Der Zölibat im Fokus: Theologe Waldenfels – Nicht mit dem Priestermangel arrangieren

Bonn. Für eine offene Debatte über die verpflichtende Ehelosigkeit für Priester in der katholischen Kirche plädiert der Bonner Fundamentaltheologe Hans Waldenfels SJ. Derzeit versuchten die Bischöfe in Deutschland, sich “mit dem Priestermangel zu arrangieren, indem sie Großgemeinden schaffen”, schrieb er in einem Gastbeitrag für die “Zeit”-Beilage “Christ&Welt”. Dies sei “viel zu klerikalistisch” gedacht und laufe Anstößen von Papst Franziskus zuwider, die Kirche von unten aufzubauen.

“Warum macht sich kein deutscher Bischof den Appell von Bischof Erwin Kräutler zu eigen, der den Papst um eine Auflösung des Zölibats in seinem Bistum am Amazonas gebeten hat?”, so Waldenfels.

“Hier fehlt es nach wie vor an einem offenen Gespräch zwischen Bischöfen und Gottesvolk.” Der aus Österreich stammende Kräutler habe wiederholt angeregt, regional unterschiedliche Regelungen für den Zölibat zu schaffen sowie die Fragen der Eucharistiefeier und der priesterlichen Ehelosigkeit zu entkoppeln.

Waldenfels wandte sich zugleich gegen Ansätze, Eucharistiefeiern “ohne autorisierten Vorsteher” abzuhalten. Entsprechende Vorstöße interpretierte er allerdings als Zeichen von Ungeduld.

“Solchen Signalen mit dem Ausspruch der Exkommunikation zu begegnen, ist zu wenig”, so der emeritierte Theologe.

Papst Franziskus binde sein Amt “in hohem Maße zurück an die Gemeinschaft der Bischöfe und schließlich an das Gottesvolk”. Wenn Franziskus von der “Unfehlbarkeit des Gottesvolkes” spreche, betonte Waldenfels, dann heiße dies allerdings nicht: “Jeder kann machen, was er will.” Wichtig sei dem Papst, “dass wir uns in allem dem Ganzen verpflichtet fühlen und niemals sektiererisch werden”.

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