Wirtschaftsausblick Baltikum: Tendenzen für 2017

Wächst die Wirtschaft der Baltischen Staaten oder stagniert sie, welche Tendenzen werden für 2017 erwartet und was sind die treibenden Kräfte? Die AHK Baltische Staaten hat Estland, Lettland und Litauen für 2017 unter die Lupe genommen.

Die Wirtschaft Estlands blickt auf ein erfolgversprechendes Jahr.

Insbesondere durch das Wachstum des wichtigen finnischen Absatzmarktes und dank neuer EU-Fördermittel, werden der Export Estlands um bis zu 3,6% zunehmen und die Investitionen im Land steigen.

Das Bruttoinlandsprodukt soll 2017 um 2,3% wachsen. Der wieder ansteigende Ölpreis sorgt für neuen Schwung in der estnischen Ölschieferindustrie und macht deren Investitionen wieder attraktiv.

Laut Prognose der Europäischen Kommission steigen die Waren- und Dienstleistungsimporte um 4,2%.

Dies macht Estland zu einem interessanten Absatzmarkt für deutsche Investoren; durch die EU-Fördermittel für große Projekte im Land besonders für Industriegüter.

Einen leichten Dämpfer erhält das ansonsten vielversprechende Jahre durch die wieder angestiegene Inflation. Diese sorgt für steigende Verbraucherpreise – der Anstieg wird auf 2,3-2,9% geschätzt – und trotz steigender Löhne somit nur für einen geringen Anstieg des Privatkonsums um 2,9 %.

Die geschätzte Arbeitslosenquote liegt bei 6,5%. Ein Schlagwort bleibt 2017 der Fachkräftemangel, da trotz einer jährlichen Lohnsteigerung um 6% viele Fachkräfte ins Ausland gehen.

Der Dienstleistungssektor, vor allem die Tourismus- und Gaststättenbranche, wird in der zweiten Jahreshälfte dank zusätzlicher Gäste durch die EU-Ratspräsidentschaft Estlands profitieren.

 

Die EU-Fördermittel bescheren 2017 auch Lettland ein Wirtschaftswachstum

Durch den Bau von neuen Produktionsstätten und Investitionen in die Infrastruktur, vor allem im Straßenbau, profitiert vor allem die Baubranche von den EU-Mitteln.

Insgesamt soll die Wirtschaft 2017 um 2,8% wachsen, so die Vorhersage der Europäischen Kommission.

Die steigenden Löhne sorgen in Lettland zwar für eine gute Konsumlaune, doch bergen sie auch ein Risiko für die Wettbewerbsfähigkeit im Exportsektor.

Es wird angenommen, dass die Inflation 2017 etwa 1,8% betragen wird, beeinflusst durch die wieder ansteigenden Energiepreise, steigenden Löhne und Dienstleistungskosten.

Wirtschaftsminister Arvils Ašeradens will durch Export, Investitionen, Produktionssteigerung und den Ausbau im Bildungswesen („developement of human capital“) das Wachstum des Bruttoinlandsproduktes auf mindestens 3% steigern.

Die Republik Lettland und lettische Unternehmer blieben nur dann wettbewerbsfähig, wenn sie neueste Technologien nutzten und Innovationen und neue Produkte hervorbrächten. Um dies zu erreichen, wird für 2017 hauptsächlich auf drei Säulen aufgebaut: Wirtschaftliche Rahmenbedingungen sollen verbessert und Fachkräfte angelockt werden. Ein gutes Projektmanagement soll Investitionen vereinfachen.

 

Litauen gehört zu den drei stärksten Wachstumsmärkten in der EU

Litauen gehört laut Germany Trade & Invest (GTAI) zu den drei stärksten Wachstumsmärkten in der EU.

Das Bruttoinlandsprodukt wird 2017 laut Vorhersage der Europäischen Kommission um 2,7% wachsen.

Niedrige Zinsen ermöglichen den Unternehmen, günstige Kredite für Investitionen aufzunehmen.

Zudem fließen EU-Mittel wieder verstärkt in das Land, so dass auch dadurch wieder mehr Investitionen möglich sind.

Niedrige Lohnkosten und eine gute logistische Infrastruktur machen das Land zu einem attraktiven Produktionsstandort.

Allerdings wird erwartet, dass die Löhne aufgrund des Fachkräftemangels weiter ansteigen. Dies wiederum wird es zunehmend schwieriger machen, Marktanteile im Export zu erhalten und im Wettbewerb zu bestehen.

Für 2017 wird darum nur ein moderates Exportwachstum prognostiziert. Vor allem Logistikunternehmen mussten sich aufgrund von Marktveränderungen in Russland und anderer GUS-Staaten nach neuen Geschäftsmöglichkeiten umschauen.

Unsicherheit bei den Vorhersagen für 2017 entsteht aufgrund der Brexit-Verhandlungen und den Sanktionen gegen Russland.

 

Die Baltische Rundschau | Online-Redaktion
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