Internationale Archäologie-Tagung beginnt in Poznań
In Poznań treffen sich in dieser Woche Forschende aus zahlreichen Ländern zum 21. Weltkongress der International Union of Prehistoric and Protohistoric Sciences, kurz UISPP 2026. Die fünftägige Veranstaltung findet vom 31. August bis zum 4. September an der Adam-Mickiewicz-Universität statt. An der Organisation ist insbesondere die dortige Fakultät für Archäologie beteiligt.
Der Kongress wird zum ersten Mal in Polen ausgerichtet. Nach Angaben der Universität werden etwa 800 Teilnehmerinnen und Teilnehmer erwartet. Damit gehört die Tagung zu den bedeutenden internationalen wissenschaftlichen Veranstaltungen, die Poznań in diesem Jahr beherbergt. Das Leitmotiv „Archaeology in Motion: Past Lessons, Future Responsibilities“ verbindet die Untersuchung vergangener Gesellschaften mit der Frage, wie Archäologie künftig arbeiten und öffentliche Verantwortung wahrnehmen soll.
Die Eröffnung ist für den 31. August in der Aula der Universität vorgesehen. Zum Auftakt gehören eine Keynote der Archäologin Barbara Barich von der Sapienza-Universität Rom sowie Grußworte der Universität und der UISPP. Im weiteren Verlauf folgen wissenschaftliche Sitzungen, Plenarvorträge und Treffen der Fachkommissionen.
Vergangenheit mit modernen Methoden erforschen
Die UISPP bringt Fachleute zusammen, die sich mit prähistorischen und protohistorischen Gesellschaften in unterschiedlichen Regionen und Zeitabschnitten beschäftigen. Ein solcher Rahmen ermöglicht den Vergleich von Forschungsergebnissen, Methoden und Quellen aus verschiedenen Teilen der Welt. Zugleich zeigt er, wie stark sich die Archäologie in den vergangenen Jahren ausdifferenziert hat.
Ausgrabungen werden heute häufig mit Laboranalysen, digitaler Dokumentation, Landschaftsforschung, Umweltwissenschaften und neuen Verfahren zur Untersuchung von Materialien verbunden. Die Tagung in Poznań bietet Raum, diese Ansätze miteinander zu diskutieren. Dabei bleibt die sorgfältige Sicherung und Einordnung der Funde die Grundlage jeder belastbaren Interpretation.
Das Kongressmotto verweist außerdem auf Bewegungen in der Vergangenheit: auf wandernde Bevölkerungsgruppen, den Austausch von Rohstoffen und Ideen sowie die Verbreitung von Technologien. Gleichzeitig beschreibt es die heutige Dynamik des Faches. Archäologinnen und Archäologen müssen ihre Ergebnisse zunehmend auch außerhalb der Universität vermitteln und dabei zwischen wissenschaftlicher Genauigkeit, verständlicher Sprache und dem Schutz empfindlicher Fundstellen abwägen.
Polnisches Kulturerbe wird Teil des Programms
Zum Kongress gehört ein umfangreiches Exkursionsprogramm, das internationale Gäste mit archäologischen Stätten und Institutionen in Polen vertraut macht. Vorgesehen sind unter anderem Besuche in Ostrów Lednicki, Gniezno, Biskupin, Krzemionki und der Raj-Höhle. Auch Kraków und das Salzbergwerk Wieliczka stehen auf dem Programm. In Poznań ist zudem ein Besuch des Archäologischen Museums geplant.
Diese Verbindung von Fachvorträgen und Ortsbesichtigungen ist für eine archäologische Tagung besonders relevant. Forschung wird dadurch mit den Landschaften, Sammlungen und historischen Orten verbunden, auf denen sie aufbaut. Internationale Gäste erhalten Einblick in polnische Formen der Denkmalpflege und Vermittlung; polnische Institutionen können zugleich ihre Arbeit einem weltweiten Fachpublikum vorstellen.
Für die Stadt Poznań ist die Veranstaltung auch eine Gelegenheit, ihre Rolle als Hochschul- und Kulturstandort sichtbar zu machen. Die Adam-Mickiewicz-Universität verfügt über eine etablierte archäologische Ausbildung und Forschung. Studierende und Nachwuchswissenschaftler können während des Kongresses Kontakte knüpfen, internationale Projekte kennenlernen und Einblicke in unterschiedliche akademische Arbeitsweisen gewinnen.
Wissenschaftliche Verantwortung über die Tagung hinaus
Archäologie beschäftigt sich nicht nur mit der Entdeckung neuer Quellen. Ebenso wichtig sind die langfristige Erhaltung von Fundstellen, die transparente Dokumentation und die verantwortungsvolle Präsentation von Forschungsergebnissen. Diese Aufgaben betreffen Universitäten, Museen, Schulen, Kommunen und lokale Gemeinschaften gleichermaßen.
Gerade deshalb ist das Thema der künftigen Verantwortung mehr als ein allgemeiner Konferenzbegriff. Es berührt die Frage, wie empfindliche Kulturgüter geschützt, wie wissenschaftliche Daten zugänglich gemacht und wie unterschiedliche Perspektiven auf die Vergangenheit berücksichtigt werden können. Der Austausch in Poznań kann dazu beitragen, Erfahrungen aus verschiedenen Ländern miteinander zu verbinden.
Mit der ersten Austragung des UISPP-Weltkongresses in Polen erhält das Land eine bedeutende internationale Plattform für seine archäologische Forschung. Poznań steht dabei eine Woche lang im Zeichen wissenschaftlicher Zusammenarbeit, universitärer Bildung und der öffentlichen Bedeutung des Kulturerbes. Die Tagung ist damit eine konstruktive Ergänzung des polnischen Wissenschafts- und Bildungskalenders.



















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