Die Tallinn University wird vom 23. bis 27. August 2027 die 21. Internationale Konferenz für Mensch-Computer-Interaktion ausrichten. Die Konferenz INTERACT 2027 soll Tallinn zu einem Treffpunkt für internationale Forschung über die Beziehung zwischen Menschen und digitalen Technologien machen.
Die Universität veröffentlichte die Ankündigung am 28. August 2026. Veranstaltet wird die Konferenz unter der Schirmherrschaft des Technical Committee 13 der International Federation for Information Processing, einer internationalen Fachorganisation für Mensch-Computer-Interaktion. Die offizielle Konferenzseite bestätigt Tallinn als Veranstaltungsort und nennt die fünf Konferenztage im August 2027.
Ein interdisziplinäres Forschungsfeld
Mensch-Computer-Interaktion, häufig mit HCI abgekürzt, beschäftigt sich damit, wie Menschen digitale Systeme nutzen und wie diese Systeme verständlicher, zugänglicher und sinnvoller gestaltet werden können. Das Feld verbindet unter anderem Informatik, Design, Psychologie, Ergonomie, Barrierefreiheit, Bildungsforschung und Sozialwissenschaften.
Entsprechend breit ist die Zielgruppe von INTERACT 2027. Nach Angaben der Tallinn University werden Forschende, Praktikerinnen und Praktiker, Doktorandinnen und Doktoranden, Vertreterinnen und Vertreter der Industrie sowie des öffentlichen Sektors erwartet. Geplant sind Präsentationen aktueller Forschung, der Austausch praktischer Erfahrungen und Diskussionen über die weitere Entwicklung des Fachgebiets.
Für Estland ist das Thema eng mit dem Alltag verbunden. Digitale Anwendungen prägen bereits viele Bereiche des öffentlichen Lebens – von Verwaltungsdiensten und Bildung bis zu Gesundheitsversorgung und Wirtschaft. Fragen nach Verständlichkeit, Vertrauen und Teilhabe betreffen deshalb nicht nur Technologieunternehmen, sondern auch Schulen, Behörden und Bürgerinnen und Bürger.
„Meanings and Experiences“
Das Leitthema der Konferenz lautet „Meanings and Experiences“, also „Bedeutungen und Erfahrungen“. Die Veranstalter wollen untersuchen, wie Menschen im Umgang mit Technologie Bedeutungen erzeugen und wie digitale Interaktionen wiederum die Gesellschaft beeinflussen.
Die thematische Ausrichtung nimmt zugleich Bezug auf den estnischen Semiotiker Juri Lotman. Die Konferenzwebsite verweist auf Lotmans Arbeiten zu kulturellen Zeichen, Symbolen und den Systemen, in denen Bedeutung entsteht. Diese Perspektive soll mit Estlands digitaler Entwicklung verbunden werden – etwa mit der Frage, wie Menschen digitale Identitäten und öffentliche Online-Dienste erleben.
Damit wird die Konferenz nicht auf technische Leistungsfähigkeit reduziert. Im Mittelpunkt steht auch der kulturelle und soziale Zusammenhang, in dem digitale Anwendungen entworfen und eingesetzt werden. Die Organisatoren wollen somit diskutieren, wann Technologie nicht nur funktioniert, sondern für Menschen tatsächlich verständlich und bedeutsam wird.
Call for Papers bereits veröffentlicht
Die Vorbereitungen für die Konferenz haben begonnen. Die Tallinn University teilt mit, dass der Call for Papers veröffentlicht wurde. Informationen zu Hauptvorträgen, dem Gesamtprogramm und den Teilnahmebedingungen sollen in den kommenden Monaten folgen.
Auf der Konferenzwebsite ist der 1. Februar 2027 als Frist für vollständige Beiträge und Workshop-Vorschläge angegeben. Für Kurzbeiträge, weitere Formate und Einreichungen für das Doktorandenkolloquium gilt demnach der 3. Mai 2027. Das Programm soll unterschiedliche Beteiligungsmöglichkeiten für etablierte Forschende, Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftler sowie Praktiker bieten.
Auch die Organisationsstruktur ist international angelegt. Neben der Tallinn University sind Hochschulen und Fachleute aus mehreren Ländern beteiligt, darunter das Vereinigte Königreich, Italien, Neuseeland, Kanada und Brasilien. Auf der Liste der Verantwortlichen stehen unter anderem Personen für wissenschaftliche Beiträge, Workshops, Barrierefreiheit, Doktorandenprogramme, studentische Helfer und die Zusammenarbeit mit der Industrie.
Impuls für Forschung und Lehre
Die Ausrichtung von INTERACT 2027 gibt der Tallinn University die Möglichkeit, ihre School of Digital Technologies und die estnische Forschungslandschaft einem internationalen Fachpublikum vorzustellen. Gleichzeitig können Studierende und Nachwuchsforschende vor Ort internationale Kontakte knüpfen, eigene Arbeiten präsentieren und Einblicke in mögliche akademische und berufliche Wege gewinnen.
Für Unternehmen und öffentliche Einrichtungen bietet eine solche Konferenz Gelegenheit, praktische Erfahrungen mit wissenschaftlichen Erkenntnissen zu verbinden. Gerade bei digitalen Bildungsangeboten, Verwaltungsdiensten und assistiven Technologien ist es wichtig, nicht nur technische Funktionen, sondern auch Nutzerfreundlichkeit und Zugänglichkeit zu berücksichtigen.
Die wachsende Bedeutung digitaler Systeme macht diese Fragen zu einem gesellschaftlichen Thema. Ob Menschen Informationen finden, Anträge erledigen, lernen oder mit einer Organisation kommunizieren können, hängt zunehmend davon ab, wie gut digitale Schnittstellen gestaltet sind.
INTERACT 2027 ist damit ein angekündigtes internationales Wissenschaftsereignis und zugleich ein aktuelles Zeichen für Estlands Rolle in der digitalen Forschung. Die Konferenz findet an der Tallinn University statt. Weitere Angaben werden nach und nach über die offizielle Website veröffentlicht.






















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