Bischof aus Tallin auf Jubiläumskirchentag in Berlin

In Deutschland, sowie in vielen Teilen Europas und der Welt feiern in diesem Jahr nicht nur evangelischen Christen das 500jährige Reformationsjubiläum. „Ein Ereignis von Weltrang“, so hat es der Deutsche Bundestag formuliert.

Mit der Veröffentlichung seiner Thesen gegen den kirchlichen Ablasshandel hat Martin Luther 1517 nicht nur die Kirche verändert sondern in Folge auch die Gesellschaft. Mit seiner Bibelübersetzung hat er eine einheitliche deutsche Sprache geschaffen. Gedanken der Toleranz sowie das Recht auf Glaubens- und Gewissenfreiheit brachen sich Bahn.

Auch der 36. Deutsche Evangelische Kirchentag, der vom 24. bis 28. Mai 2017 in Berlin stattgefunden hat, stand im Zeichen des Reformationsjubiläums. Unter dem Leitwort „Du siehst mich“ fanden  rund 2.500 Veranstaltungen statt. Neben Gottesdiensten, Bibelarbeiten und Diskussionsrunden gab es auch Konzerte, Vorträge, und Ausstellungen. Auf Grund des Reformationsjubiläums fand der Abschlussgottesdienst, an dem über 100.000 Menschen teilnahmen, nicht in Berlin sondern auf den Elbwiesen der Lutherstadt Wittenberg statt.

Offiziell eingeladen zum Kirchentag war neben vielen andern ausländischen Besuchern ebenfalls der Bischof der Estnischen Evangelisch-Lutherischen Kirche Tiit Salumäe aus Tallin. Er ist unter anderem zuständig für die evangelischen Esten außerhalb des Landes, sowie für Medien, Kommunikation, Ökumene und Kultur.

Unter dem Thema: „Salz der Erde?“ Evangelische Identität in Mittel- und Osteuropa, referierten verschiedene Historiker und Theologen, unter ihnen auch Bischof Salumäe. Er war der einzige Referent aus dem Baltikum und berichtete über die Reformation und den Aufbau der lutherischen Kirche in Estland. Im Herbst 1944 flohen etwa 80.000 Esten aus ihrer Heimat, darunter auch rund 60.000 Lutheraner. Sie gründeten dann später muttersprachliche Gemeinden in Schweden, Großbritannien und Deutschland. Heutzutage, nach Wiedergewinnung der estnischen Unabhängigkeit, genießt die Estnische Evangelisch-Lutherische Kirche, ebenso wie andere Konfessionen, volle Religionsfreiheit. Die Mehrheit der Christen im Land bekennt sich zum evangelisch-lutherischen Glauben.

Der bedeutendste Gast auf dem Kirchentag war sicher der ehemalige US-Präsident Barack Obama. Er nahm zusammen mit der Bundeskanzlerin Angela Merkel an einer Gesprächsrunde vor dem Brandenburger Tor in Berlin teil.

Thomas Marschner
Freier Journalist aus Berlin

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