Aus dem Gerichtssaal: Polen „bedienen“ sich in Schwedt

Das Schwedter Amtsgericht
Das Schwedter Amtsgericht

Die deutsche Grenzstadt Schwedt an der Oder – aber nicht nur die – ist oft das Ziel krimineller polnischer Bürger.

So hat sich das Schwedter Amtsgericht hauptsächlich mit Diebstahlsdelikten der polnischen Nachbaren zu beschäftigen. Mit einem scheinbar unverbesserlichen Familienvater hatte sich das Gericht kürzlich zu befassen.

Die Anklage warf dem Polen Arkadiucz Slawomir W. (52) gewerbsmäßigen Diebstahl vor und bezog sich dabei auf seine Taten am 8. April und 12. Juni dieses Jahres im NETTO-Markt in Schwedt. Az. 12 Ds 3414 Js 15176 (116/17).

In beiden Fällen gelang es ihm, offenbar unbemerkt vom Verkaufspersonal, jeweils über zwanzig Flaschen teure Sorten Alkoholika aus dem Regal zu nehmen. Eine Verkäuferin, als Zeugin geladen, fragte ihn, ob sie behilflich sein könne. Er lehnte das Hilfsangebot ab und verstaute sein Diebesgut im Rucksack und im Einkaufsbeutel. Dann passierte er die Kasse ohne zu bezahlen.



Nach dem ersten Diebstahl stellte ihn die Polizei, als er mit seinem Auto mit der beute in Richtung Polen fuhr. Bei seiner letzten Tat verletzte der Angeklagte einen Kunden, der ihn aufhalten wollte, erheblich an Körper und Kopf.

Die Stadt Schwedt schien auch sein Hauptbetätigungsfeld gewesen zu sein.

Bereits 2016 und Anfang 2017 beging er vergleichsweise kleinere Diebstähle, die mit Geldstrafen geahndet wurden. Er war als mehrfacher Wiederholungstäter.

Über seinen Dolmetscher ließ der Familienvater erklären, dass er seine Taten sehr bereut, vor allem, er bisher kein Vorbild war. Seine Tränen schienen Staatsanwalt und Richterin zu beeindrucken. Seit vielen Jahren sei er „trocken“, Die Beute sei als Geschenk gedacht gewesen, nicht zum Verkauf.

Nach langem Plädoyer beantragte der Staatsanwalt eine zur Bewährung auszusetzende Gefängnisstrafe von 13 Monaten, wegen gewerbsmäßigem Diebstahl und Körperverletzung. Der Anwalt des Angeklagten plädierte auf eine Bewährungsstrafe von einem Jahr.
Nach kurzer Beratungspause das Urteil: Ein Jahr Gefängnis, ausgesetzt auf drei Jahre Bewährung. Der Haftbefehl wurde aufgehoben.

Erschwerend bei der Urteilsfindung sei gewesen, so die Richterin, dass der Angeklagte bei seiner letzten Tat ein großes Messer bei sich führte.

 



Kurzinfo

Schwedt/Oder ist eine Stadt im Landkreis Uckermark. Es ist eines der Mittelzentren in Brandenburg. Im Jahr 2008 wurde Schwedt als erster Stadt der Titel Nationalparkstadt verliehen, der seit 2013 auch als offizieller Beiname der Stadt geführt wird.

Bevölkerung:35.162 (31. Dez. 2008)
Fläche:200,1 km²

Reinhold Herbert Litschke
Reporter, Journalist und Autor. Für „Die Baltische Rundschau“ akkreditiert in der Republik Lettland.
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