Nach Achterbahn der Gefühle: Zalgiris Vilnius ist litauischer Meister

Es sind verrückte Szenen, die sich nach dem Abpfiff der Partie Zalgiris Vilnius gegen FK Suduva Marijampole im LFF-Stadion in der litauischen Hauptstadt abspielen. Tabellenführer Zalgiris hat soeben im letzten Spiel der Saison 1:3 verloren und damit scheinbar auch die sicher geglaubte Meisterschaft verspielt. Die Spieler in Grün-Weiß liegen fassungslos auf dem Boden. Dann erfahren Zuschauer und letztendlich auch die Spieler, es hat  trotz der Niederlage zum Titelgewinn gereicht. Der Rest ist grenzenloser Jubel, Sektduschen und fassungslose Spieler in Grün-Weiß, die ihr Glück nicht begreifen können.

Aber zunächst von Beginn: Die Ausgangslage beim letzten Spieltag in der litauischen A-Lyga war einfach, aber doch brisant. Tabellenführer Zalgiris lag drei Punkte vor Atlantas aus Klaipeda. Bei Punktgleichheit wird in Litauen ein Entscheidungsspiel um die Meisterschaft ausgetragen. Ein Unentschieden würde der Mannschaft aus der Hauptstadt also zum Gewinn der Meisterschaft reichen. Bei leichtem Nieselregen begannen die in grün-weiß gekleideten Gastgeber selbstbewusst und spielbestimmend. Das Spiel wurde immer wieder in die Breite verlagert, besonders die flinken Pavel Komolov und Serge Nyuiadzi kombinierten prächtig in der Hälfte des Gastes aus Marijampole. Doch der letzte Pass wollte beim Tabellenführer einfach nicht ankommen. Und so kam es wie es kommen musste. Die aufopferungsvoll kämpfenden Gäste erzielten bei einer ihrer seltenen Vorstöße in die gegnerische Hälfte durch Povilas Kiselevskis (41.)  die überraschende 1:0-Führung.

In der zweiten Hälfte wirkte Zalgiris mit der Last des drohenden Verlusts der Meisterschaft wie gelähmt. Die Gäste aus der siebtgrößten Stadt Litauens zeigten dagegen plötzlich, dass sie nicht bloß verteidigen, sondern sogar ansehnlich kombinieren können. Die Folge waren zwei lupenreine Kopfballtreffer  durch Karolis Chvedukas (52.) und Audrius Brokas (72.). Der Drops schien gelutscht. Erst der 1:3-Anschlusstreffer durch Mantas Kuklys (79.) nach einem schmeichelhaften Elfmeterpfiff weckte Zalgiris und die gut 2.000 Zuschauer noch einmal auf. Doch Suduva-Keeper Dziugas Bartkus hatte wohl etwas gegen den Titelgewinn der Grün-Weißen. Gleich mehrfach brachte er mit seinen Paraden in der Schlussphase die Zalgiris-Kicker zum Verzweifeln. Und so blieb es beim 1:3 aus Sicht von Zalgiris. Was blieb waren lange Gesichter – zunächst. Denn in der parallel laufenden Partie hatte der Tabellenzweite Atlantas Klaipeda tatsächlich in den Schlussminuten  gegen Banga Gargzdai noch den Ausgleich kassiert. Während einige Zalgiris-Kicker nach dem Abpfiff auf den Boden sanken, erhielt Mittelfeldmotor Komolov von den Fans die frohe Botschaft. Trotz der Niederlage hatte es zum vierten Titelgewinn gereicht. Während die Fans bereits mit Pyro und einer Choreographie ausgelassen feierten, ließen schließlich auch die Spieler ihren Emotionen freien Lauf. Nach einer Achterbahn der Gefühle spritzten die frischgebackenen Meister mit Sekt umher, ließen ihren Erfolgscoach Marek Zub hochleben und drehten einige Ehrenrunden mit dem Meisterpokal.

 

 

 

Marcel Storch

Marcel Storch ist Korrespondent der Baltischen Rundschau.