Des baltischen Wegs gedenken: Im Angesicht eines großen Gegners

Vor genau 24 Jahren, am 23. August 1989, rückten die drei Baltischen Staaten gemeinsam in den Fokus der Weltöffentlichkeit. Die Bürger Lettlands, Estlands und Litauens hatten genug

Baltic Way

Der geheime Pakt zwischen Joseph Stalin und Adolf Hitler, bekannt als Molotov-Ribbentrop-Pakt, der am 23. August 1939 unterzeichnet wurde, teilte Europa und verursachte dem Baltikum 50 Jahre Unterdrückung und brutale Besetzung.

Dem Ruf der Volksfronten folgend bildeten die Menschen der Baltischen Staaten, unerschrocken und Frieden fordernd, eine Menschenkette, die sich etwa 600 Kilometer bzw. 370 Meilen von Estland über Lettland nach Litauen erstreckte. Sie sollte die Welt an die Gräueltaten der totalitären Regime erinnern und die Aufkündigung des Pakts sowie die Wiederherstellung der Souveränität der drei Staaten fordern. Die Kette, heute bekannt als der Baltische Weg, wurde die längste Menschenkette aller Zeiten.

Die Premierminister der Baltischen Staaten, Valdis Dombrovskis, Andrus Ansip und Algirdas Butkevičius, veröffentlichten heute eine gemeinsame Stellungnahme, in der sie betonen, dass „unser friedliches Streben nach Frieden stärker war als die Macht der Sowjets, denn die Gerechtigkeit war auf unserer Seite.” Dem könnte ich nicht mehr zustimmen.

Dieses einzelne Ereignis wurde einem der erinnerungswürdigsten und bedeutungsschwersten Momente in der Rückerlangung lettischer Unabhängigkeit. Zwei Millionen Menschen halten sich tapfer an den Händen, öffnen die Augen und Herzen der westlichen Medien und Gesellschaften neu gegenüber dem Baltikum und unserem Kampf.

Gemeinsam haben wir es geschafft. Im Nachhinein war es keine Zeit des Leids – es war eine Zeit der Entschlossenheit und Einigkeit. Und bedenkt man, wie die Dinge endeten – mit Lettland als stabilem und vertrauenswürdigem EU- und NATO-Mitglied, das wirtschaftlich und politisch reformiert wurde – dann bleibt kein Zweifel daran, dass es das wert war.

Dainis Īvāns, einer der Haupthandlungsträger während der Zeit, in der Lettland seine Unabhängigkeit von der Sowjetunion zurückerlangte, sagte, dass er eine solch tiefe Integration Lettlands in ein freies Europa vor 23 Jahren nicht für möglich gehalten hätte.

Aber das ist genau das, worauf sich Lettlands Geschichte stützt – unglaubliche Kunststücke, ermöglicht durch den unvorstellbaren Mut seines Volkes.
von Karina Pētersone | Übersetzung: Ruth Karner

Die Baltische Rundschau | Online-Redaktion

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