Aufnahme Baltischer Länder in Nato war übereilt — Der ehemaliger US-Verteidigungsminister Robert Gates hat die Aufnahme der Baltischen Länder in die NATO als überstürzt kritisiert

Der ehemaliger US-Verteidigungsminister Robert Gates hat in seinen Memoiren die Aufnahme der Baltischen Länder und anderer ehemaliger Warschauer-Pakt-Staaten in die Nordatlantische Allianz als überstürzt kritisiert

„Die eileifrige Aufnahme der ehemaligen UdSSR-Satelliten – der Baltischen Länder, Ungarns, Polens, Tschechiens und der Slowakei – in die Nato war ein Fehler“, schreibt Gates in „Duty: Memoirs of a Secretary of War“ („Pflicht: Erinnerungen eines Kriegsministers“).

„Dieser Prozess hätte langsamer vor sich gehen müssen. Die (Stationierungs-)Abkommen der USA mit den Regierungen von Rumänien und Bulgarien über US-Militärbasen für Rotationszwecke waren eine unnötige Provokation“, so Gates. Seiner Meinung nach war auch „der Versuch, Georgien und die Ukraine in die Nato einzuladen, eine Übertreibung“.

„Die Wurzeln des russischen Reichs lassen sich auf Kiew zurückverfolgen, es handelte sich also um eine gewaltige Provokation. Ob die Europäer – geschweige denn die Amerikaner – bereit wären, ihre Söhne und Töchter zum Schutz Georgiens oder der Ukraine zu schicken? Kaum vorstellbar. Die Nato-Erweiterung war somit keine wohldurchdachte militärische Verpflichtung, sondern ein politischer Akt, der die Ziele der Allianz untergrub und das, was die Russen als ihre nationalen Lebensinteressen betrachteten, verantwortungslos ignorierte“, so der Ex-Minister.

Gates, ein geschulter UdSSR-Experte und Mitglied der Republikanischen Partei, hat unter vier US-Präsidenten gearbeitet. Nach seiner Meinung waren die Beziehungen zu Russland „seit der Amtsniederlegung von Präsident George Bush Senior 1993 durch eine erfolglose Verwaltung beeinträchtigt“.

„Die Arroganz der amerikanischen Beamten, Wissenschaftler, Unternehmer und Politiker, die die Russen belehrt hatten, wie diese ihre inneren und äußeren Angelegenheiten führen sollten, hat weitgehende und dauerhafte Ablehnung und Erbitterung ausgelöst“, heißt es.

Laut Gates „war der Hass Putins gegen den Vertrag über konventionelle Streitkräfte in Europa (KSE-Vertrag) verständlich, denn die diesbezüglichen Verhandlungen mit Russland wurden in der Zeit seiner Schwäche geführt  und der Vertrag beschränkte die Möglichkeiten Russlands für Truppenbewegungen auf dem eigenem Territorium.“

„Wie ich späterhin zu Putin sagte, würde ich selbst die Einschränkung meiner Möglichkeiten, Truppen von Texas nach Kalifornien zu verlegen, nicht dulden“, schreibt der Ex-Minister.