Ein Jahr lang Reformation feiern

Mit einem Festgottesdienst in der Berliner Marienkirche hat die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) am diesjährigen Reformationstag die Feierlichkeiten für das 500-jährige Reformationsjubiläum eröffnet. Unter dem Motto „Gott ist meine Zuversicht!“ wurde auf das Wirken des Reformators Matin Luther hingewiesen.
Ein Jahr lang werden Menschen aus Deutschland, Europa und vielen Teilen der Welt in Festgottesdiensten, Ausstellungen und sonstigen Veranstaltungen an die Reformation erinnern. Das Festjahr endet am 31. Oktober 2017, genau 500 Jahre nach dem legendären Thesenanschlag Luthers in Wittenberg. Die Proklamation der Thesen gegen die Missstände der damaligen Kirche gilt als Ausgangspunkt der weltweiten Reformation.

Der Bischof der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz, Markus Dröge, rief in seiner Predigt dazu auf, in der Reformation immer wieder neu eine Kraft zu entdecken, “die bewegt und verändert”. Luther habe vor 500 Jahren den Mut gehabt das bestehende nicht einfach hinzunehmen. Es kommt darauf an zu vertrauen, „dass Gott uns die Kraft zum Guten gibt.“ Der Bischof betonte: „Jesus Christus ist der Grund, der uns leidenschaftlich voraus-vertrauen lässt, der uns an Gottes Liebe festhalten lässt. Und diese Liebe gilt jedem Menschen gleich. Diesen Grund hat Martin Luther neu erkannt, anders zur Sprache gebracht und neu geglaubt.“

Zu einem sich anschließenden staatlichen Festakt versammelten sich mehr als 1000 Gäste aus Kirche, Kultur, Politik und Gesellschaft im Berliner Konzerthaus am Gendarmenmarkt.
Der deutsche Bundespräsident Joachim Gauck würdigte in seiner Festrede die von Martin Luther angestoßenen Veränderungen. Auch der Staat, so Gauck, sei von der Reformation geprägt. „Die heutige Gestalt unseres Gemeinwesens ist ohne die christlichen Kirchen nicht denkbar.“ Er erinnerte daran, dass die Reformation alle angeht. Sie präge bis heute viele Länder Europas und weite Teile der restlichen Welt. Luther habe, so der Bundespräsident, eine Tür in eine neue Welt aufgestoßen, allerdings: „Weder Luther, noch Calvin, noch Zwingli noch ein anderer der Reformatoren in deutschen und europäischen Ländern konnte ahnen, welche grundstürzenden gesellschaftlichen und politischen Folgen ihr Kampf für eine Reform des Glaubens und der Kirche haben sollte.“ Ohne die Initialzündung der Reformation gäbe es weder die Freiheit des Glaubens und des Gewissens noch die unveräußerlichen Grundrechte. Neben der Wahrheit des Evangeliums und der dadurch ermöglichten Freiheit sei „Gnade“ wohl das wichtigste Wort der Reformation, so Gauck. „Luthers alles andere überragende Erfahrung war, dass er allein durch die Gnade Gottes zu einem gerechten und guten Menschen werde.“ Dies sei „das Befreiungserlebnis seines Lebens“ gewesen. Auch wenn „Gnade“ heute anscheinend ein fremdes Wort geworden sei, so habe der Mensch „gerade heute nichts so nötig wie Gnade“. In der Gesellschaft mache sich „ein Ungeist der Gnadenlosigkeit breit“, der andere niedermache und verachte. Dies sei brandgefährlich. Gauck unterstrich: „Für viele ist der Glaube an Gott oder an eine unverdiente himmlische Gnade keine persönlich erfahrene Wirklichkeit mehr. Ihnen wünsche ich, dass sie hier und da Gnade von ihren Mitmenschen erfahren und auch selber gnädig mit anderen umgehen.“
Zu den vielen Veranstaltungen im Jubiläumsjahr gehört auch ein sogenannter „Reformationstruck“, der sich von Genf aus auf den Weg gemacht hat. Er besucht bis 20. Mai kommenden Jahres 67 Orte in 19 Ländern. Im Frühjahr 2017 wird er auch die lettische Hauptstadt Riga besuchen. Die Reformation hatte sich im Baltikum bereits im 16. Jahrhundert ausgebreitet.

Freier Journalist aus Berlin

 

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