Zwischen Angst vor Russland und Energiewende – Ministerpräsident Litauens im Interview

Seit dem 1. Januar 2015 ist Litauen in der Eurozone

Ministerpräsident Litauens Algirdas Butkevičius über die Erwartungen seines Landes und seine Aussichten für die Zukunft. Zwischen Angst vor Russland und Energiewende

 

Fabio Plebani: Litauen hat eine mehr als 1.000-jährige Geschichte. Der erste bekannte Hinweis auf Litauen als Nation (“Litua”) stammt aus den Annalen des Klosters von Quedlinburg und ist mit dem 9. März 1009 datiert. Dennoch glauben viele Menschen, dass Litauen eine “neue” Nation ist, die erst nach dem Zusammenbruch der UdSSR entstanden ist. Wie würden Sie in wenigen Worten Ihr Land beschreiben?

Algirdas Butkevičius: Innerhalb des 14. bis 16. Jahrhunderts war das Großherzogtum Litauen eines der größten europäischen Staaten und deckte weite Teile Mittel- und Osteuropas ab, vom Baltikum bis zum Schwarzen Meer.

Nach der Krönung von Mindaugas am 6. Juli 1253, dem Herrscher über das zusammengeführte Litauen, hat der päpstliche Stempel den Staat mit dem höchsten Titel der Monarchie anerkannt, was bedeutete, dass Litauen als ein akzeptiertes, gleichberechtigtes Mitglied in das politische System von und in die Familie Westeuropas aufgenommen wurde.

Ein wichtiges Datum in der Geschichte Litauens ist der 3. Mai 1791, als unsere Verfassung angenommen wurde. Es war die erste Verfassung in Europa und die zweite in der Welt – nach der US-Verfassung.

Leider gab es dunkle Seiten in unserer Geschichte – als Litauens Name auf der Weltkarte fehlte. Eine der schmerzhaften Erinnerungen reicht zurück bis zum 15. Juni 1940, als die Sowjetunion Litauen besetzte und Litauens Name über fünf Jahrzehnte nur in der Erinnerung und den Herzen unserer Nation lebte.

Am 11. März 1990 war Litauen der erste Staat des ehemaligen Sowjetblocks, der seine Unabhängigkeit proklamierte. Allerdings wurde der Wille unseres Volkes durch die Regierung der Sowjetunion stark unter Druck gesetzt, als diese am 13. Januar 1991 ihre gut ausgebildeten und schwer bewaffneten Fallschirmjäger-Einheiten, unterstützt von Panzern, nach Vilnius geschickt hat, um dort die öffentlichen Gebäude, wie auch die Fernsehstation zu stürmen und dabei friedliche, unbewaffnete Zivilisten tötete, die sich den Truppen aufrecht entgegenstellten.

Jedoch wurde das Volk nicht eingeschüchtert: Das Parlament wurde von Tausenden von Leuten aus ganz Litauen umgeben und geschützt. Das Blutvergießen in Vilnius und die unnachgiebige Reaktion des Westens haben es geschafft, die Aggression zu beenden.

Unser Kampf für die Unabhängigkeit wird allgemein als die “singende Revolution” bezeichnet. So passierte es zum dritten Mal in der Geschichte, dass Litauen eine Epoche des autonomen Lebens begonnen hat. Durch seine EU- und NATO-Mitgliedschaft ab 2004 hat sich Litauen wieder mit der europäischen Familie vereinigt.

 

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Die Baltische Rundschau | Online-Redaktion
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