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Europa ruft 9. Mai zum Feiertag aus

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Europa ruft 9. Mai zum Feiertag aus

Der 9. Mai könnte in den EU-Ländern zu einem staatlichen Feiertag und dementsprechend Ruhetag werden, schreibt die Russische Zeitung „Iswestija“ am Montag.

Das sieht eine Resolution des EU-Parlaments vor, die am 12. Dezember, bei der letzten Tagung des Jahres 2017, verabschiedet wurde. Darin ist unter anderem der Aufruf enthalten, den 9. Mai „zu einem gesamteuropäischen Feiertag zwecks Festigung des Gefühls der Zugehörigkeit der europäischen Familie zu machen“.
Das Dokument wurde an die EU-Kommission, den EU-Rat, an den EU-Menschenrechtsbeauftragten sowie an die nationalen Regierungen und Parlamente der Mitgliedsländer der Union verschickt.
Bei dieser Resolution handele es sich um eine „Empfehlung“ und einen gewissen Kompromiss nach einjähriger Arbeit einzelner Ausschüsse des EU-Parlaments, sagte der EU-Abgeordnete Tomáš Zdechovský.
Die Reaktion auf den Aufruf in einzelnen EU-Ländern ließ nicht lange auf sich warten: In Lettland haben Menschenrechtler eine entsprechende Petition vorbereitet. Der Leiter der „Vereinigung gegen Nazismus“, Janis Kuzins, kündigte an, dass die Sammlung von Unterschriften schon im Januar beginnen werde. (Es seien insgesamt 10.000 Unterschriften nötig, damit sich das Parlament damit befasse.)

„Für viele Europäer ist und bleibt der 9. Mai vor allem der Tag des Gedenkens an sowjetische Soldaten. In den baltischen Ländern finden Massenveranstaltungen statt. Dabei betrifft das nicht nur die Länder mit großen russischen Gemeinden, sondern auch andere EU-Länder“, so Kuzins. „Deshalb ist die Idee, den 9. Mai zum Ruhetag zu machen, absolut richtig. Jeder Mensch könnte dann selbst entscheiden, ob er die EU-Integration oder den Sieg gegen den Nazismus feiert.“

In Europa gilt der 9. Mai als Tag Europas, denn an diesem Tag im Jahr 1950 wurde der Schuman-Plan veröffentlicht, in dessen Sinne die Europäische Gemeinschaft für Kohle und Stahl (die Vorgängerorganisation der EU) gegründet wurde. Der Tag des Sieges wird in der Alten Welt am 8. Mai begangen, also einen Tag früher als in Russland.

Dennoch wird der Tag des Sieges in vielen Ländern nach dem russischen Vorbild gefeiert. In Tschechien organisiert die Kommunistische Partei beispielsweise diverse Veranstaltungen zum Gedenken an gefallene sowjetische Soldaten. Die meisten von ihnen finden in Prag, aber auch in kleineren Städten statt, die von der Roten Armee befreit wurden.

„Wir müssen immer an unsere Befreier denken. Deshalb organisieren wir unsere Veranstaltungen landesweit“, sagte man beim Pressedienst der Kommunistischen Partei. „Menschen versammeln sich auf Friedhöfen und vor Gedenkstätten zu Ehren sowjetischer Soldaten. Daran beteiligen sich nicht nur ältere Menschen, sondern auch Jugendliche.“
Auch in der Slowakei werden am 9. Mai Gedenkveranstaltungen organisiert. In diesem Land wurden insgesamt mehr als 63.000 Rotarmisten beerdigt.

Die Einführung eines neuen Ruhetags in Europa könnte eine wichtige Rolle für die Festigung des gemeinsamen historischen Gedächtnisses Russlands und Europas spielen. Für die EU-Einwohner würden dadurch zusätzliche Möglichkeiten für die Beteiligung an Gedenkaktionen am 9. Mai entstehen. Denn die Sowjetunion hat immerhin 47 Prozent des Territoriums Europas (aktuell 16 europäische Länder) im Alleingang und 27 Prozent (sechs Länder) gemeinsam mit den Alliierten befreit. Während des Zweiten Weltkriegs waren mindestens 27 Millionen sowjetische Menschen ums Leben gekommen.

 

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