Eine Kneipe in Polen sollte „Fritzls Keller“ heißen

Josef Fritzl
Josef Fritzl

Empörende Geschmacklosigkeit: Eine Kneipe in Warschau sollte nach dem österreichischer Vergewaltiger und Inzestvater Josef Fritzl benannt werden. Auf dem Tür war sogar das Bild des verurteilten Verbrechers, der 24 Jahre lang seine Tochter im Keller seines Hauses in Amstetten in Niederösterreich gefangen hielt, sie vergewaltigte und sieben Kinder mit ihr zeugte, zu sehen.

Die Rechnung des Unternehmers schien zunächst aufzugehen – schon vor der Eröffnung war die Kneipe bereits Stadtgespräch geworden. Doch mit zunehmender Aufmerksamkeit wurde auch die Kritik immer heftiger und der öffentliche Druck nahm zu. Dann schlug das Ordnungsamt dem Wirt eine Namensänderung vor. «Diese Idee muss man stoppen», sagte auch der Ombudsmann für Kinder, Marek Michalak.

Die Managerin des Lokals hatte aber in einem Warschauer Stadtmagazin die Namensgebung verteidigt: «Das sollte nur schwarzer Humor sein und niemandem schaden.» und der Eigentümer berichtete der Online-Ausgabe der Gazeta Wyborcza: «Ich will keinen Krieg. Das Marketingziel ist schließlich schon erreicht.»

Doch dann kündigte die Stadtverwaltung den auf drei Jahre abgeschlossenen Pachtvertrag. „Es kann nicht sein, dass ein öffentliches Lokal Werbung für eine der größten Bestien unserer Zeit macht“, erklärte der Warschauer Bezirksbürgermeister Wojciech Bartelski laut Zeitung Express. Der Vertrag sei wegen des Schadens für das Gemeinwohl aufgelöst worden.

Josef Fritzl hielt seine 1966 geborene Tochter vom 28. August 1984 bis zum 26. April 2008 in einer Wohnung unterhalb seines Hauses im nieder-österreichischen Amstetten gefangen und vergewaltigte sie vielfach. Daraus stammen sieben Kinder, von denen eines kurz nach der Geburt starb und drei vom Täter als Pflegekinder adoptiert wurden. Die übrigen drei Kinder lebten von der Geburt bis zu ihrer Freilassung im April 2008 in der Kellerwohnung.Der Fall wurde aufgeklärt, nachdem eines der im Keller aufgewachsenen Kinder, ein zum Zeitpunkt der Befreiung 19 Jahre altes Mädchen, wegen einer lebensbedrohlichen Erkrankung vom Täter ins Krankenhaus gelassen wurde und die Ärzte dort nach ihrer Identität und der ihrer Mutter fragten, woraufhin Fritzl auch seine übrigen Opfer frei ließ. Der Öffentlichkeit hatte er stets erklärt, seine Tochter sei zu einer Sekte geflohen und habe die adoptierten Kinder vor seiner Haustür ausgesetzt. Mit einer Freiheitsberaubung von fast 24 Jahren handelt es sich um einen der schwersten Fälle dieser Art in der Kriminalgeschichte Österreichs. Der Täter wurde zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt wegen Mordes, Sklavenhandels, Vergewaltigung in 3000 Fällen, Freiheitsentziehung, schwerer Nötigung, Blutschande.

Der Verurteilte wurde 1935 geboren und war zum Zeitpunkt der Verhaftung 73 Jahre alt. Nach der Pflichtschule besuchte er eine Höhere Technische Lehranstalt (HTL) in St. Pölten mit dem Schwerpunkt Elektrotechnik. Aufgrund einer Vergewaltigung einer 24-jährigen und einer weiteren versuchten Vergewaltigung im Jahre 1967 liegen den Behörden Gerichtsakten vor, nach denen er zu einer Haftstrafe verurteilt wurde. Diese Strafen wurden jedoch nach 15 Jahren aus dem Register gelöscht. Von 1973 bis 1996 betrieb er zusammen mit seiner Ehefrau ein Gasthaus mit Fremdenzimmern und Campingplatz in Unterach am Attersee. In den 1980er Jahren kam es dort zu einer großteils misslungenen und wenig später zu einer erfolgreichen Brandlegung. Ein anfänglicher Verdacht gegen Fritzl und einen seiner Söhne erhärtete sich nicht und das Verfahren wurde eingestellt. Der Gasthof wurde wieder aufgebaut. Vor seiner Inhaftnahme war er als Geschäftsmann bekannt. Er besitzt neben dem Haus, in dem er selbst wohnte, fünf weitere Häuser in verschiedenen Gemeinden in Niederösterreich, die er vermietete. Seine finanzielle Lage war jedoch angespannt und ein Konkursverfahren anhängig, um die Liegenschaften verwerten zu können.

