber beim „AAA“-Rating. Dafür senkte eine chinesische Rating-Agentur Dadong das Rating der US-Staatsanleihen um eine Stufe von „A“ auf „A-.“ Ein AAA-Rating haben die USA in China schon lange nicht mehr, was auch das Misstrauen der Chinesen ausdrückt. China wuchs im letzten Quartal immerhin um 7.8%, was den Börsen auch Auftrieb gab. Japaner und Chinesen sorgen aber weiterhin dafür, dass die USA nicht pleitegehen, indem sie weiter US-Staatsanleihen aufkaufen, die jetzt aber etwas teurer werden. Nicht zuletzt deswegen kauft die chinesische Notenbank auch ständig Gold auf. Die amerikanischen Rating-Agenturen finden bisher noch nicht den Mut zu einem Downgrade. Wenn es aber im Januar zu keiner Einigung zwischen den Demokraten und Republikaner kommen sollte, wird es wohl zu einem Downgrade kommen und dies würde zu einer erheblichen Belastung bei den Aktienmärkten kommen.

Tickende Zeitbomben gibt es auch beim Thema „Klimawandel“, das im Moment etwas in den Hintergrund rückt. Die volkswirtschaftlichen Schäden durch Klimakatastrophen wie die Waldbrände ein Australien und Kalifornien, wie Überschwemmung, wie Sturmschäden, wie Erdbeben etc. werden aber immer größer.

In Genf kam es zu sehr hoffungsvollen Gesprächen zwischen Vertretern aus dem Iran und den USA mit Power-Point-Vorträgen, die hoffen lassen, dass sich in der Tat ein konstruktiver Dialog zwischen den USA und dem Iran langsam aufbauen kann. Das gab es 30 Jahre lang nicht und ist insofern schön als „historisch“ zu betrachten. Iran hat sich dabei soweit geöffnet wie nie zuvor, weil es unter den Sanktionen sehr leidet. Die Inflationsrate ist im Iran sehr hoch und es wächst die Unzufriedenheit in der Bevölkerung. Israel ist aber der Meinung, dass der Iran nur auf Zeit spielt, um die Atombombe im nächsten Jahr zu Ende zu bauen. Hier kann man nur hoffen dass der Iran mit offenen Karten spielt und nicht auf Zeit spielt, wie es Israel vermutet, denn dies wäre für die Weltgemeinschaft ein sehr gefährliches Spiel auf Zeit. Warten wir es ab und hoffen, dass die erforderlichen Kontrollen auch effektiv durchgeführt werden können.

In Syrien beginnt man nun mit dem Abbau von Chemiewaffen, während der Bürgerkrieg mit unverminderter Härte weitergeführt wird. Hier gelang es Assad, auf Zeit zu spielen und einem Militärschlag der USA zu vermeiden, der aber einen Flächenbrand im Nahen Osten hätte auslösen können. Das eigentliche Problem ist damit aber nicht gelöst. In Syrien darf nun von Assad, aber auch der Al Kaida munter weiter gemordet werden.

In Deutschland läuft alles auf eine große Koalition hinaus, wobei ich glaube, dass die Koalition diesmal nicht 4 Jahres halten wird. Die SPD-Parteibasis ist nicht begeistert von den Vorschläge des SPD-Vorstands und so wird es auch bleiben. Es gibt diesmal einige (zu) stark divergierende Punkte, die nicht so schnell durch faule Kompromisse zu kitten sind. Jetzt wird aber erstmals um die Ministerposten geschachert, wobei die SPD das Finanz- und Arbeitsministerium für sich beanspruchen will. Ohne festgelegten Mindestlohn wird eine Koalition wohl nicht möglich werden. Auch hier geht der Machtpoker weiter, ebenso wie in den USA. Ich rechne hier mit großen Spannungen innerhalb der Koalition schon im nächsten Jahr.

Yandex ist mit einem Marktanteil von über 60% bei Suchmaschinen klarer Marktführer in Russland noch vor Google. Yandex war auch einer der „Aktien des Monats“ des Börsenbriefen EAST STOCK TRENDS aus dem August 2013. Seitdem ist die Aktie schon um 25% gestiegen. Die Aktie wurde aber auch schon im Juni 2012 bei Kursen um 15 € zum Kauf empfohlen, so dass sich die Aktie im Kurs schon verdoppelte. Es muss also nicht immer ein Facebook sein. Seit Juni 2012 konnte Yandex übrigens Facebook klar outperformen, obwohl auch Facebook in den letzten Monaten von 25 auf über 54 USD sich mehr als verdoppeln konnte. In Russland wurde die 5-jährige Haftstrafe des oppositionellen Rechtsanwalts und Putin-Gegners Alexei Nawalny im Berufungsverfahren zur Überraschung aller zur Bewährung ausgesetzt. Aber auch in Russland bildet sich allmählich eine Opposition, obwohl Nawalny jetzt kein politisches Mandat mehr ausüben darf.

Einige Aktien im Muster-Depot des EAST STOCK TRENDS wie Magnit (>1200%) und Bank of Georgia (>1500%) konnten sogar seit Erstempfehlung in 2009 sich mehr als verzehnfachen. Aussichtsreich sind jetzt auch russische Stahl- und Goldaktien als Turnaround-Kandidaten. Sehr positiv entwickelten sich auch die Warschauer Börse sowie einige baltische Aktien. Die Börse Sofia bleibt aber der Outperformer auch gegenüber dem DAX mit einem Plus von 33%, wobei auch die Kurse in Rumänien zuletzt stark anstiegen. was Sie mit Osteuropa-Zertifikaten ausnutzen können Welche Erholungschancen Sie in Russland und Osteuropa haben und welche Auswirkungen die temporäre US-Pleite auf die Börsen haben wird, können Sie nachlesen im monatlich erscheinenden Börsenbrief EAST STOCK TRENDS (Probe-Abo mit 3 Ausgaben für nur 15 €, siehe http://www.eaststock.de), der am 1. Oktober erschien. Beachten Sie bitte auch die dort angegeben Chartgrenzen.

 

 

Seminar-Hinweis: Das nächste ESI-Ostbörsen-Seminar „Go East – In der Krise liegt die Chance!“ findet am 13. November 2013 um 17.30 Uhr in Frankfurt/M gleich nach dem Eigenkapital-Forum statt. Info und Anmeldung unter http://www.eaststock.de, dort unter Seminar oder telefonisch unter 040/6570883 bei der ESI GmbH.

Die Baltische Rundschau | Online-Redaktion
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