Preisträger des Deutsch-Polnischen Tadeusz-Mazowiecki-Journalistenpreises 2015 geehrt

dpm

Während der Deutsch-Polnischen Medientage wurden die Sieger im Wettbewerb um den diesjährigen Deutsch-Polnischen Tadeusz-Mazowiecki-Journalistenpreis 2015 geehrt. In den Kategorien Print, Hörfunk und Fernsehen haben Medienvertreter für Beiträge in der „Gazeta Wyborcza“, auf Radio Wrocław und des Mitteldeutschen Rundfunks (MDR) am Abend während einer festlichen Gala in Stettin die begehrten, mit jeweils 5.000 Euro dotierten Preise erhalten. Der mit derselben Summe dotierte Sonderpreis „Journalismus in der Grenzregion“ ging diesmal an Journalisten, die einen Beitrag für Radio Stettin produzierten. Tomasz Sobieraj, Vizemarschall der Woiwodschaft Westpommern, als Gastgeber der Gala betonte, Journalisten, die sich mit deutsch-polnischen  Angelegenheiten auseinandersetzen, verdienen spezielle Anerkennung. Die Gewinner und Nominierten wurden in Trafostacja Sztuki in Stettin geehrt.

Der erste Platz in der Kategorie Print ging an Magdalena Grzebałkowska für den Beitrag „Śpiewać, hitlerówy“ aus der Reporterbeilage der „Gazeta Wyborcza“, „Duży Format“. In der Kategorie Hörfunk konnten sich Tomasz Sikora, Roman Nuck und  Tomáš Kopecký mit dem im Polskie Radio Wrocław erschienen Beitrag „Dowodiczek Osobisticzek, czyli Nowy Realizm Graniczny” durchsetzen. Åse Svenheim Drivenes gewann mit der MDR-Dokumentation „Mama arbeitet im Westen – Eine Kindheit in Polen“ in der Kategorie Fernsehen. Der Sonderpreis „Journalismus in der Grenzregion“ gewannen Joanna und Krzysztof Skonieczny für den Radiobeitrag „Mała Polka ze Staffelde“, der im Radio Stettin erschien.

Siegerin in der Kategorie Print ist Magdalena Grzebałkowska für den Beitrag „Śpiewać, hitlerówy“ aus der Reporterbeilage der „Gazeta Wyborcza“, „Duży Format“. Der Siegerbeitrag erzählt die Geschichte von Czesław Gęborski, dem Kommandanten des Internierungslagers Lamsdorf und der dortigen deutschstämmigen Insassen. Auf dem Gebiet Polens gab es im Jahr 1945 viele Lager dieser Art. Juror Robert Migdał lobte in seiner Laudatio, dass der Beitrag „vor allem zu denken gibt, zur Reflexion auffordert über das sei Jahrzehnten in uns Polen steckende Bild: Der Pole ist der Gute, der Deutsche der Böse“. Der Juror unterstrich, dass die Autorin „das Talent hat, aus hunderten recherchierten Geschichten die interessantesten und wertvollsten von den weniger wichtigen zu unterschieden“.

In der Kategorie Hörfunk konnten sich Tomasz Sikora, Roman Nuck und  Tomáš Kopecký mit dem im Polskie Radio Wrocław erschienenen Beitrag „Dowodiczek Osobisticzek, czyli Nowy Realizm Graniczny” durchsetzen. Der Gewinnerbeitrag erzählt Alltagsgeschichten aus dem deutsch-polnisch-tschechischen Grenzraum. Dabei geht es um das Erlernen der Sprache des Nachbarn, um Arztbesuche und das Pendeln zur Arbeit und zum Einkaufen über die Grenzen hinweg. Jurymitglied Jürgen Hingst betonte, es sei gut, wenn ein Beitrag „noch eine Prise Europa dazu gibt. Das lässt sich wunderbar schildern im Dreiländereck von Polen, Tschechien und Deutschland.“

Åse Svenheim Drivenes gewann mit der MDR-Dokumentation „Mama arbeitet im Westen – Eine Kindheit in Polen“ in der Kategorie Fernsehen. Es ist ein Beitrag über die Arbeitsmigration in den Grenzen der Europäischen Union. Schätzungen zufolge werden über 100 000 polnische Kinder von Großeltern oder Nachbarn betreut oder sind sogar ganz auf sich gestellt, weil Mutter und Vater im Ausland Geld verdienen müssen. Laudatorin Bogna Koreng würdigte die Dokumentation: „Unbeschreibliche Nähe, Vertrautheit und großes Vertrauen geben diesem Beitrag seinen besonderen Reiz. Man meint, dabei zu sein. Mimik und Gestik der Kinder, ihre Reaktionen machen jegliche Erklärung überflüssig. Die Autorin ist stiller Beobachter, „No comment“  könnte der Untertitel lauten.“