Zusammen mit seiner 1939/40 geborenen Ehefrau Rosemariehat er sieben Kinder.Zusammen mit einer seiner Töchter zeugte er weitere sieben Kinder, wobei ein Zwilling bald nach der Geburt starb. Von seinem Umfeld wurde er teilweise als „liebevoller Opa“ beschrieben, gegenüber der Familie soll er sehr autoritär gewesen sein.

Im Zusammenhang eines im Oktober 2008 entstandenen Psychogramms räumte Fritzl ein, seine Mutter, der er körperliche und seelische Misshandlungen vorwirft, jahrelang bis zu ihrem Tode 1980 in einem Raum eingesperrt zu haben, dessen Fenster er lichtundurchlässig vermauert hatte.

Im Oktober 2012 ließ sich Fritzl, der seine Strafe in der Justizanstalt Stein verbüßt, von seiner Frau scheiden. Sie hatte ihn kein einziges Mal im Gefängnis besucht. Damit verlor sie auch die Rente, die sie für ihren Mann bezogen hatte.

Die Bild-Zeitung besuchte den Gefangenen am 12. Dezember 2012 in der Steiner Vollzugsanstalt: „Wer zu Josef Fritzl will, muss durch sieben Türen gehen. Vorbei an der Gefängniswärterin hinter Panzerglas, am Eingang des Hochsicherheitstrakts. Durch die Sicherheitskontrolle mit Metalldetektor wie an einem Flughafen. Dann Wartesaal, Gefängnishof, Besuchsbereich. Überall bewaffnete Beamte.“

Den Reportern der Bild-Zeitung behauptete Fritzl, dass er seine Tochter, die er jahrelang brutal vergewaltigte und als Gefangene hielt, liebt. Er sei der Meinung, dass seine jetzt Ex-Ehefrau, mit dem er 55 Jahre verheiratet war, immer noch liebt. Seinen Ehering hat er aber nach der Scheidung abgelegt, angeblich aus der Angst, dass ihn jemand im Gefängnis stiehlt.

Weder seine Frau noch eines seiner 13 Kinder haben ihn im Knast besucht. Dass seine Familie nichts mehr von ihm wissen will, verdrängt er: „Meine Kinder werden bestimmt von der Anstalt abgefangen, bevor sie zu mir kommen können.“ Erklärungsversuche aus einer anderen Welt, schreibt die Bild-Zeitung. Seine Welt ist jetzt eine 11,5 Quadratmeter große Einzelzelle mit Blick auf die umliegenden Weinberge. Seine Inzest-Kinder hatten so einen Blick nicht. Sie waren jahrelang in ein dunkles Kellerverlies gesperrt. In der Zelle soll Fritzl Paprika, Peperoni und Tomaten züchten, seine Lieblingsserie in der Fernseher sei „Two and a Half Men“ mit Charlie Sheen. Den Hofgang muss der Verurteilt isoliert von anderen machen, weil Sex-Verbrecher in der Knast-Hierarchie ganz unter stehen – die Behörde fürchtet um sein Leben.

Was die Journalisten der Bild-Zeitung in Erinnerung behalten: Das Inzest-Monster von Amstetten ist ein unbelehrbarer Verbrecher. Uneinsichtig. Die Wahrheit selbst zurecht-gemauert. So wie das Verlies, in dem er seine eigenen Kinder gefangen hielt.

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