Sterbende Vögel in den Städten verschrecken Litauer

Das Massensterben von Vögeln in Großstädten Litauens – ein jährlich wiederkehrendes Problem.

Im Herbst, besonders bei klarem Wetter, bietet sich den Einwohnern litauischer Städter ein schockierendes Bild: statt in Ruhe spazieren zu gehen und dabei die leuchtenden Farben der letzten warmen Tage einer Gutwetterperiode zu genießen, werden die Bewohner mit Bürgersteigen überfüllt von nicht bunten Herbstblättern, sondern einer unübersehbaren Anzahl an toten oder schmerzvoll sterbenden Vögeln konfrontiert.

Das liegt daran dass im Herbst, der Zeit der Vogelzüge, die Tiere gezwungenermaßen auf ihrem Weg in den Süden auch die Städte passieren müssen, weil diese mitten auf ihrer Route liegen.

Vor Allem für die Küstenstädte wie Klaipeda und Palanga, zwischen denen genau ein solcher Weg verläuft, spielt das eine große Rolle.

In den letzten Jahren wurden eine Menge neuer Hochhäuser und Wolkenkratzer in den litauischen Städten gebaut, deren Oberfläche zum Großteil aus Glas besteht. Die Vögel, verwirrt durch die Spiegelungen der gläsernen Fassade, kollidieren mit diesen und fallen zu Boden – entweder bereits tot oder zumindest schwer verletzt.

Ornithologen haben dabei herausgefunden, dass die Vögel besonders im Herbst, nicht im Frühling, mit den Mehrfamilienhäusern zusammenstoßen.

Über ein solches Problem sorgt man sich in Litauen nicht erst ein Jahr, aber so wie sich der Litauer verhält, unternimmt er nichts dagegen.

„Letztes Jahr haben wir unter dem Fenster eines Gebäudes in Klaipeda mehr als 50 tote Vögel gefunden. Unsere riesigen Fenster sind sehr sauber und bringen die Vögel vom Kurs ab“, sagte der Ornithologe Gediminas Grazuljavicius.

Spezialisten aus der litauischen Gesellschaft des Tierschutzes schlagen vor, die Fenster während der Vögelzüge im Frühling und Herbst nicht zu putzen und sie mit weißer Pappe oder Jalousien zu verdecken, damit es nicht zum Reflektieren der Umgebung kommt. Genauso könnte man die Fenster auch mit Abbildern von Jagdfeinden der Vögel bekleben, damit die kleineren Tiere verschreckt werden.

In Litauen kann man ab August, dem Anfang der Vogelzüge, bis zu einer halben Million Vögel das Land in Richtung Süden verlassen sehen. Unter ihnen Schwärme von Staren, Erlenzeisigen, Amseln, Schwalben, Finken, Lerchen, Enten und Schwänen, sowie eine große Anzahl an Jagdvögeln. Oder auch sogar seltene Vogelarten wie der Rosenstar, Rotfußfalke, Wanderfalke und Rotmilan.

 

Übersetzung. Original: Литовцев пугает большое количество мертвых и мучительно умирающих птиц на улицах городов

 

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