Ūkio bankas von Wladimir Romanow in Litauen ist bankrott

Ūkio bankasDie private Ūkio bankas (deutsch Wirtschaftsbank) in Litauen ist pleite. Die sechstgrößte Bank des Landes gehört dem russischstämmigen Wladimir N. Romanow (litauisch Vladimiras Romanovas), dessen Wahlheimat die litauische Metropole Kaunas ist. Ein Insolvenzverwalter führt derzeit Einigungsgespräche mit der Šiaulių bankas, welche die Verpflichtungen übernehmen soll.

Die Ūkio bankas gehört Romanow fast zu 65 Prozent. Der Geschäftsmann ist auch Besitzer des schottischen Fußballclubs Hearts und des litauischen Basketballclubs Zalgiris in Kaunas. Sein Vermögen wird auf 370 Millionen Euro geschätzt. Die Schulden der Ūkio bankas sind laut Insolvenzverwalter Adomas Audickas um 1,1 Milliarden Litas (etwa 319 Mio. Euro) höher als das Vermögen. Zu Anklagen sei es aber noch nicht gekommen, betonte Audickas.

Romanow, der von Fußballclub Hearts Präsident George Foulkes als „Diktator“ und „größenwahnsinnig“ bezeichnet wurde, machte sich mit seinen Handlungen in der schottischen Metropole Edinburgh nicht beliebt. Die englische Zeitug Daily Mail nannte den Russen „Mann mit der Axt“. Auch das deutsche Nachrichten-Magazin Der Spiegel widmete Romanow 2005 einen Bericht „Erlöser mit der Axt“ .

In Litauen, wo der 1947 in Wedernikowo (Oblast Kalinin) geborene Russe soziale und kulturelle Projekte unterstützte, gilt er allerdings als Menschenfreund. Seinen Wehrdienst leistete Romanow in Murmansk auf dem legendären U-Boot K-19. Es war das erste nuklear angetriebene Unterseeboot mit ballistischen Atomwaffen an Bord der sowjetischen Marine, das in seiner Bau- und späteren Dienstzeit lange Zeit den traurigen Rekord hielt, mehr Seeleuten das Leben gekostet zu haben als jedes andere in der Flotte. Nach dem Störfall 1961 bekam das U-Boot den Spitznamen „Hiroshima“. Die Boote des Projekts 658 waren seinerzeit von strategischer Bedeutung für die UdSSR, da sie Atomwaffen bis an die amerikanische Küste tragen konnten. Kathryn Bigelow drehte 2002 über die Geschichte des U-Boots einen Spielfilm „K-19: The Widowmaker, Der Witwenmacher“.

Das vom U-Boot-Dienst gesparte Geld von 10.000 Rubel investierte der Russe im litauischen Kaunas, dort gründete er sein erstes Unternehmen. Später kaufte er Aktien von litauischen Industrieunternehmen. Die Firmen wie Kotonas, Silva und Dirbtinis pluoštas gingen nachher bankrott und gegen Romanow wurden Strafverfahren eingeleitet. 2006 kaufte er das ausgemusterte und zur Verschrottung freigegebene K-19.

Wladimir Romanow ist verheiratet, sein einziger Sohn Roman Romanow sitzt im Vorstand der Hearts und koordiniert Investitionstätigkeiten in Bosnien und Herzegowina. Die Ehefrau Swetlana Romanowa ist Hausfrau, sie ist nicht in die Geschäfte ihres Mannes involviert.

 

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