Reformationstruck kommt nach Riga

Reformationstruck kommt nach Riga

Mit Vorträgen, Konzerten, Ausstellungen, Veranstaltungen und Gottesdiensten wird in diesem Jahr des Thesenanschlags von Matin Luther vor 500 Jahren gedacht. Damit begann die Reformation. Sie veränderte Deutschland, weite Teile von Europa und hatte auch weltweiten Einfluss. Nicht nur was den christlichen Glauben betrifft, sondern auch in Bezug auf Sprache, Bildung und Kultur. Eine von vielen Aktionen, die zum 500. Reformationsjubiläum in Europa stattfinden, ist der sogenannte Reformationstruck.

Er kommt am 18. März 2017 nach Riga. 16 Meter lang und 33 Tonnen schwer ist der Veran-staltungs-Sattelschlepper. Ein „Geschichtenmobil“ auf Reisen. Eine Multimedia-Miniausstellung, die durch Europa fährt. Der Lastwagen startete am 3. November 2016 im schweizerischen Genf. Der Stationenweg endet am 20. Mai 2017 in der Lutherstadt Wittenberg. An 68 Stationen in 19 Ländern, alles Orte die einen Bezug zur Reformation haben, werden Reformationsgeschichten von damals bis heute eingesammelt. Etwa 36 Stunden bleibt der Truck vor Ort. Jede Station gibt eine Erinnerung mit zur Weltausstellung Reformation, die vom 20. Mai bis 10. September 2017 in Wittenberg stattfindet.

Riga ist die einzige Stadt im Baltikum, die besucht wird. Die Hauptstadt Lettlands schloss sich 1522 auf Betreiben des Rigaer Reformators Andreas Knöpken der lutherischen Reformation an. Im selben Jahr wurde durch den Rigaschen Stadtsekretär Johannes Lohmüller ein Brief an Luther geschickt, in dem um ein Grußwort an die Evangelischen in Livland gebeten wurde. Im November 1523 trifft Luthers Antwort in Riga ein. Das „Sendschreiben an die Christen in Riga, Reval und Dorpat“, das an die „auserwählten lieben Freunde Gottes, allen Christen zu Riga, Reval und Dorpat in Livland, meinen lieben Herren und Brüdern in Christus“ gerichtet ist. In den folgenden Jahren folgten weitere Briefe Luthers. Der Reformator Rigas schlug den Wittenberger Kurs ein, also behutsamer Wandel und allmähliche Institutionalisierung der neuen Ordnung, auch um soziale Unruhen zu vermeiden. Heute ist die Lutherische Kirche Lettlands die stärkste Konfession. Etwa ein Viertel der zwei Millionen Einwohner verstehen sich als evangelisch-lutherische Christen.

Vom vorherigen Stationsort Turku in Finnland kommend, wird der Veranstaltungs-Truck auf dem Domplatz von Riga Halt machen. Von 10 bis 18 Uhr können sich die Besucher im Reforma-tionsmobil mit den Geschichten der bisher besuchten Orte vertraut machen, als Video, als Audio oder auch in Texten. Sie können sich ins Gästebuch einschreiben und es wird ein Film vorgestellt, in dem 14 Persönlichkeiten der lettischen Gesellschaft über die Bedeutung der Reformation erzählen. Wie an den vorherigen Stationen so gibt es auch in Riga zusätzliche Veranstaltungen, die die lokale Beziehung zur Reformation verdeutlichen. Daher werden sich am Nachmittag einzelne Konfessionen vorstellen und über ihre Verbindung zur Reformation berichten. Um 18 Uhr findet ein Ökumenischer Gottesdienst im Dom statt. Daran teilnehmen werden auch zahlreiche Vertreterinnen und Vertreter der Evangelischen Kirche aus Deutschland. Unter anderem Kirsten Fehrs, Bischöfin der Nordkirche im Sprengel Hamburg und Lübeck und Pastor Renke Brahms, hauptamtlicher Theologe im Vorstand des Kirchen-ausschusses der Bremischen Evangelischen Kirche. Von Riga aus tritt der Reformationstruck eine lange Reise nach Wuppertal an, wo er am 23. März eintreffen wird.

Thomas Marschner
Freier Journalist aus Berlin