Estlands erster Satellit ESTCube-1 fliegt am 4. Mai um 5.06 Uhr morgens ins Weltall

Der erste estländische Satellit ESTCube-1 wird in den frühen Samstagmorgenstunden des 4. Mai um 5.06 Uhr OEZ starten. Eine Vega-Rakete, die neueste Trägerrakete der Europäischen Weltraumorganisation (ESA), bringt den Satelliten vom Weltraumhafen Kourou (Französisch-Guayana) in seine Erdumlaufbahn.

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Estlands Fortschritt auf dem Weg eine Weltraumnation zu werden kann auf der Webseite Arianespace.tv live mitverfolgt werden.

„Der Cube-Satellite ESTCube-1, entworfen von unseren Studenten, in Zusammenarbeit mit Forschungspartnern aus Estland, Finnland und Deutschland, hat die finalen Tests in Französisch-Guayana bestanden und wartet, zusammen mit den europäischen Erdbeobachtungssatellit Proba-V und Vietnams ersten Erdbeobachtungssatellit VNRED-1a, auf seinen Transport in den Weltraum mit der Vega-Rakete“ berichtet der Projektleiter Mart Noorma von der Universität Tartu. ESTCube-1 wird seine angestrebte Umlaufbahn als Dritter dieser Satelliten, voraussichtlich am Samstagmorgen um 7.06 Uhr OEZ erreichen. Arianespace.tv überträgt den Start der Rakete sowie Ansichten aus dem Missionskontrollzentrum bis zur Entsendung von ESTCube-1 in seine Umlaufbahn.

522554_603672216314384_1636281426_nNach der Trennung des ESTCube-1 von der Trägerrakete Vega wird der Satellit auf der Frequenz 437.250 MHz ein Signal senden, das von allen Amateurfunkern empfangen werden kann.

Estlands Studenten-Satelliten-Programm wurde auf Initiative von Studenten und Dozenten der Universität von Tartu im Jahre 2008 ins Leben gerufen. Die Studenten sollen in Kontakt mit „echter“ Wissenschaft und „echtem“ Ingenieurwesen gelangen, um praktische Erfahrungen sammeln zu können und ihre Unternehmungslust zu fördern. Die wissenschaftliche Mission von ESTCube-1 besteht darin die einzelnen Bestandteile eines elektrischen Sonnensegels (electric solar sail oder kurz E-sail) zu testen. Diese sollen zukünftig eine neue Antriebstechnik für interplanetare Raumflüge bieten. Sie wurden von Pekka Janhunen vom Finnischem Meteorologischem Institut (FMI) entwickelt.

Während der Entwicklungs- und Bauphase, nahmen an dem estländischen Studenten-Satelliten-Programm fast Einhundert Studenten teil. Sie sind oder waren Studenten der Universität Tartu, der Technischen Universität Tallin, der estnischen Universität für Aeronautik oder der Universität für Biowissenschaften. Das Projekt wurde geleitet von Forschern des Observatoriums Tartu und der Universität Tartu. Ebenfalls aktiv an dem Projekt mitgearbeitet haben Studenten aus Lettland, Litauen, Deutschland und der Ukraine.

estcube-1_kanderaketisEiner von vielen Deutschen Studenten die nach Estland reisten um an diesem ambitionierten Projekt mitzuarbeiten ist Franz Kaminski, ein Student der Fachhochschule Aachen. Er sagte „Diese Forschung steht in direktem Zusammenhang mit zukünftigen Raumfahrmissionen. Das Langzeitziel ist, auf Grundlage der durch ESTCube-1 erlangten Erkenntnisse bezüglich E-Sail, effizientere interplanetare Raumflüge zu erlauben und eine Möglichkeit zur Verminderung des Weltraumschrottproblems zu bieten“.

Internationale Partner waren die Universität von Helsinki, die Universität von Jyväskylä, die Universität Ost-Finnlands und das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR). Das Projekt wurde unterstützt von der europäischen Weltraum Agentur (ESA).

Der erste Schritt vorwärts auf dem Weg eine Weltraumnation zu werden ist durch den Start des Satelliten getan, welcher dem 95. Jahrestag der Republik Estlands gewidmet ist.

von Virge Tamme

Die Baltische Rundschau | Online-Redaktion

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