Kultur

Estland: Minister sucht Unterstützung für Lieder- und Tanzfest 2021

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Die estnische Regierung genehmigte am Donnerstag den Vorschlag zur Gehaltsunterstützung für die Ausbilder der Gruppen, die an der Bewegung des Lieder- und Tanzfestivals teilnehmen.

Kulturminister Tonis Lukas sagte, er freut sich, dass der Fortbestand der Tradition des Gesangs- und Tanzfestivals eine Priorität für die Regierung ist. Er will bereits im nächsten Jahr mit der Zuweisung von Mitteln durch die Unterstützungsmaßnahme beginnen.

Wenn wir wollen, dass die Tradition unseres Gesangs- und Tanzfestivals auch in Zukunft fortgesetzt wird, müssen wir jetzt handeln. Die Analyse zeigt, dass es immer weniger motivierte Dozenten gibt und dass junge Menschen nicht gerne kommen, wenn die Löhne niedrig sind und Unsicherheit über soziale Garantien besteht. Die Regierung hat erkannt, dass die aktuellen Entscheidungen entscheidend sind, wenn es um die Vitalität unserer Gesangs- und Tanzfestival-Bewegung geht. Um die Zukunft des Lieder- und Tanzfestivals zu sichern, wurde mir die Aufgabe übertragen, einen Gesetzesentwurf für das Lieder- und Tanzfestival vorzubereiten,

sagte Tonis Lukas

Die vorgeschlagene Unterstützung muss den Ausbildern der Gruppen, die an der Gesangs- und Tanzfestival-Bewegung teilnehmen, ein stabiles Einkommen sichern, das dem Gehalt eines staatlichen Kulturarbeiters entspricht. Nach dem Vorschlag wird die Unterstützung an den Arbeitgeber des Dozenten der Gruppe gezahlt, der mit dem Dozenten der Gruppe einen Arbeitsvertrag hat. Der Arbeitgeber muss mindestens 50 Prozent der Arbeitskosten des Ausbilders/der Ausbilderin, einschließlich Steuern, übernehmen.

Der Vorschlag für die Gehaltsunterstützung für die Ausbilder von Volkskulturkollektiven basiert auf dem Grundsatzdokument der Kulturpolitik bis 2020 und dem Aktionsprogramm der Regierung.

Eine vom Think Tank Praxis durchgeführte Studie zeigte, dass die Fortführung der Gesangs- und Tanzfestivals in der Zukunft nicht selbstverständlich ist, vor allem wegen der rückläufigen Zahl der Gruppenausbilder.

Die Studie ergab, dass mehr als die Hälfte der derzeitigen Dozenten kurz vor der Pensionierung steht und nur 15 Prozent der Dozenten unter 35 Jahre alt sind. Die Studie ergab unter anderem, dass das Unterrichten keine angemessene Arbeitslosen- und Krankenversicherung bietet und dass befristete Verträge, die in diesem Bereich sehr verbreitet sind, den Ausbilder mehrere Monate lang ohne jeden sozialen Schutz lassen.

Das vom Kulturministerium entwickelte Lohnunterstützungssystem muss dazu beitragen, all dies in Verbindung mit dem Beitrag der lokalen Regierungen und der Enthusiasten selbst zu lösen.

Die Unterstützungsmaßnahme wurde vom Kulturministerium und den repräsentativen Organisationen der Gruppen entwickelt, die an der Gesangs- und Tanzfestivalbewegung teilnehmen.

Insgesamt werden 2,7 Millionen Euro für die Umsetzung der Unterstützungsmaßnahme im Jahr 2021, 4,5 Millionen Euro im Jahr 2022 und 5,8 Millionen Euro im Jahr 2023 benötigt.

Die Finanzierung der Maßnahme wird im Herbst endgültig festgelegt, wenn die Regierung die Strategie des Staatshaushalts für die Jahre 2021 bis 2024 erörtern wird.

The 150th Jubilee of the Estonian Song Festival — Laulipidu 2019

Nach fünf Jahren der Vorbereitung treten 35.000 Chorsänger in ihrer regionalen Folk-Kleidung gemeinsam auf der Bühne auf und singen Liebeslieder für die Heimat. Wenn das Publikum mitmacht, ist es ein Surround-Sound-Bad mit fast 100.000 Stimmen.

