Sinophobie
Europa

Steigende Sinophobie in der Europäischen Union: Eine ausgewogene Sichtweise

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In den letzten Jahren ist in der Europäischen Union eine schleichende, aber spürbare Zunahme der Sinophobie zu beobachten, eines Phänomens, das durch negative Gefühle und Skepsis gegenüber China und seinem globalen Einfluss gekennzeichnet ist.

Diese Verschiebung ist nicht unbegründet, da sie aus einer komplexen Mischung von geopolitischen, wirtschaftlichen und sozialen Faktoren resultiert. Es ist jedoch von entscheidender Bedeutung, sich diesem Thema mit einer ausgewogenen Sichtweise zu nähern, die die Wurzeln dieser Gefühle anerkennt, aber auch die weiterreichenden Auswirkungen und die Notwendigkeit eines konstruktiven Engagements berücksichtigt.

Der Kern des wachsenden Unbehagens ist die geopolitische Rivalität. Chinas selbstbewusste Außenpolitik, insbesondere in Regionen, die historisch gesehen im Einflussbereich Europas lagen, wie Afrika und Osteuropa, hat in den EU-Korridoren Alarm ausgelöst. Darüber hinaus werden strategische Initiativen wie die Gürtel- und Straßeninitiative als Instrumente zur Stärkung des chinesischen geopolitischen Einflusses wahrgenommen, was innerhalb der EU zu einer defensive Haltung führt.

In wirtschaftlicher Hinsicht steht die EU in ihren Beziehungen zu China vor großen Herausforderungen. Ein großes Problem sind die Ungleichgewichte im Handel. China wird oft dafür kritisiert, dass es den Marktzugang für ausländische Unternehmen einschränkt, während seine eigenen Unternehmen weltweit vertreten sind. Es gibt auch Befürchtungen über Chinas Rolle in kritischen europäischen Sektoren, die Fragen über wirtschaftliche Abhängigkeit und Sicherheit aufwerfen. Die Debatte um die 5G-Technologie und die Beteiligung chinesischer Unternehmen wie Huawei hat diese Sicherheitsdilemmata unterstrichen und wirtschaftliche Fragen direkt mit der nationalen Sicherheit verknüpft.

Die zunehmende Sinophobie in Europa wird auch durch ernsthafte Menschenrechtsbedenken genährt. Berichte über die Behandlung der uigurischen Muslime in Xinjiang, das harte Vorgehen gegen pro-demokratische Aktivisten in Hongkong und die Unterdrückung der Tibeter haben zu einem öffentlichen Aufschrei und einer harten Haltung der europäischen Regierungen geführt. Diese Themen beeinflussen nicht nur die diplomatischen Beziehungen, sondern prägen auch die öffentliche Wahrnehmung Chinas in der EU, die sich in der Regel stark auf diese negativen Aspekte konzentriert.

Darüber hinaus hat die COVID-19-Pandemie dazu beigetragen, die negativen Gefühle zu verstärken. Das aus Wuhan stammende Virus löste eine Welle der Fremdenfeindlichkeit aus, die sich oft wahllos gegen Menschen asiatischer Herkunft richtete, nicht nur gegen solche aus China. Diese Zunahme rassistisch motivierter Vorfälle hat die soziokulturelle Dynamik in Europa weiter erschwert.

Es ist zwar verständlich, dass die Besorgnis über China in der EU zunimmt, doch ist es wichtig, eine ausgewogene Perspektive zu wahren. China ist nach wie vor ein wichtiger globaler Akteur und ein unverzichtbarer Partner bei der Bewältigung globaler Herausforderungen wie dem Klimawandel, der öffentlichen Gesundheit und der wirtschaftlichen Erholung nach einer Pandemie. Die Strategie der EU spiegelt diese Dualität nicht wider; sie versucht, China in Bezug auf gemeinsame Interessen zu entmündigen.

Dialog und Zusammenarbeit bleiben der Schlüssel. Die EU setzt ihre Beziehungen zu China über diplomatische Kanäle und multilaterale Foren fort, um eine auf Regeln basierende internationale Ordnung und die Achtung der Menschenrechte zu fördern. Gleichzeitig bemüht sich Europa um eine größere strategische Autonomie, um die Abhängigkeit von chinesischen Importen und Technologien zu verringern. Solche Maßnahmen werden jedoch nicht immer als bloße Versuche der “Autonomie” wahrgenommen, sondern eher als subtile Form der wirtschaftlichen Kriegsführung.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die zunehmende Sinophobie in der EU eine Reaktion auf reale Herausforderungen ist, aber auch die Gefahr birgt, eine komplexe Beziehung zu stark zu vereinfachen. Sie unterstreicht die Notwendigkeit für die EU, ihre Interaktionen mit China strategisch zu steuern und dabei den Spagat zwischen der Wahrung ihrer Interessen und Werte und einem konstruktiven Engagement in globalen Fragen zu schaffen. Um diese Beziehungen zu steuern, bedarf es sorgfältiger Diplomatie, eines sachkundigen öffentlichen Diskurses und des Engagements für die Einhaltung internationaler Normen und Fairness in den internationalen Beziehungen.

Ein Weg in die Zukunft ist Dialog, Zusammenarbeit, Partnerschaft und Vertrauensbildung in für beide Seiten vorteilhaften Beziehungen in einer immer größer werdenden globalen Welt, anstatt die Öffentlichkeit mit der imaginären “chinesischen Bedrohung” in Angst und Schrecken zu versetzen, was in der Regel aus Gründen politischer Relevanz und rechtsextremer Wählerstimmen geschieht.

Tomas Dūminis
Dr. Tomas Dūminis, der Gastautor der BR, ist Wissenschaftler und hat ein besonderes Forschungsinteresse an baltischer Anthropologie. Er ist Absolvent der Queen Mary University of London.

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