Riga ist in dieser Woche Gastgeberin der achten Baltic Summer School of Digital Humanities. Vom 3. bis 7. August 2026 kommen in der Lettischen Nationalbibliothek internationale Forschende, Studierende und Fachleute aus dem Kulturerbe-Bereich zusammen. Das diesjährige Programm trägt den Titel „Cultural Data Analytics and Meaning“ und widmet sich der Frage, wie Daten aus Bibliotheken, Museen und Archiven für die geisteswissenschaftliche Forschung aufbereitet und sinnvoll interpretiert werden können.
Damit findet die Veranstaltung am 6. August mitten in ihrem laufenden Programm statt und gehört zu den aktuellsten konstruktiven Kultur- und Bildungsentwicklungen in Lettland. Organisiert wird die Summer School gemeinsam von der Lettischen Nationalbibliothek, der Geisteswissenschaftlichen Fakultät der Universität Lettland und dem Institut für Literatur, Folklore und Kunst der Universität Lettland. ([digitalhumanities.lv](https://www.digitalhumanities.lv/bssdh/2026/?utm_source=openai))
Kulturelle Sammlungen als Forschungsdaten
Die Digital Humanities verbinden geisteswissenschaftliche Fragestellungen mit digitalen und computergestützten Methoden. Digitalisierte Bücher, Kunstwerke, Kataloge und Archivbestände werden dabei nicht nur online zugänglich gemacht. Sie können auch als strukturierte Daten untersucht werden, um Muster, Beziehungen und Entwicklungen über längere Zeiträume sichtbar zu machen.
Ein Schwerpunkt des diesjährigen Programms liegt auf Metadaten aus Museen und Bibliotheken. Dazu gehören Informationen, die ein Objekt beschreiben, historisch einordnen und mit anderen Datensätzen verbinden. Gut strukturierte Metadaten können helfen, Bestände miteinander zu vergleichen, Netzwerke von Personen und Institutionen zu untersuchen oder kulturelle Aktivitäten anschaulich zu visualisieren.
Das Angebot richtet sich ausdrücklich auch an Teilnehmerinnen und Teilnehmer ohne umfassende technische Vorkenntnisse. Diese Offenheit ist für Gedächtnisinstitutionen besonders relevant: Kuratorinnen, Bibliothekare und Historiker verfügen häufig über große fachliche Erfahrung, arbeiten aber nicht notwendigerweise als Programmierer oder Datenanalysten.
Werkzeuge, Workshops und öffentliche Vorträge
Die praktischen Workshops bilden den gesamten Ablauf eines Forschungsprojekts ab. Zunächst geht es um die Bereinigung und Vorbereitung von Daten. Danach folgen Analysen und die verständliche Darstellung der Ergebnisse. Auf dem Programm stehen unter anderem OpenRefine, Orange Data Mining, Gephi und Flourish.
Mit diesen Anwendungen lassen sich uneinheitliche Datensätze prüfen, Arbeitsabläufe modellieren, Netzwerke untersuchen und Ergebnisse visualisieren. Ein weiterer Workshop beschäftigt sich mit dem Einsatz großer Sprachmodelle über eine Programmierschnittstelle bei der Analyse geisteswissenschaftlicher Daten. Im Rahmen der Summer School wird dieses Thema als eine von mehreren Methoden behandelt. Im Mittelpunkt bleiben die Qualität der Ausgangsdaten, die Nachvollziehbarkeit des Vorgehens und die wissenschaftliche Interpretation.
Die Vorträge ergänzen die technischen Einheiten um grundsätzliche Fragen. Vorgesehen sind Beiträge zur multimodalen Interpretation von Kunstwerken, zum Computer als Archiv und Forschungsinstrument, zur gedruckten Kultur des 18. Jahrhunderts sowie zu strukturierten Daten in historischen Sammlungen. Diese Verbindung von Technik und Theorie ist charakteristisch für die Digital Humanities: Computer können große Mengen an Informationen verarbeiten, doch die Bedeutung der Ergebnisse muss weiterhin fachlich geprüft werden.
Eine lettische Plattform mit internationaler Ausstrahlung
Die Summer School steht im Zusammenhang mit dem Ausbau der Digital Humanities in Lettland. Das 2025 gegründete Digital Humanities Center der Universität Lettland nennt Forschung, Lehre, digitales Kulturerbe und internationale Zusammenarbeit als zentrale Aufgaben. Die Baltic Summer School gibt diesen Zielen eine regelmäßige und praxisorientierte Form in Riga. ([hzf.lu.lv](https://www.hzf.lu.lv/en/about-us/centres/digital-humanities-center/?utm_source=openai))
Das lettische Kulturministerium beschreibt die Veranstaltung als internationales Intensivprogramm für Forschende, Lehrende, Studierende sowie Beschäftigte in Archiven, Bibliotheken und Museen. Zugleich gibt es einen öffentlichen Bestandteil: Nach Angaben des Ministeriums wird täglich ein frei zugänglicher Vortrag über die Online-Kanäle der Nationalbibliothek übertragen. Damit können auch Interessierte außerhalb der registrierten Gruppe Teile des Programms verfolgen. ([km.gov.lv](https://www.km.gov.lv/lv/jaunums/atverta-registracija-baltijas-digitalo-humanitaro-zinatnu-vasaras-skolai-2026?utm_source=openai))
Die Teilnahmegebühr beträgt 60 Euro; die Registrierung ist inzwischen geschlossen. Wer die Anforderungen des Programms erfüllt, kann ECTS-Punkte oder Micro-Credentials erhalten. Auf der offiziellen Veranstaltungsseite werden außerdem tägliche Abschluss- und Austauschrunden angekündigt. Sie sollen den Teilnehmern helfen, die neuen Methoden gemeinsam zu reflektieren und langfristige Kontakte aufzubauen. ([digitalhumanities.lv](https://www.digitalhumanities.lv/bssdh/2026/?utm_source=openai))
Mehr als eine akademische Woche
Für lettische Kultureinrichtungen reicht der Nutzen solcher Angebote über die fünf Veranstaltungstage hinaus. Die Digitalisierung macht Sammlungen zugänglich, doch erst verlässliche Metadaten, transparente Arbeitsprozesse und verständliche Visualisierungen ermöglichen es, die Bestände systematisch zu durchsuchen und miteinander zu verbinden.
Die Summer School zeigt zugleich, wie sich die Rolle von Bibliotheken und Museen verändert. Sie bewahren nicht nur kulturelle Objekte, sondern entwickeln sich auch zu Orten, an denen kulturelle Daten erforscht, verknüpft und für neue Nutzergruppen aufbereitet werden. Der Veranstaltungsort, die Lettische Nationalbibliothek, macht diese Verbindung zwischen klassischer Gedächtnisinstitution und moderner Forschung besonders sichtbar.
Bis zum Abschluss am 7. August bietet Riga damit ein Forum für eine konkrete Zukunftsfrage: Wie können kulturelle Sammlungen in einer digitalen Umgebung neue Erkenntnisse ermöglichen, ohne ihre historische und gesellschaftliche Einbettung zu verlieren? Die Baltic Summer School beantwortet diese Frage nicht mit einem einzelnen Instrument, sondern mit Ausbildung, Zusammenarbeit und einem sorgfältigen Blick auf die Bedeutung von Daten.






















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