Riga wird ab Donnerstag, dem 22. Oktober, zum Treffpunkt für Künstler, Forscher und Kulturpraktiker, die sich mit einer grundlegenden Frage der Klimadebatte beschäftigen: Wie lassen sich Veränderungen wahrnehmen, die oft langsam, komplex und schwer sichtbar sind?
Das RIXC Art Science Festival 2026 trägt den Titel Climate Imagination. Sein Hauptprogramm verbindet eine Ausstellung in der Lettischen Nationalbibliothek mit einem Symposium, Workshops und Präsentationen, die am 22. und 23. Oktober in Riga stattfinden.
Veranstaltet wird das Festival vom Rigaer Zentrum für Neue Medienkultur RIXC. Im Mittelpunkt steht die Verbindung von Umweltveränderungen mit Kunst, Wissenschaft und Technologie. Der Klimawandel soll dabei nicht ausschließlich über Zahlen, Diagramme oder politische Begriffe vermittelt werden. Stattdessen laden die Organisatoren das Publikum ein, ökologische Prozesse über Klang, Daten, immersive Medien, erweiterte Realität und andere sinnliche Formen zu erkunden.
Ökologischer Wandel als Erfahrung
Die zentrale Ausstellung versteht Klimavorstellung als kulturelles und wissenschaftliches Feld. Nach Angaben von RIXC untersuchen die beteiligten Künstler, wie Menschen zu Ökosystemen, Infrastrukturen und dem Alltag in Beziehung stehen, während der Klimawandel alle drei Bereiche verändert.
Zu den künstlerischen Ansätzen gehören Umweltmessungen, Datenvisualisierung, virtuelle und erweiterte Realität, Klanginstallationen sowie Videoarbeiten. Mehrere Projekte beschäftigen sich mit Beziehungen zwischen menschlichem und nichtmenschlichem Leben, darunter Wälder, Pflanzen, Meere und andere ökologische Systeme.
Diese Perspektive ist besonders relevant, weil viele Umweltveränderungen nicht als einzelnes sichtbares Ereignis auftreten. Veränderungen der biologischen Vielfalt, der Wasserbedingungen, der Jahreszeiten und der Lebensräume entwickeln sich häufig über lange Zeiträume und große Räume hinweg. Künstlerische Methoden können solche Prozesse in Erfahrungen übersetzen, die Besucher hören, erkunden und gemeinsam diskutieren können.
Die Ausstellung bringt lettische und internationale Positionen zusammen. Zum Programm gehören unter anderem Arbeiten von Maija Demitere, Patricia Domínguez, Anne Duk Hee Jordan, Marcus Maeder, Rasa Smite und Raitis Smits. Weitere Beiträge entstehen in internationalen Kooperationen zwischen Kunst, Forschung und Medienpraxis.
Symposium in der Nationalbibliothek
Das Symposium findet am 22. und 23. Oktober in der Lettischen Nationalbibliothek statt. Die Teilnahme ist kostenlos, für Symposium und Workshops ist jedoch eine vorherige Anmeldung erforderlich.
Vorgesehen sind Keynotes, Gespräche über künstlerische Experimente, ein Workshop zur nachhaltigen digitalen Produktion sowie Beiträge darüber, wie erweiterte Realitäten Umweltveränderungen darstellen können. Ein Teil des Programms fragt, wie künstlerische Forschung mit Beobachtungen im Gelände, ökologischen Daten und neuen Technologien arbeiten kann, ohne Natur lediglich als visuelle Kulisse zu behandeln.
Am Eröffnungsabend spricht Philippe Sormani, Forscher am STS Lab der Universität Lausanne und am Immersive Arts Space der Zürcher Hochschule der Künste. Sein Beitrag trägt den Titel „Rewilding the Lab“. Als Gesprächspartner ist der Philosoph und Kurator Ainārs Kamoliņš angekündigt.
Am 23. Oktober richtet sich der Blick stärker auf immersive und erweiterte Realität. Präsentationen und Demonstrationen zeigen, wie digitale Werkzeuge neue Zugänge zu Umweltdaten, langsamer Mobilität, biologischer Vielfalt und ökologischer Feldforschung eröffnen können.
Ein Programm über zwei Tage hinaus
Das Festival endet nicht mit dem Symposium. Die Ausstellung Climate Imagination wird in der Nationalbibliothek eröffnet und bleibt bis in den Dezember hinein zugänglich. Damit erhalten auch Besucher außerhalb der Fachveranstaltungen die Möglichkeit, die Arbeiten in Ruhe zu erleben.
Eine verbundene Ausstellung unter dem Titel Prompted Evolution ist in der RIXC Gallery in der Lenču-Straße vorgesehen. Die beiden Ausstellungsorte verbinden die öffentliche Bildungsinstitution der Nationalbibliothek mit dem eigenen Umfeld des Rigaer Zentrums für Neue Medienkultur.
Das Festival steht zugleich für eine breitere Entwicklung im lettischen Kultur- und Forschungsleben: Umweltfragen werden zunehmend mit Bildung, kreativer Praxis und öffentlicher Diskussion verknüpft. RIXC präsentiert dabei weder eine einzelne technische Lösung noch eine fertige politische Antwort. Stattdessen entsteht ein Raum, in dem Besucher darüber nachdenken können, wie Wissen entsteht, wie ökologische Veränderungen vermittelt werden und welche Formen der Aufmerksamkeit eine sich wandelnde Umwelt erfordert.
Für Riga ist das Festival ein konstruktives Beispiel dafür, wie Kultur zum Verständnis ökologischer Fragen beitragen kann. Das Thema ist ernst, der Zugang jedoch offen und experimentell. Die Besucher sollen zuhören, beobachten, interagieren und diskutieren. Dadurch richtet sich das Programm nicht nur an die Kunstszene, sondern auch an Menschen, die sich für Wissenschaftskommunikation, Nachhaltigkeit und die Zukunft des städtischen Kulturlebens interessieren.






















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