Das Baltikum und die deutsche Vergangenheit

Mit viel Enthusiasmus und Neugier starteten wir im Sommer 2014 eine Rundreise durch Schweden. Mit der Fähreging es weiter nach Estland. Von dort fuhren wir in Etappen über Lettland, Litauen (Memelland) und Polen zurück nach Deutschland

 

Von Dr. Bernhard und Irmtraud Grimm

Die alte deutsche Hansestadt Reval (heute: Tallinn)

Reval (1890-1900). Wikimedia
Reval (1890-1900). Wikimedia

[dropcap size=big]I[/dropcap]n Tallinn, das bis 1918 amtlich Reval hieß, treffen wir auf deutsche Spuren in der Gebäudearchitektur, in den Wappen und Grabmälern von baltendeutschen Adligen im Dom und in den Kirchen sowie in den Häusern der Kaufleute und der Handwerker.

Die informativen Erläuterungstafeln für Touristen sind in ganz Estland zumeist zweisprachig in Estnisch und Englisch geschrieben. In deutscher Sprache findet man sie selten. Immerhin sind die
Personennamen – so auch diejenigen der Baltendeutschen – in den Infotexten entsprechend der Nationalität des Bürgers mit vollem Vor- und Nachnamen zitiert. Dies ist in anderen Ländern nicht selbstverständlich, sind doch die deutschen Vor- und Nachnamen in Lettland, Litauen und Polen sehr oft der jeweiligen Nationalsprache „angepasst“.

Eine kleine deutsche Restminderheit besteht in Tallinn. Zweimal im Monat gibt es in der schwedischen Michaelskirche deutsche Gottesdienste. Ein Kirchenaufseher aus Schweden führte uns durch die neu renovierte Kirche, die in sowjetischer Zeit als Sporthalle genutzt wurde.

 

Bischofsburg und Kurort an der Ostsee

Bischofsburg in Haapsalu (Hapsal)
Bischofsburg in Haapsalu (Hapsal)

In Haapsalu (Hapsal) im Westen von Estland besichtigen wir die Bischofsburg, einst das politische und geistige Zentrum des Bistums Ösel-Wiek. Die Bischöfe trugen meist deutsche Namen, wie das Museum in der Burg verrät. Wir flanieren zum Kurviertel der Stadt an der Ostsee. Der reich verzierte Kursaal (Kuursaal) aus Holz von 1898 kündet von der Bedeutung Hapsals als Kurort.

Hier gründete der baltendeutsche Arzt Karl Abraham Hunnius (1797–1851) das erste Kurbad und errichtete damit die Kurtradition in Estland. Er entdeckte die Heilwirkung des Ostseeschlamms.

Die russische Oberschicht kam wegen des milden Klimas hierher. Auch der russische Komponist Pjotr Tschaikovski besuchte diesen Ort.

 

Das Baltikum und die deutsche Vergangenheit (Teil 2): Riga, die Perle an der Ostsee

 

Fortsetzung folgt:

Das Baltikum und die deutsche Vergangenheit (Teil 3): Deutscher Verein im früheren Memelland

 

Die Zeitschrift „GLOBUS“ beschäftigt sich thematisch vorrangig mit Fragen deutscher/deutschsprachiger Gemeinschaften im Ausland. Die Berichte über Lage und Leben der Deutschen im Ausland, über Pflege der deutschen Sprache und Kultur unter Deutschen „draußen“ werden meistens von dort Lebenden verfasst.

Herausgeber: Verein für Deutsche Kulturbeziehungen im Ausland e.V. (VDA), gegr. 1881 als „Allgemeiner Deutscher Schulverein”

 

3 KOMMENTARE

  1. Ich suche Informationen über die Besiedlung Litauens durch die Salzburger Protestanten . Meine Vorfahren kommen ursprünglich aus dem Süden Litauens
    ( Rockiai – Seirijai ) . Ihre sehr gute Zeitung habe ich im Internet gelesen.

    Viele Grüsse aus Bremen , Deutschland
    Helmut Eggert

  2. Ich suche Informationen über die baltische Familie Barin Grimm und seine Frau geb. v. Radecki.
    Sie lebten in den 1929 Jahren in Göttingen. Er war m. W. Kunsthistoriker.

    Für eine Mitteilung mit genauen Namen und Daten wäre ich sehr dankbar.

  3. Gibt es Bücher über deutsche Sehenswürdigkeiten im Baltikum? Ich würde mich über eine Nachricht freuen, da ich nächstes Jahr eine Reise dortnhin geplant habe. Vielen Dank.

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