Die Staticus Group plant in Vilnius eine Investition von 31,5 Millionen Euro. Das Unternehmen will einen automatisierten Produktionsstandort für Aluminium- und Glasfassaden mit einem integrierten Prüflabor errichten. Das Projekt Campus Staticus erhielt am 8. September 2026 den Status eines Großinvestitionsvorhabens vom litauischen Wirtschafts- und Innovationsministerium.
Nach Angaben des Unternehmens sollen mindestens 24 hochqualifizierte Arbeitsplätze entstehen. Vorgesehen sind Stellen unter anderem in Fassadenprüfung, Tragwerksmodellierung, Automatisierung, Robotik, Forschung und Entwicklung, digitalen Zwillingen, Building Information Modelling und IT.
Die Investition ist Teil einer Entwicklung, bei der litauische Unternehmen ihre Produktion stärker automatisieren und mehr wertschöpfende Tätigkeiten im eigenen Land bündeln. Invest Lithuania verwies darauf, dass Staticus künftig Produkte in Litauen fertigen will, die bisher von externen Zulieferern bezogen wurden.
Produktion und Prüfung an einem Standort
Campus Staticus soll im Vilniuser Stadtteil an der Metalo-Straße entstehen. Dort befinden sich bereits der Hauptsitz und die bestehende Produktionsbasis des Unternehmens. Der neue Standort soll deshalb nicht nur zusätzliche Kapazitäten schaffen, sondern mehrere Funktionen miteinander verbinden.
Geplant sind ein automatisiertes Werk, robotisierte Prozesslösungen, ein integriertes ERP-System sowie ein Labor für Fassadenprüfungen. Die Produkte sollen vor Ort nach internationalen CWCT-, EN- und AAMA-Normen getestet werden. Dabei geht es unter anderem um Widerstandsfähigkeit gegen Luft, Wasser, Windlast und mechanische Einwirkungen.
Ein solches Labor kann die Entwicklung und Freigabe komplexer Fassadensysteme beschleunigen. Besonders bei Krankenhäusern, Rechenzentren und anderen technisch anspruchsvollen Gebäuden müssen Fassaden hohe Anforderungen an Sicherheit, Leistungsfähigkeit und Dauerhaftigkeit erfüllen.
Mehr heimische Wertschöpfung
Staticus will in Vilnius Aluminium- und Glasstrukturen wie Fenster, Türen, verglaste Öffnungselemente und Schiebesysteme herstellen. Zum Projekt gehört außerdem eine hybride Fassadenlösung aus Holz und Aluminium. Dieses Produkt wurde nach Unternehmensangaben bisher nicht in Litauen gefertigt.
Die Verlagerung weiterer Produktionsschritte nach Vilnius soll die Abhängigkeit von Zulieferern verringern und den Anteil der im Land erzeugten Wertschöpfung erhöhen. Gleichzeitig sollen die Entwicklungs-, Prüf- und Produktionsteams enger zusammenarbeiten können.
Staticus rechnet damit, mindestens 90 Prozent der künftigen Produktion zu exportieren. Als zentrale Absatzregionen nennt das Unternehmen das Vereinigte Königreich, Skandinavien und Mitteleuropa. Die Gruppe ist in sieben Ländern vertreten und beschäftigt nach eigenen Angaben mehr als 600 Menschen.
Ein Ansatz für materialärmere Fassaden
Die geplante Holz-Aluminium-Fassade verbindet einen natürlichen Werkstoff mit industrieller Präzision und den Schutzfunktionen von Aluminium. Staticus gibt an, dass eine solche Kombination die verkörperten Emissionen im Vergleich zu entsprechenden herkömmlichen Lösungen um bis zu 70 Prozent senken könne. Wie groß die tatsächliche Einsparung ist, hängt jedoch von Konstruktion, Materialauswahl, Herkunft und Lebensdauer des jeweiligen Projekts ab.
Der Ansatz steht für eine wachsende Nachfrage nach Fassadensystemen, die nicht nur technisch leistungsfähig, sondern auch in ihrer Material- und Klimabilanz nachvollziehbar sind. Fassaden beeinflussen den Energieverbrauch, die Haltbarkeit und den Materialeinsatz eines Gebäudes über viele Jahre.
Die architektonische Vision für Campus Staticus stammt vom dänischen Büro Schmidt Hammer Lassen Architects. Das Projekt verbindet damit industrielle Infrastruktur mit einer eigenen Entwicklungs- und Prüfumgebung.
Baubeginn im September vorgesehen
Der Baubeginn ist für September 2026 geplant. Die Fertigstellung soll 2031 erfolgen. Der lange Zeitrahmen erklärt sich aus der Größe des Vorhabens und der geplanten Verbindung von Produktion, Laboren, Robotik und digitaler Unternehmenssteuerung.
Für Vilnius ist das Projekt ein weiterer Schritt in Richtung spezialisierter Fertigung mit internationaler Ausrichtung. Die Stadt verfügt bereits über einen großen Pool an Fachkräften in Ingenieurwesen, IT und Forschung. Staticus nannte diesen Talentpool sowie die Nähe zu bestehenden Anlagen als wichtige Gründe für den Ausbau am bisherigen Standort.
Wie viele Arbeitsplätze am Ende tatsächlich entstehen und wie schnell die Exportkapazitäten wachsen, wird von der weiteren Umsetzung abhängen. Die Entscheidung zeigt jedoch, dass ein litauisches Engineering-Unternehmen in automatisierte Produktion, eigene Prüfkompetenz und neue, potenziell materialeffizientere Fassadensysteme investieren will.






















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