Litauen: Energieeffizienz – strategische Hauptziel

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Energieeffizienz in Litauen: Finanzinstrumente sind die Antwort

Effiziente Energie ist einer der wichtigsten Motoren einer umweltfreundlicheren Wirtschaft und für das Einsparen öffentlicher und privater Ausgaben. Deshalb ist Energieeffizienz eines der strategischen Hauptziele des litauischen operationellen Programms für EU-Investitionen im Zeitraum 2014-2020.

Umstellung auf eine effizientere Energienutzung

Im Verlauf des letzten Jahrzehnts ist die Energieeffizienz in Litauen schnell gewachsen, das Energieniveau liegt jedoch weiterhin viel höher als in vielen Mitgliedstaaten. Einer der Wege, die Energieeffizienz zu verbessern, ist die Sanierung alter Wohnblöcke, von denen Litauen ungefähr 37 000 hat. Um diesen Prozess erfolgreich zu handhaben, setzen wir seit 2009 Finanzinstrumente für die Sanierung von Wohnblöcken ein.

Von Anfang an sahen wir uns verschiedenen Herausforderungen gegenüber – nicht nur finanziellen, sondern auch bei der Änderung der öffentlichen Meinung, nach der Sanierungen angeblich nicht effektiv sind. Heute sprechen die Zahlen für sich und wir können erfreut sagen: Wir bemühen uns nun die hohe Qualität der Sanierung aufrechtzuerhalten, da die Nachfrage nach Darlehen größer ist als die verfügbare Finanzierung. Analysen zeigen, dass der Energieverbrauch in einigen Gebäuden nach der Sanierung um 50 % gesunken ist. Energieeffizienz kann und muss jedoch an mehr als der Anzahl der sanierten Gebäude oder umgesetzten Energieeffizienzmaßnahmen gemessen werden. Es geht auch um Lebensqualität und ein sicheres, gesundes Umfeld.

 

Nutzung von Finanzinstrumenten

EU-Mittel und Finanzinstrumente waren in diesem Prozess unerlässlich und sind es immer noch. 2009 wurde der mit 227 Mio. EUR ausgestattete JESSICA-Holding-Fonds für die Sanierung von Wohnblöcken eingerichtet. Da der Einsatz von Finanzinstrumenten im Energiesektor die Erwartungen erfüllt hat und eine Reihe vorbereiteter Projekte eine hohe Nachfrage gezeigt hat, wurden innerhalb des Finanzrahmens für 2014-2020 drei neue Fonds eingerichtet: JESSICA II, der Fonds für die Sanierung von Wohnblöcken (MBMF) und der Energieeffizienzfonds (ENEF).

Der von der Nationalen Agentur für die Entwicklung öffentlicher Investitionen verwaltete MBMF ist ein mit 30 Mio. EUR ausgestattetes Finanzinstrument, JESSICA II dagegen ist ein „Fonds von Fonds“ (150 Mio. EUR) und wurde eingerichtet, um große Privatinvestitionen anzuziehen, um die Hebelwirkung der EU-Fonds zu steigern und die hohe Nachfrage nach Investitionen zu erfüllen.

Der neu eingerichtete ENEF (79 Mio. EUR) ist dazu da, Kredite für die Sanierung öffentlicher Gebäude bereitzustellen und Bürgschaften für Straßenbeleuchtungsprozesse zu gewähren. Aufgaben des Fonds sind nicht nur die Investition in Projekte, sondern auch die Entwicklung des ESCO-Modells, das in Litauen bisher nicht umfassend umgesetzt wurde. Dadurch werden Privatinvestitionen und Erfahrungen aus Privatunternehmen angezogen, um EU-Mittel effektiver nutzen und Risiken reduzieren zu können. Derzeit sucht die Agentur für die Entwicklung öffentlicher Investitionen nach möglichen Investoren, die in litauische Energieeffizienzprojekte investieren möchten.

Im Zeitraum 2014-2020 möchten wir die Chance ergreifen, die Kapitalrendite der EU-Mittel zu erhöhen und so umfassend wie möglich Rotationsfonds einzusetzen. Deshalb planen wir einen breit gefächerteren Einsatz von Finanzinstrumenten. Um Chancen und das Potenzial von Finanzinstrumenten in anderen Bereichen der öffentlichen Infrastruktur, wie Energie, Wasserbehandlung, Verkehr, Straßeninfrastruktur, IT und andere, zu bewerten, wird gerade eine Analyse der Marktbedürfnisse erarbeitet.

 

Von ALOYZAS VITKAUSKAS – Stellvertretender Finanzminister, Vorsitzender des Begleitausschusses für das litauische operationelle Programm 2014-2020
Quelle: Panorama Magazine Printausgabe Nr. 54
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