Magdeburg wehrt sich gegen Neonazis

Magdeburg/BR. Tausende Magdeburger Bürger haben am Samstag (12. Januar) ein Zeichen gegen Neonazismus und gegen den jährlichen Aufmarsch von Hitler Anhänger in der Stadt gesetzt. Vereine, Parteien, Gewerkschaften und Initiativen gestalteten in der Innenstadt die «Meile der Demokratie». Sie ist eine Gegenbewegung zu dem Demonstration der Rechten, die wiederholt das Gedenken an die Bombardierung Magdeburgs im Zweiten Weltkrieg am 16. Januar 1945 für ihre Propagandazwecke nutzen.

Gegendemonstration zum Neonaziaufmarsch
Gegendemonstration zum Neonaziaufmarsch

Am diesem Tag wurde Metropole der Sachsen-Anhalt, einer der größten Umschlagplätze für deutsches Kriegsgerät, bombardiert. Damit konnte der von den Deutschen initiierte Vernichtungskrieg schneller gestoppt werden, wahrscheinlich zehntausende vor dem Mord durch Hitlers Häscher bewahrt werden. Die Neonazis verdrehen die Geschichte, machen aus den Tätern Opfer.

Rund 1000 Rechtsextremisten sind laut Polizeibehörde mit schwarzen Fahnen durch den Magdeburger Stadtteil Salbke gezogen. Der Weg durch die Innenstadt blieb ihnen jedoch versperrt, denn im Zentrum beteiligten sich die Menschen von der Stadt organisierten Straßenfest.

Die Magdeburger Polizei hatte mehr als 2000 Beamte im Einsatz und Unterstützung aus neun weiteren Bundesländern angefordert. Auch Wasserwerfer und ein Hubschrauber waren unterwegs. Damit sollte ein Zusammenprallen von Neonazis und Gegendemonstranten verhindert werden. Es war einer der größten Polizeieinsätze in der Geschichte Sachsen-Anhalts. Vereinzelt kam es zu Ausschreitungen. Aus mehreren kleineren Gruppen seien Flaschen gegen Beamte geschleudert worden, sagte ein Polizeisprecher. Nach ersten Angaben wurden sieben Beamte leicht verletzt. Mindestens zwei Demonstranten wurden vorläufig festgenommen. Zudem wurden Feuerwerkskörper und Rauchbomben gezündet. An der CDU-Zentrale in der Innenstadt setzten Unbekannte einen großen Müllcontainer in Brand.

Sachsen-Anhalts Innenminister Holger Stahlknecht (CDU) zeigte sich davon überzeugt, dass die Nationaldemokratische Partei Deutschlands (NPD) verboten wird. Zwischen 1933 und 1945 hätten Anhänger dieser Partei schon genug Schaden angerichtet, sagte er am Samstag auf der Meile, schreibt Sächsische Zeitung Online. «Wir brauchen ein Land, in dem Kulturen miteinander leben.» Ziel des Tages sei es, friedlich ein Zeichen gegen Rechts zu setzen.

Demokraten müssen ein Zeichen setzen
Der Vorsitzende des Nationalsozialistischen Untergrund (NSU)-Untersuchungsausschusses im Bundestag, Sebastian Edathy, betonte laut Sächsische Zeitung Online, es sei wichtig, dass Demokraten ein Zeichen setzten. Rechtsextremismus sei leider immer noch ein Teil der Realität, sagte er auch mit Blick auf die NSU-Morde in Deutschland. Deren Aufarbeitung sei dringend erforderlich.

Die Mitorganisatorin der «Meile der Demokratie», Christine Böckmann, zeigte sich trotz mancher Schwierigkeiten im Vorfeld des Straßenfestes mit dem Zuspruch «sehr zufrieden». Immerhin seien 162 Gruppen auf die Meile gekommen. Auf der «Meile der Demokratie» waren bis zum Abend 21 Aktionen geplant.

Fotoquelle: Mut gegen rechte Gewalt – Das Portal gegen Neonazis

 

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