Schicksal der Ukraine schreckt die Balten auf

 Vor 25 Jahren erklärte Litauen seine Unabhängigkeit von der Sowjetunion. Aber das Schicksal der Ukraine schreckt die Balten auf. Wird Russland seinen Einflussbereich weiter gen Westen ausdehnen? Die NATO unterstützt das Land seit Monaten bei der Überwachung seines Luftraums

 

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Italiener und Polen sind gemeinsam eingesetzt

Seit dem Beginn der Ukraine-Krise im vergangenen Jahr hat die NATO ihr Kontingent zur Bewachung des baltischen Luftraums verdoppelt, sodass immer zwei Nationen gleichzeitig ihre Übungs- und Kontrollflüge unternehmen.

„Unser gesamter Kommandostab besteht aus Piloten“, sagt der italienische Kommandant Marco Bertoli.

„Die italienische Luftwaffe hat hier 100 Frauen und Männer stationiert. Wir haben jeden Tag Trainingsdurchläufe und sind 24 Stunden einsatzbereit, sodass wir schnell aufsteigen können, wenn am Himmel etwas los ist.“

Damit meint er die Verletzung des baltischen Luftraums durch russische Militärjets. 150 solcher Überflüge wurden im vorigen Jahr registriert, viermal mehr als noch 2013.

„Man weiß bei einem Einsatz nie, was auf einen zukommt“, erzählt Pilot Giovanni. „Aber das ist die Herausforderung. Du rennst, dein Herz rast, du springst in dein Flugzeug und erfährst es erst, wenn du schon oben bist – 30.000 Fuß in der Luft mit Überschallgeschwindigkeit. Aber für mich ist es ein großartiger Job, vor allem hier in Litauen.“

 

Töne wie im kalten Krieg

Im polnischen Bereich auf der Basis – zwei Kilometer weiter oben an der Startbahn – sind die Einsatzkräfte deutlich weniger gut ausgerüstet. Ihre Aufenthaltsräume sind Container, ihre Jets stehen in offenen, provisorischen Hangars. Wenn die Polen aufsteigen, um russische Flieger abzufangen, müssen beide Seiten genau auf die Kennzeichnungen achten: Denn auch die polnische Luftwaffe fliegt noch in den alten MiGs sowjetischer Bauart. Allerdings aufgerüstet, sagt Pilot Lukasz Wojcieszko, sozusagen getunt.

„Ich finde es sehr aufregend, wenn wir bei unserem Einsatz einem russischen Flugzeug begegnen“, erzählt er. „Zu sehen, wie sie sich verhalten. Und dann haben wir bestimmte Abläufe, wir identifizieren sie, melden sie an unsere Leitstelle. Normalerweise fliegen wir nicht zu nah ran, nur so weit, dass wir sie identifizieren können und sehen, wie sie bewaffnet sind“.

Für die polnischen Piloten seien Begegnungen mit russischen Jets nichts Besonderes, so Wojcieszko. Polen hat ja schließlich auch eine Grenze zu Russland. Nur das Wetter in Litauen ist anders. Unberechenbar, wechselhaft. Und sehr windig. Und was die Russen bezwecken, wenn sie ständig in den baltischen Luftraum fliegen?

„Ich denke sie wollen sehen, wie wir reagieren, wie viele Jets wir in die Luft bringen“, sagt Lukasz Wojcieszko.

 

Die baltischen Staaten haben Angst

Und die erfahren die drei kleinen baltischen Staaten auch als reale Bedrohung. Kaum irgendwo sind deshalb auch härtere Worte gegenüber Russland zu hören wie hier. Beim Treffen der Außenminister in Riga, wo auch die Sanktionspolitik gegenüber der Regierung in Moskau auf der Tagesordnung stand, stachelte Linas Linkevicius seine Kollegen zu größerer Härte an. Angesichts der gespannten Lage in der Ostukraine sagte der litauische Außenminister: „Nichts zu tun ist für mich keine Option.“

Die Falken in der EU und in der NATO sitzen derzeit im Baltikum. Und die Geschichte des Luftstützpunktes Siauliai zeigt warum: 1931 für die litauische Luftwaffe gebaut, übernahm zum Kriegsende die Sowjetarmee das Gelände und errichtete dort eine ihrer größten Basen: Auf dem Höhepunkt waren in Siauliai 22.000 Mann beschäftigt. Zeitweise waren dort auch strategische Interkontinentalbomber stationiert, die in einer halben Stunde westeuropäisches Gebiet erreicht hätten.

 

„Für uns ist die Unabhängigkeit wichtig“

Heute ist Litauen in Siauliai mit rund vierhundert Soldaten Gastgeber für die NATO. Eine davon ist Presseoffizierin Iewa Gulbiniene, die selbst aus dem Ort stammt.

„Für uns ist die Unabhängigkeit sehr wichtig. Als 1990 die Panzer auf den Straßen waren, und die Soldaten auf Menschen schossen, war ich 18 Jahre alt. Ich dachte damals, es wäre doch großartig, wenn wir unabhängig wären“. Bei der Erinnerung laufen ihr die Tränen übers Gesicht: „Und dann kam die Unabhängigkeit. Und jetzt können über uns selbst entscheiden und reisen. Für uns Litauer ist die Unabhängigkeit sehr wichtig, wir feiern sie und sind glücklich darüber.“

 

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