Den Sonderpreis „Journalismus in der Grenzregion“ gewannen Joanna und Krzysztof Skonieczny für den Radiobeitrag „Mała Polka ze Staffelde“, der im Radio Stettin gesendet wurde. Es ist ein Beitrag über die Stettinerin Marta Szuster, die im mecklenburg-vorpommerschen Dorf Mescherin lebt und dort bei den letzten Kommunalwahlen 2014 in den Gemeinderat gewählt wurde. Das gesellschaftliche Engagement der Polin in dem deutschen Ort und ihre Motivation beschreiben die Autoren in der Reportage. Die Autoren, so die Jurorin Dorota Zyń-Horbaczewska, „sind auf die Spur des echten Gemeinsamen Europas gestoßen, eines Europas ohne Vorurteile und Ängste, ohne künstliche Grenzen im Bewusstsein. Hier, in der grenznahen deutschen Ortschaft (5 Kilometer vom nahegelegenen Gryfin), leben Deutsche und Polen in guter Nachbarschaft. Die Grenze trennt sie nicht, sondern verbindet sie.“

Der Vizemarschall der Woiwodschaft Westpommern Tomasz Sobieraj äußerte seine Anerkennung, dass dieser Beitrag an eine Journalistin aus der Region Westpommern verliehen wurde. „Die Erfolge der Menschen, die ihr Leben und ihr Berufsleben mit der Region verbinden, sind erfreulich. Ich glaube, dass das riesige Potenzial der Woiwodschaft gerade bei kreativen und begabten Bewohnern liegt. Die Protagonistin der Reportage von Joanna und Krzysztof Skonieczny beweist es auch, indem sie zum Bau einer einheitlichen Gesellschaft in der Grenzregion beiträgt.“ Vizemarschall Sobieraj sagte zum generellen Anliegen des Preises: “Die deutsch-polnischen Angelegenheiten sind eine komplizierte Materie. Sie bedürfen inhaltlicher Vorbereitung. Um über sie zu berichten, braucht man historisches und aktuelles Wissen über mehrere Bereiche: Politik, Kultur, Finanzen, Soziales. Journalisten, die sich auf dieses Thema spezialisieren, haben bewusst ein hartes Brot gewählt. Gleichzeitig ist ihre Arbeit ein sehr wichtiges Element beim Bau der Identität im Grenzraum und deswegen verdient sie spezielle Anerkennung.“

Der Direktor der Stiftung für deutsch-polnische Zusammenarbeit, Prof. Krzysztof Miszczak, unterstrich die hohe Qualität der nominierten Beiträge und der Gewinner im Mazowiecki-Preis 2015. Er sagte, „die diesjährigen Beiträge befassen sich nicht ausschließlich mit historischer Auffassung der geschichtlichen Themen, sondern schauen auch in die Zukunft. Die Beiträge berichten zunehmend über die gemeinsame Verantwortung der Deutschen und der Polen im Rahmen der Europäischen Union: bei der Migration und bei der Suche nach kleinen ´Heimaten´ in der Gemeinschaft.“

Es war die 18. Auflage des Deutsch-Polnischen Journalistenpreises,  der  seit Dezember 2013 in Anerkennung der journalistischen Tätigkeit des im Oktober 2013 verstorbenen Publizisten, Bürgerrechtlers und ersten demokratisch gewählten Premiers Polens nach der Wende den Namen „Tadeusz Mazowiecki“ trägt.  Insgesamt waren 164 Einsendungen eingegangen, 89 Beiträge kamen aus Deutschland und 75 aus Polen. Auslober des Preises sind die Bundesländer Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und der Freistaat Sachsen, die Woiwodschaften Westpommern, Lebuser Land und Niederschlesien sowie die Stiftung für deutsch-polnische Zusammenarbeit und die Robert Bosch Stiftung. Die Gala zur Verleihung der Preise war ein Höhepunkt der Deutsch-Polnischen Medientage, die unter dem Motto: „Deutschland – Polen. Neue Anker für Europa?“ stehen und morgen ausklingen.

Für den 19. Wettbewerb um den Deutsch-Polnischen Tadeusz-Mazowiecki-Journalistenpreis sowie die Medientage ist im kommenden Jahr der Freistaat Sachsen Gastgeber. Die nominierten Beiträge des diesjährigen Preises sind auf nom2015.dnimediow.org verfügbar.

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