Finnen haben den Eindruck, Estland sei das echte Europa

Finnlands größte Wirtschaftszeitung Kauppalehti wählte ihre neue Persönlichkeit der Woche und dieses Mal traf es Valdar Liive, der als Vorreiter der Idee Talsinki gilt – eine Stadt die Tallinn und Helsinki verbinden soll.

Diese Idee wurde vor zehn Jahren zum ersten Mal dargelegt, mit dem Ziel beide Städte zu vereinen. Existiert eine solche Stadt sogar vielleicht schon?

Wenn früher Finnen zu uns kamen, weil unsere Ware billiger war, so kommen sie heutzutage weil sie einen höhere Qualität hat: Anhänger der touristischen Luxusklasse übernachten in teuren Hotels und gehen ins Theater.
Jetzt ist es noch wichtig, wie viel wir nach Finnland verkauft und anders herum. Das soll darauf abzielen, dass beide Länder zusammen dem Weltmarkt etwas bieten können.

Die estnische Botschaft veranstaltete gestern nach der Startup Konferenz Slush einen Empfang, an dem Vertreter der sieben weltweit wichtigsten Risikofonds teilnahmen. Das zeigt, dass wir mit Finnland zusammen interessanter scheinen als nur jeder einzeln für sich.

Den Einwohner Tallinns kommt Helsinki weiter entwickelt vor, weil die Straßen dort gut asphaltiert und im Winter geräumt sind. Was kann Tallinn dem entgegensetzen?

Den Finnen hingegen scheint, Estland sei wahres Europa, während Finnland selber eher einer Insel gliche. Ich war im positiven Sinne überrascht als das Technische Institut Tallinn ein Zentrum für Technologie und Business Development (Mektory) eröffnete.

Es war offensichtlich, dass Mektory das finnische Startup-Zentrum Aalto in den Schatten gestellt hatte da wir bereits eigene Produkte haben.

Haben Sie nicht das Gefühl, dass Finnland eher harmonisch und orientiert die Zusammenarbeit angeht, während Estland vielmehr hungrig und aggressiv wirkt?

Das ist wahr und mir fällt nichts anderes ein als die besten Eigenschaften beider Länder zu vereinen. Als Este rede ich schnell und unterbreche oft meinen Gesprächspartner. Finnen dagegen sprechen langsam und lassen ihren Gegenüber zu Wort kommen.

Den Esten sollte es nicht ärgern, wenn er einen Monat vorher nach einem Gespräch mit dem Finnen fragen muss. Andererseits kann man sich sicher sein, dass auf die Briefe schnell Antwort folgen wird und nach einem unbeantwortetem Anruf unbedingt zurückgerufen wird.

 

 

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