Mutmaßliche russische Spione stehen in Stuttgart vor Gericht

Spione - SymbolbildEin Agenten-Paar aus Russland soll sich als ganz normale Familie getarnt und so Informationen unter anderem über die NATO-Militärstrategie an den russischen Geheimdienst weitergegeben haben. Nach Moskau wurden geliefert 450 Geheimdokumente, darunter Sitzungsprotokolle des Nordatlantikrats der NATO und Details über Militäroperationen in Libyen, Afghanistan oder dem Kosovo.

Jetzt müssen sich die beiden vor dem Stuttgarter Oberlandesgericht verantworten. Es droht eine Haftstrafe bis zu zehn Jahren.

Die mutmaßliche Spione sind im Oktober 2011 in Marburg (Hessen) und in Balingen (Zollernalbkreis) von Spezialgruppe der Polizei festgenommen worden. Zuvor hatte der russische Auslandsnachrichtendienst “Sluschba Wneschnei Raswedki” (SWR) offensichtlich Informationen von der Gegenschlag erhalten zu haben, denn die beiden Verdächtigten bereiteten schon ihre Abreise aus Deutschland vor. Die deutsche Ermittler kamen den beiden Beschuldigten offenbar durch Hinweise von US-Behörde auf die Spur.

Der Mann, ein Diplom-Ingenieur, arbeitete in Balingen und im südpfälzischen Hagenbach bei Autozulieferern. Von 2002 bis 2010 wohnten die Angeklagten in Landau (Pfalz). Das Ehepaar hatte hier ein Haus angemietet. Die inzwischen erwachsene gemeinsame Tochter des Paares soll erst nach der Verhaftung der Eltern von deren Doppelleben erfahren haben.

Ende der 1980er Jahre waren die Eheleute nach den Ermittlungen der Bundesanwaltschaft mit falschen Pässen nach Deutschland eingereist. Sie hatten sich demnach als Österreicher südamerikanischer Herkunft ausgegeben. In der Folge hätten sie sich unter den Alias-Namen “Andreas” und “Heidrun Anschlag” eine bürgerliche Existenz aufgebaut, mit der sie ihre hauptamtliche Spionagetätigkeit getarnt haben sollen.

Ihre Anweisungen erhielt das Paar laut Anklage hauptsächlich über Agentenfunk. Verdächtigten dagegen nutzten angeblich für die Übermittlung von Informationen per Satellit funktionierenden Kurzwellensender und tote Briefkasten. Hin und wieder sollen sie im Internet-Portal You Tube geheime Botschaften in den Kommentaren zu den Videos versteckt haben.

Die genaue Identität und das Alter der beiden steht nicht fest. Laut Anklage erhielten sie ein Entgelt von rund 100.000 Euro im Jahr. Vor dem Oberlandesgericht Stuttgart sind bis Anfang Juni 31 Verhandlungstermine angesetzt. Das Paar hofft laut Verteidigung darauf, nach dem Prozess gegen die deutsche Agenten in Russland ausgetauscht zu werden.

Quellen: ARD, ZDF

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