Die Zahlen sind alarmierend: mit mehr als 18 Liter reinem Alkohol pro Kopf liegt Litauen im Vergleich aller Staaten weit an der Spitze, noch vor Russland oder Polen. Seit Beginn des Jahres geht die Regierung nun aktiv dagegen vor.  Konkrete Hilfsangebote sind jedoch Fehlanzeige.

Käufer ausländischer Magazine in Litauen werden sich gewundert haben, dass seit diesem Jahr Seiten entweder ganz fehlen, überklebt oder mit schwarzer Farbe bearbeitet wurden. Der Grund ist ganz einfach: Litauens Regierung um den LVŽS-Vorsitzenden und Ministerpräsidenten Saulius Skvernelis will ein im Programm der Partei verankertes Versprechen einlösen und den Alkoholmissbrauch in dem baltischen Staat reduzieren. Einer Studie der WHO zufolge lag dieser im Jahr 2017 bei erschreckenden 18 Liter pro Kopf – und damit weit höher als in anderen Staaten Osteuropas. Weltweit belegt Litauen den traurigen Spitzenplatz in dieser Kategorie.

Ministerpräsident Skvernelis sucht nach Lösungen für das dringende Alkoholproblem im Land.

Als Reaktion hierauf hat Skvernelis‘ Kabinett einige Änderung im täglichen Umgang mit Alkohol beschlossen: zum einen wurde das Mindestalter für Käufer auf 20 Jahre angehoben, gleichzeitig wurden die Zeiten, zu denen Schnaps, Bier und Co. verkauft werden dürfen, auf wochentags zwischen 10 – 20 Uhr, sonntags bis 15 Uhr begrenzt. Und eben die Werbung für alkoholische Produkte untersagt.

 

 

“Das ist eine Schande für unser Land. Sie erinnert an das Mittelalter und schadet nur der Reputation unseres Landes in der Welt.” (Staatspräsidentin Dalia Grybauskaitė)

Restriktive Gesetze zur Eindämmung des Alkoholmissbrauchs gibt es in Litauen schon länger. Die neuen Regeln jedoch ließen das Fass überlaufen. Insbesondere der Bann von jeglicher Werbung aus den Medien wurde nicht nur mit einem veritablen Shitstorm, sondern auch mit Stirnrunzeln und Kopfschütteln vonseiten der Politik und der Verbraucher kommentiert. Denn den Käufern heißgeliebter Hochglanzmagazine á la „Vogue“ oder „Cosmopolitan“ wird keineswegs ein Preisnachlass gewährt. Dafür sei der Markt in Litauen einfach zu klein, so Vigintas Bartaševičius, seines Zeichens Geschäftsführer von „Press Express“, dem größten Lieferanten von ausländischer Presse in Litauen.

Die Regierung ihrerseits reagierte prompt auf den Unmut der Öffentlichkeit und ließ Werbung in ausländischen Presseerzeugnissen kurzerhand wieder zu. Dass damit wieder Ruhe einkehrt, ist jedoch fraglich. Journalistin Vytenė Stašaitytė sagt dazu:

“Diese Gesetzesverschärfungen sind nur Strohfeuer. Sie halten die Menschen vom Alkoholkonsum kaum ab und Alkoholsüchtigen wird dadurch auch nicht geholfen. Das Gesetz ist nur eine Inszenierung des Kampfes gegen den Alkohol, aber dafür müssen wir uns ganz anders wappnen. Da wären Bildungs- und Aufklärungsprogramme oder bessere medizinische Hilfe für Suchtkranke. Und insgesamt müsste sich die Sozialstruktur verbessern.”

Denn außer den plakativen Maßnahmen zur Reduktion des Alkoholmissbrauchs ist noch nicht viel geschehen. Hilfsangebote für Bedürftige gibt es kaum, die Reformen der Regierung Skvernelis stehen noch am Beginn.

Mit solch fragwürdigen Aktionen jedoch wird es schwer für die Politik, im Land Zustimmung für das eigene Vorhaben zu erhalten und Litauens Ruf in dieser Hinsicht wiederherzustellen.

Denn diese Spitzenposition will wirklich niemand haben.