Zeman legt sich mit bürgerlichen Medien an

Tschechischer Präsident Miloš Zeman
Tschechischer Präsident Miloš Zeman

Tschechiens neuer Präsident Miloš Zeman hat am Sonntag (10. März) angekündigt, in seiner Amtszeit den zwei großen bürgerlichen Zeitungen Lidové noviny und Mladá fronta Dnes keine Interviews zu gewähren. Beide Blätter hatten sich im Wahlkampf ablehnend über den linken Politiker geäußert, was der Präsident als Versuch einer „Gehirnwäsche“ verurteilte.

Der Publizist Miroslav Žák kritisiert Zemans Vorgehen in seinem Blog bei Aktuálně.cz: „Sicher gibt es eine Menge schlechter Journalisten, auch solche, die eine übersteigerte Meinung von sich selbst haben. Solche Leute gibt es aber auch in der Politik und in jedem anderen Gewerbe. Auch Zeman gehört dazu, der leichter Hand Andere [namentlich Journalisten] als ‚Idioten‘ bezeichnet. Etwas mehr Demut täte ihm als Präsident gut. … Die Mehrheit der Medien hat sich gegen seine Wahl ins höchste Staatsamt gewandt. Er wurde dennoch gewählt. Es ist also nicht so leicht, die tschechische Gesellschaft einer ‚Gehirnwäsche‘ zu unterziehen, wie es auf den ersten Blick scheint.“

Quelle: http://www.eurotopics.net 11. März 2013
Fotoquelle: Pražský hrad

Bei der Stichwahl um die Präsidentschaft in Tschechien am 26. Januar stand der Sieger fest: Der linksgerichtete Ex-Ministerpräsident Miloš Zeman hat das Rennen gewonnen. Er erhielt 55,7 Prozent der Wählerstimmen. Sein liberalkonservativer Rivale, Außenminister Karel Schwarzenberg, kam auf 44,3 Prozent. „Ich will der Präsident aller Bürger sein“, versicherte neue Staatsoberhaupt. Doch nach dem schmutzigen Wahlkampf ist Tschechien tief entzweit. Mit einer aggressiv-nationalistischen Feldzug hatte der ehemalige Premierminister eine Debatte über die Beneš-Dekrete verursacht. Seinen Rivalen, Karel Fürst zu Schwarzenberg, attackierte er als Sprecher der Sudetendeutschen. So hielten viele Wähler den Adligen für einen Ausländer.Viele politische Beobachter erwarten nun eine Fortdauer der Korruption, vor allem wegen Zemans engen Verbindungen zu einem einstigen Funktionär der kommunistischen Partei. Auch die Nachrede, sein Wahlkampf sei von einem russischen Mineralölkonzern finanziert, könnte noch nicht entkräftet werden.
Die Baltische Rundschau | Online-Redaktion
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