Geschichte der estnischen Liederfeste

Die Leiter des X. Liederfests 1933. Von links: Raimund Kull, Tuudur Vettik, Juhan Aavik, Juhan Simm und Verner Nerep. Quelle: Wikipedia

Die Gesangstradition in Estland reicht weit in die vorschriftliche Zeit zurück. Zu den traditionellen Regilaulud („Reigenliedern“) der Esten kamen mit der mittelalterlichen Christianisierung geistliche Lieder hinzu. Sie wurden nach der Reformation in Estland von deutschen Pastoren ins Estnische übersetzt oder auch auf Estnisch verfasst. Für das Jahr 1828 ist in Laiuse der erste größere estnische Männerchor belegt.

Besonders die deutschbaltischen Liedertafeln waren seit der Gründung des Revaler Vereins für Männergesang, des ersten Gesangvereins in Estland, 1849 populär und aktiv. Das erste deutschbaltische Liederfest fand 1836 in Riga statt. 1857 folgte eine ähnliche Veranstaltung in Tallinn, an deren Vorbild sich estnische Kreise in der Zeit des sogenannten „Nationalen Erwachens“ der Esten orientierten.

Erstes estnisches Liederfest

Der erste estnische bzw. estnischsprachige Gesangverein, Revalia, wurde 1863 gegründet. Allerdings fehlte noch ein umfangreicheres Repertoire an estnischen Stücken, so dass meist deutsche Lieder gesungen wurden. 1865 folgten die einflussreichen Gesangvereine Estonia und Vanemuine, die eine eigenständigere estnische Chortradition mit Liedern in estnischer Sprache propagierten. Erste lokal begrenzte Zusammenkünfte von estnischen Sängern fanden unter anderem 1855 und 1857 in Põlva statt. 1863 folgte ein lokales Liederfest mit 500 Teilnehmern bei Anseküla, weitere in Jõhvi (1865) und Uulu (1867).

Hauptinitiator und Leiter des ersten gesamtestnischen Liederfests war der Publizist Johann Voldemar Jannsen (1819–1890). Er verfolgte sein Ziel mit der Unterstützung eines einflussreichen Kreises um den Verein Vanemuine, dessen Vorsitzender Jannsen war. Im April 1867 beantragte der Verein bei den russischen Behörden erstmals die Genehmigung für ein großes estnisches Liederfest im livländischen Tartu. Offizieller Anlass war der 50. Jahrestag der Abschaffung der Leibeigenschaft in Livland durch den russischen Zaren 1819. Auf diese Weise erhofften sich die Veranstalter, zaristische und deutschbaltische Widerstände gegen die Abhaltung des estnischen Liederfests leichter überwinden zu können. Aber erst am 20. Februar 1869, nach mehrmaligen Interventionen estnischerseits in Sankt Petersburg und Riga, erteilten die russischen Behörden die Erlaubnis zu dem Fest, vier Monate vor dem geplanten Termin.

Nachdem auch wirtschaftliche Fragen gelöst werden konnten, fand das I. Liederfest im Sommer 1869 in Tartu statt. Bis zum III. Liederfest 1880 waren nur Männerchöre zugelassen. Daneben spielten auch Blasorchester. Der erste Tag war geistlichen Liedern gewidmet, der zweite weltlichen. Damals waren allerdings nur zwei wirklich estnische Lieder im Programm: „Mu isamaa on minu arm“ und „Surmani“, die beide von Aleksander Kunileid komponiert und von Lydia Koidula getextet worden waren. Daneben erklangen auch zwei finnische Stücke.

Etwa 850 Sänger und 15.000 Zuhörer nahmen am ersten Liederfest teil[6], eine beachtliche Anzahl für die damalige Zeit. Allerdings war Nordestland – unter anderem wegen damals noch fehlender Eisenbahnverbindungen – eher gering vertreten, die Insel Saaremaa gar nicht. Das erste estnische Liederfest hatte Ausstrahlung für die benachbarten Letten. 1873 begann die Tradition der nationalen Liederfeste auch in Lettland. In Litauen verhinderten die zaristischen Behörden Liederfeste aus Misstrauen nach dem litauischen Aufstand 1863. Das erste nationale litauische Liederfest fand erst 1924 nach Erlangung der staatlichen Unabhängigkeit statt.

1869 veranstalteten Esten weitere lokale Liederfeste, unter anderem in Kuressaare auf der Insel Saaremaa, in Tarvastu, Türi und Iisaku. Durch den Erfolg des ersten allgemeinen estnischen Liederfestes bestärkt, kam 1871 die Idee eines zweiten großen Liederfestes auf.

Quelle: Wikipedia

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