Vom Labor in die Anwendung
In Riga treffen am Donnerstag, dem 24. September, Forschung und Wirtschaft zu einem ganztägigen Technologieprogramm zusammen. Die Veranstaltung Industry Day & Sensing the Future wird von der Universität Lettlands und dem Institut für Festkörperphysik organisiert. Sie verbindet Fachvorträge mit Laborführungen, Diskussionen und Möglichkeiten zur Anbahnung neuer Kooperationen.
Der Vormittag findet am Institut für Festkörperphysik statt, der Nachmittag im Science House der Universität Lettlands in Torņakalns. Eingeladen sind Forschende, Technologieentwickler, Innovationsfachleute und Vertreter der Wirtschaft. Im Mittelpunkt stehen Forschungsgebiete, deren Ergebnisse bereits auf praktische Anwendungen zielen oder für neue Produkte und Dienstleistungen relevant werden könnten.
Die Organisatoren wollen Unternehmen einen direkten Einblick in die technologische Arbeit der Universität geben. Zugleich erhalten Forschungsteams die Möglichkeit, mit potenziellen Anwendern über technische Anforderungen, Fertigung, Skalierung und weitere Entwicklungsschritte zu sprechen. Damit unterscheidet sich das Format von einer rein akademischen Konferenz: Es geht vor allem um die Frage, wie aus Forschung tragfähige Kooperationen entstehen können.
Materialien, Sensoren und intelligente Fenster
Ein Schwerpunkt des Vormittags liegt auf dem Projekt FeLow-D. Es befasst sich mit funktionalen, niedrigdimensionalen ferroelektrischen Materialien, die für moderne elektronische und biomedizinische Geräte eingesetzt werden könnten. An dem mit 2,5 Millionen Euro ausgestatteten EU-Projekt sind Forschende aus mehreren Ländern beteiligt.
Als mögliche Anwendungsfelder werden Elektronik, Sensorik, Energiegewinnung und biomedizinische Technologien genannt. Der Austausch mit Industrievertretern soll dabei helfen, die Forschung mit praktischen Fragen zu verbinden: Welche Eigenschaften benötigen künftige Produkte? Welche Herstellungsverfahren sind realistisch? Und welche Partner könnten die nächsten Entwicklungsschritte übernehmen?
Das zweite vorgestellte Projekt trägt den Namen SWEB und widmet sich intelligenten Fenstern für energieeffiziente beziehungsweise energieautarke Gebäude. Die Forschenden arbeiten unter anderem an funktionalen Beschichtungen, dünnen Schichten und Verfahren, mit denen sich solche Materialien skalierbar auftragen lassen.
Nach Angaben der Veranstalter könnten die Technologien auch für Gewächshäuser, optische Anwendungen und die fortgeschrittene Fertigung interessant sein. Der Schwerpunkt liegt nicht auf einer sofortigen Markteinführung, sondern auf dem Austausch darüber, wie Laborergebnisse weiter erprobt und in industrielle Prozesse überführt werden können.
Der Nachmittag blickt auf kommende Technologiefelder
Unter dem Titel Sensing the Future setzt der Nachmittag die Gespräche im Science House der Universität Lettlands fort. Das Programm ist in die BioPhoT-Initiative eingebettet und richtet den Blick auf Technologien, die Energie, Kommunikation und moderne Produktion verändern könnten.
Vorgesehen ist unter anderem ein Gespräch mit Professor Koen Bertels über Quantencomputing, DNA-Datenspeicherung und Unveil-Modelle. Hinzu kommen Technologiepräsentationen, ein Format zum sogenannten Industry Reality Check sowie eine kurze Matchmaking-Runde für neue Kontakte.
Solche direkten Begegnungen sind für die Forschung wichtig, weil Innovation oft an Schnittstellen entsteht. Ein Materialwissenschaftler benötigt möglicherweise einen industriellen Fertigungspartner. Ein Softwareteam kann Zugang zu Speziallaboren oder Testumgebungen suchen. Wenn diese Gruppen ihre Anforderungen frühzeitig besprechen, lässt sich besser einschätzen, welche Ideen bereits für gemeinsame Entwicklung geeignet sind und welche zunächst weitere Grundlagenforschung benötigen.
Ein Baustein für Lettlands Innovationsökosystem
Die Veranstaltung steht im Zusammenhang mit Lettlands Bemühungen, Hochschulen, Forschungsinstitute und Unternehmen enger miteinander zu verknüpfen. ResearchLatvia hebt Forschungskommerzialisierung und die Zusammenarbeit mit der Wirtschaft als wichtige Bestandteile der Innovationsagenda hervor. Dazu gehören auch internationale Erfahrungen darüber, wie wissenschaftliche Ergebnisse besser in praktische Lösungen überführt werden können.
Industry Day macht dieses Ziel in Riga konkret. Laborführungen geben Unternehmen einen besseren Eindruck von der vorhandenen Infrastruktur. Forschende können zugleich erfahren, welche Anforderungen aus der Produktion, aus Märkten oder von möglichen Investoren kommen.
Der Veranstaltungstag richtet sich nicht nur an etablierte Unternehmen. Auch Start-ups, wissenschaftliche Arbeitsgruppen und Organisationen, die nach neuen Anwendungen für Energieeffizienz, Sensorik, Biomedizin oder digitale Technologien suchen, können von den Gesprächen profitieren.
Die Stärke des Programms liegt dabei in seinem realistischen Ansatz. Es präsentiert Wissenschaft nicht als fertiges Produkt, sondern als Prozess, in dem Ideen erklärt, geprüft und mit konkreten Bedürfnissen abgeglichen werden. Für Riga bietet der 24. September damit einen öffentlichen Treffpunkt, an dem Forschung und Wirtschaft über die nächsten praktischen Schritte sprechen können.






















Comments