Kulturelle Höhepunkte: Ausstellungen estnischer Maler in Berlin

Andro Kööp
Andro Kööp

Von Ülo Salm, Berlin

Im Rahmen der zahlreichen kulturellen Aktivitäten der Botschaft Estlands gab es kürzlich wieder Höhepunkte.

Am Fünften dieses Monats wurde in der Botschaft (Hildebrandstr. 5 in Berlin) von der Hausherrin Dr.Kaja Tael eine sehr interessante und ansprechende Ausstellung von Werken eines bekannten und erfolgreichen estnischen Malers eröffnet.

Gezeigt werden Bilder des Malers und Designers Andro Kööp, Jahrgang 1967, aus seinen Serien „Error“, „Strand“ und „Kraftvoller Ausbruch“. Kööp bevorzugt eine Punktrastertechnik, die mit überwiegend freundlichen und hellen Farben einen Hauch von Impressionismus atmet, ohne dass das Rasterverfahren eine technisch-mechanistische Note bekommt. Die Bilder der Serien „Error“ und „Strand“ bringen gesellschafts-politische Aussagen und menschliche Emotionen zum Ausdruck.

In der Serie „KraftvollerAusbruch“ behandelt der Künstle in expressiver und leicht surrealistischer Weise die Urkräfte, die im Chaos zu neuem Werden führen. Ganz anders sind seine Kollagen mit Schmuck und bunten Steinen – verspielt und mit erkennbarer Liebe zum Schönen und Dekorativen.

Kulturattaché Harry Liivrand, der den Künstler – einen langjährigen Freund – vorgestellt und eine Einführung in sein Schaffen gegeben hatte, wies ergänzend darauf hin, dass ein großes Gemälde aus Kööps Serie „Garten“ in der Café-Galerie Meisterschüler in Berlin Mitte zu sehen sei.

Enno Hallek
Enno Hallek

Drei estnische Avantgarde-Klassiker in der Werkstattgalerie
Weiterhin ist in einer der bedeutenden Galerien Berlins derzeit eine Ausstellung von Werken dreier estnischer Avantgarde-Klassiker zu erleben. Mit den Malern Enno Hallek, Leonhard Lapin und Andres Tolts setzt die Werkstattgalerie im Stadtbezirk Schöneberg eine im vorigen Jahr begonnene Ausstellungsreihe zur Moderne in der estnischen Kunst fort. Während 2012 eine Ausstellung von Jaan Elken’s „Messages from Reality“ zu sehen war, kann das interessierte Publikum jetzt die Gruppenausstellung „Messages from Reality, vol. 2“ genießen.

Tolts, Ehemann der bekannten Popart-Künstlerin Mare Vint, und sein Malerkollege Lapin waren schon in der Zeit der sowjetischen Besatzung in ihrer Heimat weit bekannte Avantgardisten, während Hallek im schwedischen Exil gearbeitet hat und nach vor in Schweden lebt.

Andres Tolts
Andres Tolts

Zur Vernissage am 8. Juni konnten die Besucher Tolts und Hallek begrüßen, die aus Estland und Schweden angereist waren. Nach einer Begrüßung durch Botschafterin Dr. Kaja Tael gab der Kurator der Ausstellung, Kulturattaché Harry Liivrand, eine Einführung in das Thema der Ausstellung, danach beantwortete Andres Tolts in launiger Weise Fragen aus dem Publikum – nicht zuletzt auch zu den schwierigen Verhältnissen der Künstler in der Sowjetzeit.

Wie auch schon in der westlichen Kunstwelt lassen die Werke einen ironischen Blick auf vom Verbraucherkult geprägte Wertesysteme erkennen, indem banale Gebrauchsgegenstände in zum Teil bewusst absurder Weise dargestellt und mechanistisch verfremdet werden.

Leider ist die Ausstellungszeit viel zu kurz. Sie endet bereits am 13. Juli, und man hofft auf eine Fortsetzung der Serie im nächsten Jahr.

Die Ausstellung von Andro Kööp läuft noch bis Ende August
und ist in der Estnischen Botschaft
Hildebrandstr. 5 in 10785 Berlin
zu sehen
http://www.estemb.de

Bis zum 13. Juli:
Avantgarde-Klassiker in der Werkstattgalerie
Die Galerie befindet sich in der
Eisenacher Straße 6 in D-10777 Berlin
http://www.werkstattgalerie.org

Fotos: Harry Liivrand

 

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