Georgien: Ermittlungen gegen Kleriker wegen Volksverhetzung aufgenommen

Krawalle in Tiflis / GeorgienZwei georgische orthodoxe Priester, die am 17. Mai Tausende von Gläubigen gegen Homosexuellen aufgehetzt haben sollen, wurden jetzt von der georgischen Justiz zur Verantwortung gezogen. Den Geistlichen drohen eine bis zu zweijährige Gefängnisstrafe, teilte das Innenministerium in Tbilissi per Pressemitteilung mit.

Bei der ersten Homo-Parade in Georgien traten radikale Gläubige aggressiv auf, weil die orthodoxe Kirche vorher Gleichgeschlechtliche mit Kinderschändern auf eine Stufe gestellt hatte. Die Kirche genießt einen enormen Einfluss in der früheren Sowjet-Republik.

Etwa 50 Gleichgeschlechtliche haben mit Regenbogenfahnen im Zentrum der georgischen Hauptstadt gegen Homophobie demonstriert, als sie von rund 200 Mitgliedern einer Glaubensgruppe angegriffen wurden. Danach lieferten die orthodoxe Christen eine wilde Schlägerei mit den Lesben und Schwulen . Die Ordnungshüter trieben die beiden verfeindende Lager auseinander und nahmen mehrere Personen fest.

Auf einem Videoband soll zu sehen sein, wie einer der Priester Todesdrohungen gegen Homosexuelle ausspricht. Bisher waren vier junge Leute wegen ihrer Beteiligung an den Krawallen jeweils zu 45 Euro Geldbuße verurteilt worden. Bei den Handgemengen waren etwa 30 Personen verletzt worden. Homosexualität ist in Georgien nicht verboten, wird aber von weiten Teilen der Bevölkerung als Bedrohung empfunden.
Politik 2013 Georgien Homophobie Krawalle: Wikipedia

Der deutsche Außenminister Guido Westerwelle hat in einem Telefonat mit seiner georgischen Amtskollegin Maja Panjikidze seine Empörung über einen Angriff auf eine Homosexuellen-Demo zum Ausdruck gebracht. Nach Informationen von SPIEGEL ONLINE kritisierte der Minister in dem Gespräch die schweren Ausschreitungen in Tiflis. Derartige Vorgänge seien in einem Land, das zur euroatlantischen Wertegemeinschaft gehören wolle, nicht akzeptabel.

Auch in St. Petersburg (Russland) war es am internationalen Tag gegen die Diskriminierung von Homosexuellen zu Ausschreitungen gekommen. Unbekannte hätten einen Bus mit Aktivisten mit einer Nebelgranate zum Halten gezwungen und dann mit Flaschen und Steinen beworfen, berichtete die Agentur Interfax. Einige Insassen seien geschlagen worden. In St. Petersburg war vor kurzem ein umstrittenes Gesetz gegen „Schwulenpropaganda“ in Kraft getreten.

Homosexuelle Handlungen sind in Georgien seit 2000 legal. Antidiskriminierungsgesetze zum Schutz der sexuellen Orientierung bestehen in Georgien nicht. Das Schutzalter liegt einheitlich bei 16 Jahren. Dennoch gibt es weder eine Anerkennung von gleichgeschlechtlichen Ehen noch sind eingetragene Partnerschaften erlaubt. Eine LGBT-Gemeinschaft gibt es nur in kleinem Umfang in der Hauptstadt Tiflis. Das LGBT Magazin Me Magazin wird seit 2006 herausgegeben. LGBT Organisationen wie Inclusive-Foundation, die sich für die Rechte homosexueller Menschen im Lande einsetzen, werden staatlicherseits bedrängt.

Die Baltische Rundschau | Online-Redaktion
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