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Wir leben in einer Zeit der Veränderungen. Daher ist es sehr schwierig vorherzusagen, wie sich unser Leben weiterentwickeln wird – sowohl aus der Perspektive der Unternehmen als auch aus der Perspektive der Menschheit im Allgemeinen. In den letzten 10 Jahren gab es in der Industrie viele schnelle Veränderungsprozesse wie technologisches Transformationen und die Digitalisierung. Covid-19 hat diesen ganzen Prozess nochmals stark beschleunigt. Für Deutschland und Litauen bedeutet dies eine große Chance in der Zusammenarbeit.

Schwierigkeiten zwangen uns zur Veränderung

Während der Pandemie haben viele Unternehmen verstanden, wie groß der Einfluss der Digitalisierung tatsächlich ist. Man sah plötzlich, dass hier  Chancen brachliegen. Der Lockdown und andere Restriktionen zwangen die Unternehmen zu Veränderungen, wie sie verkaufen, ihren Vertrieb organisieren und arbeiten. Jeder begann in Technologie und Innovation zu investieren. Zum ersten Mal verstanden die Industrieunternehmen, dass physische Anlaufstellen nicht so wichtig sind.

Aufgrund des Coronavirus sank der deutsche Export im Jahr 2020 um 9 % – das ist der größte Rückgang seit der Finanzkrise 2009. Als die Pandemie begann, wurde der deutsche Export gestoppt, weil die Grenzen vorübergehend geschlossen wurden, alle logistischen Systeme weitgehend aus dem Gleichgewicht gerieten und Lieferketten zusammenbrachen. Dies war aber nur vorübergehend und der gesamte Markt stellt sich neu auf.

Industrie 4.0-Standard wird uns helfen, wieder auf die Beine zu kommen

Deutschland war für den Litauischen Industrieverband immer ein gutes Beispiel – vor allem als wir mit dem Aufbau unserer Industrie 4.0-Plattform begannen. Deutschland war bei der Implementierung von Industrie 4.0 auf allen Ebenen erfolgreich: angefangen bei den Industrieunternehmen bis hin zum öffentlichen Sektor.

Deutschland hat sehr große Pläne im Bildungssektor für die Digitalisierung, was ein großes Beispiel für andere Länder sein können, einschließlich Litauen. Litauen hat eine der schnellsten Internetgeschwindigkeiten der Welt. Wir sind eines der führenden Länder bei den Upload-Geschwindigkeiten und liegen vor Ländern wie Japan oder Schweden. Wir haben kostenloses öffentliches Internet in den meisten öffentlichen Räumen von Vilnius, so dass wir überall im Internet surfen können. Litauen ist ein sehr digitales Land.

Ich bin froh, dass wir eine enge Zusammenarbeit mit den Ländern in der EU haben. Zum Beispiel kooperieren wir mit Deutschland in ‘BusinessEurope’, das Geschäftsorganisationen aus 34 europäischen Ländern miteinander verbindet. Unser Ziel ist es, die Regulierung zu reduzieren, aufgrund derer Subventionen, die wir aus Drittländern erhalten, nicht kontrolliert werden, obwohl Subventionen aus EU-Ländern sehr aggressiv kontrolliert werden. In der EU brauchen wir Instrumente, um die Subventionen zu kontrollieren, die aus Ländern kommen, die nicht zur EU gehören, und die den EU-Markt verzerren.

Litauen beobachtet Deutschland genau

Litauen hat genau im Blick, wie Deutschland die grüne Politik umsetzt. Das Land wird etwa 40% seines Konjunkturprogramms (ca. 11,5 Mrd. Euro) für die grüne Industrie ausgeben. Ein weiterer Teil des Fonds, der etwa 14 Milliarden Euro beträgt, wird für die Digitalisierung der Wirtschaft zur Verfügung gestellt. Währenddessen wird Litauen nur 37% seiner Mittel für die grüne Transformation verwenden, was eine bloße Mindestanforderung der EU ist.

In diesem Juli plant die Europäische Kommission, ein Angebot über den EU-Kohlenstoffgrenzausgleichsmechanismus (CBAM) bekannt zu geben. Wir sind sicher, dass dieses Instrument ein Muss ist, wenn wir einen guten Wettbewerb zwischen den Unternehmen in den EU-Ländern haben wollen. Wir denken jedoch, dass wir der Wasserstoffstrategie der EU, die auf die Integration von wiederverwertbarem Wasserstoff abzielt, nicht genug Aufmerksamkeit schenken. Die Entwicklung von Wasserstofftechnologien würde Litauen helfen, seine energetische Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen zu reduzieren.

Deshalb bitten wir Deutschland, Änderungen an dem Plan zu initiieren, zu den 20 Millionen Euro, die wir jetzt zugewiesen haben, würden weitere 70 Millionen zugewiesen werden. Es ist klar, dass Wasserstoff ein wichtiger Energieträger sein wird, und Länder, die nicht an seiner Zukunft zweifeln, stellen schon heute erhebliche Mittel zur Verfügung. Hier sehen wir Deutschland als führend, denn das Land hat bereits 10 Milliarden Euro für die Entwicklung dieses Bereichs bereitgestellt.

Ein Blick in die Zukunft

Europa und Frankreich denken derzeit aktiv über Vorschläge zur Stärkung der industriellen Basis und der Wettbewerbsfähigkeit der EU und ihrer Mitgliedsstaaten nach. Die EU braucht eine ehrgeizige europäische Industriepolitik, und ihre Hersteller, Zulieferer und andere Parteien in der Lieferkette brauchen Maßnahmen zur Stärkung der EU-Wirtschaft. Niemand anderes als die Europäer selbst hat ein Interesse an einem starken und geeinten Europa, denn dann wird es zu einer starken Wettbewerbskraft.

Wir sind glücklich über die Entscheidung der Europäischen Kommission, die Industriestrategie zu erneuern. Dieser Schritt der EK basiert auf der Notwendigkeit, dass die Ambitionen der Industrie voll und ganz mit den neuen Realitäten der Zeit nach der COVID-19-Krise übereinstimmen und den Übergang zu einer nachhaltigeren, digitalisierten, widerstandsfähigeren und global wettbewerbsfähigen Wirtschaft fördern.

Die Entwicklungen auf den globalen Märkten in den letzten Jahren zeigen, dass die Europäische Union eine ehrgeizige Industriestrategie braucht, um mit anderen Regionen der Welt wie China, den Vereinigten Staaten und Indien konkurrieren zu können, die ihre Industrien zu einer Priorität auf der politischen Agenda gemacht haben. Es muss darüber nachgedacht werden, wie die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Industrie gestärkt werden kann und wie die strategische Infrastruktur und die Technologien der EU geschützt werden können, die der EU-Industrie oft einen Wettbewerbsvorteil verschaffen.

Vidmantas Janulevičius
Präsident der Litauischen Konföderation der Industriellen

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