Europa macht, was China will – Besuch des Dalai Lama im Baltikum

China hat Europa im Griff. Lettland und Litauen haben Seine Heiligkeit den Dalai Lama offiziell nicht empfangen. Litauens Präsidentin Grybauskaite trifft sich aber privat mit dem geistlichen Oberhaupt von Tibet
Dalai Lama während der Pressekonferenz in Vilnius | Foto: Zymantas Morkvenas
Dalai Lama während der Pressekonferenz in Vilnius | Foto: Zymantas Morkvenas

Seine Heiligkeit der 14. Dalai Lama ist auf einer zehntägigen Europatournee. Litauen war die zweite Station seiner Reise – nach Lettland, und vor Tschechien und Deutschland.

Lettlands Spitzenpolitiker gaben dem Druck der stets wachsenden politischen und wirtschaftlichen Macht Chinas nach: es fand kein offizielles Treffen mit dem geistlichen Oberhaupt der Tibeter statt (siehe:   Lettland kuscht vor China bei Dalai-Lama-Besuch). Der Grund: Angst vor China.

Noch vor der Ankunft Seiner Heiligkeit in Vilnius, engagierte sich China auch in Litauen für seine politischen Interessen und gab der Politikelite zu verstehen, dass ein eventuelles offizielles Treffen zwischen Litauen und Tibet Konsequenzen in der Beziehung zwischen China und Litauen haben könnte.

Als Ratspräsident der EU hatte Litauen auch keine andere Wahl als jeder andere EU-Mitgliedsstaat auch, nämlich die Ein-China-Politik zu vertreten und das von China als Separatist abgestempelte geistliche Oberhaupt von Tibet offiziell nicht zu empfangen.

Trotzdem spekulierten litauische Zeitungen tagelang vor der Ankunft des Dalai Lama und seiner Begleitung darüber, ob es wohl doch zu einem offiziellen Treffen kommen würde oder nicht. Seine Heiligkeit wurde offiziell von keinem der Politiker Litauens empfangen.

Präsidentin Dalia Grybauskaitė traf sich aber am 11. September privat mit dem 78-jährigen Friedensnobelpreisträger.

In dem Video, das beide in ihre Internetseiten stellten, schien das Treffen in einer freundlichen und vertraulichen Atmosphäre stattgefunden zu haben.

„Ich hoffe, dass Sie eine gute Zeit haben werden mit all den Menschen, denen Sie begegnen werden. Die Menschen lieben Sie. Und für mich ist es eine große Ehre, Sie zu treffen.“, – sagte Staatspräsidentin Dalia Grybauskaitė .

Diese Worte und die Tatsache, dass Dalia Grybauskaitė  und der Dalai Lama sich doch noch persönlich getroffen haben, sind von großer Bedeutung, denn sie zeigen Respekt und Empathie – laut euractiv moralische Integrität und Courage seitens des litauischen Staatsoberhaupts.

Zuvor am selben Tag überreichten Aktivisten Grybauskaitė  eine Petition mit 6000 Unterschriften, den Tibet-Konflikt stärker auf die Tagesordnung der EU zu bringen. 6000 Unterschriften, die fast volle Siemens Arena zum öffentlichen Vortrag Seiner Heiligkeit, und das große Interesse an den Tibetischen Kulturtagen in Vilnius (7-23. September) zeigen, dass die Menschen in Litauen Sympathie für Tibet haben.

Diese Sympathie hat auch Seine Heiligkeit während seiner öffentlichen Rede angesprochen und mit Anekdoten aus dem Jahr 1991, als er das erste Mal in Vilnius war, ergänzt.

Diese Verbundenheit mit dem Schicksal von Tibet kann teilweise mit der historischen Vergangenheit Litauens und seinem Kampf für Freiheit und Unabhängigkeit erklärt werden. 1990 war seine Heiligkeit der 14. Dalai Lama einer der ersten öffentliche Persönlichkeiten, die die Unabhängigkeit Litauens begrüßten.

Leonidas Donskis, Mitglied des Europaparlaments und Meinungsbilder in Litauen äußerte sich für AFP zum Besuch des geistlichen Oberhauptes von Tibet und sprach über Litauens moralische Schulden gegenüber dem Dalai Lama aus der Zeit, als Litauen anfing wieder auf eigenen Füßen zu stehen.

Diese Schulden muss auch Präsidentin Grybauskaitė  gesehen haben (und sehen), als sie sich privat mit Seiner Heiligkeit traf. Ob aber dieses Treffen nur eine Geste gegenüber Tibet und dem Dalai Lama bleibt, oder vielleicht der Anfang einer neuen China-Politik der EU wird, wird sich herausstellen.

Auf jeden Fall ist der China-Tibet Konflikt ein Thema, in dem die EU als Friedensnobelpreisträgerin einen Dialog ankurbeln könnte.

 

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