Oswiecim: Sinti und Roma gedenken des Völkermords vor 70 Jahren

Oswiecim (KNA) — Am internationalen Gedenktag an den deutschen Völkermord an den Sinti und Roma haben Vertreter der Minderheit ein stärkeres Bekenntnis zu dieser Opfergruppe gefordert. Erst wenn Europas Nationen die Holocaust-Opfer der Sinti und Roma als Teil ihrer eigenen Geschichte und als Verpflichtung für die Gegenwart begriffen, seien die Lehren aus dem Nationalsozialismus wirklich gezogen, sagte der Vorsitzende des Zentralrates Deutscher Sinti und Roma, Romani Rose, am Samstag im ehemaligen deutschen Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau. Der 2. August, an dem vor 70 Jahren die letzten fast 3.000 Häftlinge des sogenannten Zigeunerlagers in Auschwitz ermordet wurden, müsse in Europas Gedächtnis verankert werden.

Als “wichtigen Schritt auf diesem Weg” lobte Rose, dass Polen 2011 den 2. August zum nationalen Gedenktag erhoben habe. An der Zeremonie in Oswiecim (Auschwitz) nahmen neben mehreren hundert Sinti und Roma auch Vertreter der polnischen Regierung und Bundestagsvizepräsidentin Claudia Roth (Grüne) teil. Die Nationalsozialisten hatten im Zweiten Weltkrieg insgesamt eine halbe Million Sinti und Roma getötet, etwa 21.000 davon in Auschwitz.

Der Zentralratsvorsitzende verurteilte die jüngsten gewaltsamen Überfälle und Mordanschläge auf Roma in Europa. Zudem kritisierte Rose, dass auch Regierungsparteien “Populismus auf Kosten unserer Minderheit” betrieben und damit den Boden für rechtsextreme Parteien und Gewalttaten bereiteten. “Mit großer Sorge sehen wir, dass rechtsradikale und gewaltbereite Parteien und Organisationen in Europa immer mehr um sich greifen und deren Parolen bis in die Mitte der Gesellschaft Widerhall finden.”

Roth mahnte ein Ende der Ausgrenzung der Sinti und Roma an. Für zwölf Millionen Menschen der Minderheit sei Europa die “Heimat”. Es bewege sie zutiefst, dass sich viele Sinti und Roma heute aus Angst vor erheblichen Nachteilen nicht trauten, zu ihrer eigenen Identität zu bekennen, und sich selbst verleugneten, so die Bundestagsvizepräsidentin. Sinti und Roma gehörten zur europäischen Kultur.

Rose sagte, in vielen europäischen Ländern würden Sinti und Roma wieder zu Sündenböcken für ökonomische Fehlentwicklungen und soziale Verwerfungen gemacht. Auch Medien verstärkten oft althergebrachte Feindbilder, statt sie kritisch zu hinterfragen. Die Vorurteile gegen Sinti und Roma hätten sich in der Mitte der Gesellschaft festgesetzt. Laut einer neuen Untersuchung der Universität Leipzig habe die Feindlichkeit gegenüber der Minderheit in Deutschland “erschreckend” zugenommen, so der Zentralratsvorsitzende.

 

mit/nzo

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