Start Baltikum Estland Digitale Einwohner: Estland bietet „e-Residency“ für Ausländer

Digitale Einwohner: Estland bietet „e-Residency“ für Ausländer

 

 Die baltische Republik Estland geht beim Werben um internationale Investoren einen innovativen Weg

Die estnische Regierung hat eine virtuelle Staatsbürgerschaft inklusive digitaler Pass-Dokumente eingeführt.

Seit Dezember jeder kann unabhängig vom Wohnort einen Antrag stellen und bekommt für circa 50 Euro einen digitaler Pass.

Das neuartige Angebot der estnischen Regierung beinhaltet keinen Status als Bürger. Der Inhaber darf nicht wählen, erwirbt keine Aufenthaltserlaubnis für Estland oder die Europäische Union und erhält auch kein offizielles Ausweis- und Reisedokument. „e-Residency“ soll vielmehr ausländische Investoren ermutigen, aus der Ferne in dem kleinen Land Geschäfte zu tätigen.

Die Esten wollen mit diesem Projekt in den nächsten Jahren ihre Staatsbürgerschaftszahl von derzeit 1,3 Millionen Einwohner verzehnfachen.

Diese virtuelle Identität als estischer Neubürger ermöglicht den Nutzern eigene Staatsbürgerschaftsdokumente, die dann weltweit als Authentifizierung genutzt werden können. 11,7 Millionen viruteller Esten sollen dann bis 2020 die Welt „bevölkern“.

 

So funktioniert das System: „e-Residents“

Und so funktioniert das System: „e-Residents“ erhalten in Form einer Chipkarte eine digitale Identität. Die dazugehörige digitale Signatur und PIN ermöglichen rechtlich bindende Transaktionen mit Internetbanken und estnischen Behörden. Damit können ausländische Investoren aus der Ferne Bankkonten eröffnen oder Steuererklärungen abgeben.

„Physisch wollen unsere Kunden nicht hierher kommen. Also holen wir sie digital hierher“, erklärte der IT-Beauftragte der estnischen Regierung, Taavi Kotka.

Realökonomisch könne sein Land aufgrund der schwachen demographischen Entwicklung und einer geringen Einwanderung kaum wachsen. Zudem hätten sich estnische Unternehmen ein unkompliziertes digitales Unterzeichnen von Verträgen mit ausländischen Partnern gewünscht.

 

Kriminelle könnten sich auch neue Identität besorgen

Vor allem Kriminelle oder auch Wirtschaftsflüchtlinge aus der ganzen Welt könnten so bald über diese virtuelle Staatsbürgerschaft in Estland auch in die EU einsickern.

So könnten die virtuellen Estländer offizielle Dokumente unterzeichnen, Verträge aufsetzen und alle staatlichen Online-Dienste Estlands und damit auch der EU nutzen.

Allerdings haben die digitalen Einwohner nicht alle Rechte, die normale Einwohner haben

Ein Wahl- oder Aufenthaltsrecht erwirbt der Käufer damit nicht.
Von der Unternehmensgründung über alle Anträge und Dokumente bis zur Vertragsunterschrift kann alles künftig online und von jedem Ort der Welt aus erfolgen.

Über das geschäftliche hinaus hat Estland jedoch offenbar kein Interesse an den neuen Bürgern: „Der Staat übernimmt keine Verantwortung für den E-Resident – es geht nur um größere Geschäftschancen.“

Denn die Einführung hat vor allem wirtschaftliche Hintergründe

Mit der Chipkarte kann die Niederlassung von Firmen erleichtert werden. Dies ist insofern interessant, als Estland sich mit niedrigen Steuern für Unternehmen attraktiv machen will. Estland hofft durch die Maßnahme die Zahl der Firmenniederlassungen zu verdoppeln.

Dazu wirbt Estland damit, dass die Weltbank Estland regelmäßig als einen der Orte auf der Welt auflistet, an dem es „am leichtesten sei, Geschäfte zu machen.“

Von der Unternehmensgründung über alle Anträge und Dokumente bis zur Vertragsunterschrift kann alles künftig online und von jedem Ort der Welt aus erfolgen.

Über das geschäftliche hinaus hat Estland jedoch offenbar kein Interesse an den neuen Bürgern:

„Der Staat übernimmt keine Verantwortung für den E-Resident – es geht nur um größere Geschäftschancen.“

 

Die „e-Residency“ befindet sich noch in der Beta-Phase

Dementsprechend heißt es in der Anleitung für den Antragsprozess unter Punkt eins: „Fliegen Sie nach Estland!“.

Die virtuelle Einwohnerschaft kann bislang nämlich nur persönlich auf einer Grenzkontrollstelle beantragt werden. Dort werden biometrische Daten erfasst und ein Entgelt in Höhe von 50 Euro entrichtet.

Spätestens zwei Wochen später – die Regierung empfiehlt in der Zwischenzeit einen Urlaub im schönen Estland – kann die ID-Karte nach einem Hintergrundcheck abgeholt werden. Dieser Prozess soll künftig vereinfacht werden, wie IT-Experte Kotka versprach.

Das ist wohl auch nötig, damit die angepeilte Zielmarke von zehn Millionen „e-Residents“ bis 2025 erreicht wird.

 

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Estonia’s E-Residency Concept (.pdf) 2,3 Mb

Die Baltische Rundschau | Online-Redaktion
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