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Johannes Bobrowski

Johannes Bobrowski | Foto: Archiv

Literarisch anregen ließ sich Bobrowski früh von Gryphius und Klopstock, von Goethe und Hölderlin bis hin zu Oskar Loerke, Rainer Maria Rilke, Georg Trakl und Hans Henny Jahnn. 1937 siedelte die Familie Bobrowski nach Berlin-Friedrichshagen um, 1939 wurde er Soldat, gehörte aber als Angehöriger des Nachrichtendienstes während des gesamten Krieges nicht zur kämpfenden Truppe. Nach Entlassung aus russischer Kriegsgefangenschaft 1948 wohnte er mit seiner aus dem Memelland stammenden Frau Johanna weiterhin in Berlin-Friedrichshagen. Erst in den 1950er Jahren entdeckte er sein eigentliches lyrisches Thema: das „Landschaften-Projekt“, in dem es um Sarmatien, also den gesamten östlichen Landschaftsraum geht.

Zunächst befasst er sich vor allem mit Rußland, wo er nach eigener Aussage während des Krieges überhaupt erst das Sehen von Landschaften gelernt habe. Dann aber wendet er sich auch der verlorenen Heimat in Ostpreußen und im Memelland zu, mitsamt ihrer ältesten Geschichte und ihren Mythologien jenseits aller Nationalismen. Bedrückt von der deutschen Schuld vor allem im Osten schreibt er 1956:

„Das will ich: eine große, tragische Konstellation in der Geschichte auf meine Schultern nehmen, bescheiden und für mich, und das daran gestalten, was ich schaffe. Und das soll ein (unsichtbarer, vielleicht ganz nutzloser) Beitrag sein zur Tilgung einer unübersehbaren historischen Schuld meines Volkes, begangen eben an den Völkern des Ostens.“

Doch ist Bobrowskis Lyrik keine ausgesprochen engagierte Literatur, so wenig, wie sie sich jemals in Richtung Heimattümelei bewegt. Eher ist sie symbolistisch aufgeladen, zeichenhaft, magisch, hermetisch und weltoffen zugleich. In seinen Romanen versucht er, das Miteinanderleben von Menschen verschiedener nationaler Ausrichtung in einem Grenzgebiet einzufangen, immer im Spagat zwischen Hoffnung und Scheitern, ein Spagat, der ihn oft zur Melancholie führt.

Im Alter von erst 48 Jahren starb Bobrowski 1965 ganz überraschend im Krankenhaus Berlin-Köpenick an einem Blinddarmdurchbruch. Zeit seines Lebens blieb er durchdrungen von den eindrücklichen Bildungs- und Land schaftserlebnissen seiner Kindheit und Jugend. Über seine Lieblingslandschaft, die Litauische Schweiz, auf litauisch „Daubas“, schrieb er 1957 :

„Die Daubas ist ein Stück Memelufer bei Ragnit, mit ein paar Dörfern und Wald. Es liegt zwischen meiner Geburtsstadt Tilsit und den Dörfern meiner Kindheit… Das Ganze meint natürlich meine Situation überhaupt. Jeder meiner Träume hat diese Landschaft zum Schauplatz.“

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Die Zeitschrift „GLOBUS“ beschäftigt sich thematisch vorrangig mit Fragen deutscher/deutschsprachiger Gemeinschaften im Ausland. Die Berichte über Lage und Leben der Deutschen im Ausland, über Pflege der deutschen Sprache und Kultur unter Deutschen „draußen“ werden meistens von dort Lebenden verfasst. Herausgeber: Verein für Deutsche Kulturbeziehungen im Ausland e.V. (VDA), gegr. 1881 als „Allgemeiner Deutscher Schulverein”

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