Die Universität Vilnius beteiligt sich an einem europäischen Forschungsprojekt, das die Behandlung von lokal fortgeschrittenem Bauchspeicheldrüsenkrebs verbessern und Unterschiede in der Versorgung zwischen den Ländern verringern soll.
Die Universität gab den Beitritt zum Projekt PALACROS am 7. September 2026 bekannt. An der Initiative arbeiten Hochschulen, Kliniken, Unternehmen und Patientenorganisationen aus mehreren europäischen Ländern zusammen. Das Gesamtziel besteht darin, ein gemeinsames, wissenschaftlich begründetes Behandlungsmodell zu entwickeln, in dem Chemotherapie, Strahlentherapie und chirurgische Eingriffe besser aufeinander abgestimmt werden.
Komplexe Behandlung im europäischen Vergleich
Lokal fortgeschrittener Bauchspeicheldrüsenkrebs ist medizinisch besonders anspruchsvoll. Tumoren können in der Nähe großer Blutgefäße und anderer lebenswichtiger Strukturen liegen. Dadurch ist nicht nur die Operation schwierig; auch die Entscheidung, wann welche Behandlung eingesetzt werden soll, kann sich zwischen Kliniken und Ländern unterscheiden.
PALACROS soll diese Unterschiede systematischer untersuchen. Die beteiligten Forschungsteams wollen klären, in welcher Reihenfolge die einzelnen Behandlungsschritte am sinnvollsten sind und wie spezialisierte medizinische Teams ihre Entscheidungen auf eine gemeinsame Evidenzbasis stellen können.
Das Projekt wird vom Amsterdam University Medical Center koordiniert. Die Projektdatenbank der Europäischen Kommission führt die Universität Vilnius als Teilnehmer des Horizon-Europe-Projekts. Damit erhält Litauen einen direkten Platz in einem internationalen Netzwerk, das Forschung, klinische Praxis und Patientenperspektiven miteinander verbinden will.
Beitrag der Universität Vilnius
Die Beteiligung der Universität Vilnius wird von der außerordentlichen Professorin Aistė Kielaitė-Gulla geleitet. Nach Angaben der Universität sollen litauische Forschende an der Entwicklung gemeinsamer Behandlungsstandards mitwirken und dazu beitragen, dass Forschung aus Litauen in größere europäische Vorhaben einfließt.
Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf den baltischen Staaten. In dieser Region kann der Zugang zu hoch spezialisierten Krebsbehandlungen je nach Standort, Klinik und verfügbarer chirurgischer Expertise unterschiedlich sein. Eine engere Zusammenarbeit könnte deshalb nicht nur wissenschaftliche Erkenntnisse liefern, sondern auch die Diskussion über regionale Versorgung und Weiterbildung stärken.
Zum Projekt gehört außerdem die Untersuchung bildgebender Verfahren, die durch künstliche Intelligenz unterstützt werden. Die Universität Vilnius nennt als mögliche Einsatzbereiche eine präzisere Einschätzung der Tumorausbreitung, eine bessere Operationsplanung und die Auswahl geeigneter Patientinnen und Patienten für komplexe Eingriffe. Dabei geht es um eine Unterstützung ärztlicher Entscheidungen, nicht um einen Ersatz für medizinisches Fachpersonal.
Ausbildung und Lebensqualität
PALACROS beschränkt sich nicht auf die Entwicklung von Behandlungsempfehlungen. Das Konsortium plant auch internationale Ausbildungsprogramme für Chirurginnen und Chirurgen und will die Verbreitung moderner Operationstechniken in verschiedenen europäischen Gesundheitssystemen fördern.
Darüber hinaus sollen Angaben der Patientinnen und Patienten zu Wohlbefinden, Behandlungsauswirkungen und langfristigen Ergebnissen erfasst werden. Die Qualität der Versorgung soll damit nicht nur anhand medizinischer Kennzahlen bewertet werden. Auch die Frage, wie Menschen die Behandlung erleben und wie sie ihren Alltag danach bewältigen, soll in die Projektarbeit einfließen.
Nach Angaben der Universität Vilnius umfasst das Konsortium 22 Partner aus zwölf europäischen Ländern. PALACROS gehört zur Mission der Europäischen Union gegen Krebs, die gemeinsame Forschungs- und Innovationsvorhaben im Bereich Prävention, Diagnose und Behandlung unterstützt.
Ein Forschungsprojekt mit langfristigem Anspruch
Die Ergebnisse werden nicht unmittelbar zu einer neuen Behandlung führen, die Patientinnen und Patienten sofort in Anspruch nehmen können. PALACROS ist zunächst ein Forschungs- und Kooperationsprojekt. Sein praktischer Erfolg wird davon abhängen, welche Erkenntnisse die klinischen Arbeiten liefern und ob Gesundheitssysteme spätere Empfehlungen übernehmen.
Für Litauen bedeutet die Beteiligung dennoch eine konkrete Chance, eigene Expertise in eine große europäische Forschungsstruktur einzubringen. Die Universität Vilnius verbindet dabei wissenschaftliche Arbeit mit klinischer Weiterbildung und einer stärkeren Orientierung an den Erfahrungen der Betroffenen.
Die langfristige Idee des Projekts ist klar: Menschen mit vergleichbaren medizinischen Voraussetzungen sollen in Europa möglichst unabhängig von ihrem Wohnort Zugang zu hochwertiger und koordinierter Behandlung erhalten.





















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