Tallinner Kadriorg-Park wird zur Abendgalerie: Festival „Valgus kõnnib“ kehrt zurück
Der Kadriorg-Park ist vom 16. bis 19. September 2026 Schauplatz des Tallinner Lichtfestivals.
KulturTallinn

Tallinner Kadriorg-Park wird zur Abendgalerie: Festival „Valgus kõnnib“ kehrt zurück

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Der Kadriorg-Park in Tallinn wird in dieser Woche nach Einbruch der Dunkelheit zu einer offenen Galerie. Das jährliche Lichtfestival „Valgus kõnnib“ – auf Deutsch etwa „Licht geht“ oder „Licht bewegt sich“ – ist am Mittwoch, dem 16. September, in seine 19. Ausgabe gestartet. Bis Samstag, den 19. September, können Besucherinnen und Besucher den Park kostenlos anhand temporärer Lichtinstallationen, Klangarbeiten und Aufführungen erkunden.

Das diesjährige Motto lautet „Varjude kuma“, auf Deutsch „Glanz der Schatten“. Im Mittelpunkt steht das Wechselspiel zwischen Dunkelheit und Beleuchtung. Der Park dient dabei nicht nur als Kulisse für dekoratives Licht, sondern wird selbst zum wandelbaren visuellen Raum, den das Publikum zu Fuß und im eigenen Tempo erlebt.

Das Festival findet an allen vier Abenden von 20 bis 23 Uhr statt. Nach Angaben der offiziellen Veranstaltungsseite der Stadt Tallinn wird eine visuelle Reise durch die nächtliche Parklandschaft angeboten. Veranstalter ist das Kultur- und Sportamt der Stadt; der Eintritt ist frei.

Eine Nacht mehr als in den Vorjahren

„Valgus kõnnib“ gehört zu den wiederkehrenden Herbstveranstaltungen Tallinns. Die frühe Dunkelheit im September schafft die Bedingungen, um Wege, Rasenflächen und historische Elemente des Kadriorg-Parks für einige Stunden in einem neuen Licht erscheinen zu lassen.

2026 dauert das Festival erstmals vier Abende in Folge. Die Verlängerung schafft zusätzliche Möglichkeiten für den Besuch und kann zugleich dazu beitragen, das Publikum über mehrere Abende zu verteilen. Dadurch wird die Veranstaltung stärker zu einem Bestandteil der städtischen Kulturwoche und weniger zu einem einzelnen, stark verdichteten Termin.

Die Stadt empfiehlt, möglichst zu Fuß, mit dem Fahrrad oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln anzureisen. Rund um einen beliebten Abendtermin kann es im Park und in den angrenzenden Straßen zu einem erhöhten Besucheraufkommen kommen.

17 Installationen und eine größere Rolle für den Klang

Der öffentlich-rechtliche Sender ERR berichtet, dass in diesem Jahr 17 Installationen und drei Performances zu sehen sind. Gleichzeitig spielt Klang im Programm eine größere Rolle als zuvor. Viele Arbeiten verbinden die visuellen Effekte mit einer akustischen Ebene.

Der künstlerische Leiter Argo Valdmaa erklärte gegenüber ERR, dass die Organisatoren mit Klang die emotionale Wirkung der Installationen verstärken wollten. Die Verbindung aus Licht, Schatten, Musik und Umgebungsgeräuschen verleiht dem Rundgang eine sinnliche Dimension, ohne den niederschwelligen Charakter des öffentlichen Festivals zu verändern.

Damit knüpft die Veranstaltung an eine Entwicklung an, die bei internationalen Lichtfestivals zunehmend sichtbar ist: Parks, Plätze und historische Landschaften werden nicht nur für großformatige Projektionen genutzt. Temporäre künstlerische Eingriffe verändern vielmehr die Wahrnehmung vertrauter Orte. In Kadriorg entstehen neue Eindrücke durch das Zusammenspiel von Bäumen, Wegen, Architektur, Farbe und Dunkelheit.

Ein Kulturangebot für den gemeinsamen Stadtraum

Die Veranstaltung ist bewusst leicht zugänglich. Der Eintritt ist frei, und das Publikum muss weder einem festen Sitzplan folgen noch eine einzelne Aufführung zu einem bestimmten Zeitpunkt besuchen. Wer möchte, kann nur eine kurze Runde durch den Park drehen, mehrere Stunden bleiben oder an einem anderen Abend wiederkommen.

Diese Offenheit spricht unterschiedliche Gruppen an: Familien, Kulturinteressierte, Gäste der Stadt und Menschen aus Tallinn, die den Kadriorg-Park bisher vor allem bei Tageslicht genutzt haben. Das Festival verlängert zudem die aktive Nutzung des öffentlichen Raums in eine Jahreszeit, in der viele Parks nach Feierabend deutlich ruhiger werden.

Der Ort selbst ist ein wesentlicher Bestandteil des Programms. Kadriorg zählt zu den bekanntesten historischen Parklandschaften Tallinns und verbindet formale Wege, offene Rasenflächen und architektonische Sehenswürdigkeiten. Lichtkunst kann diese Eigenschaften vorübergehend neu hervorheben, ohne dauerhafte bauliche Veränderungen zu erfordern. Die kulturelle Erfahrung entsteht somit nicht nur durch einzelne Werke, sondern auch durch den Weg zwischen ihnen.

Besuchsinformationen

„Valgus kõnnib“ läuft noch bis Samstag, den 19. September. Die Installationen und Aufführungen sind an jedem Abend von 20 bis 23 Uhr im Kadriorg-Park zu sehen; der Eintritt ist kostenlos. Die Veranstalter empfehlen die Anreise zu Fuß, mit dem Fahrrad oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Bei Regen sollten Besucher einen Regenschutz mitbringen, der anderen nicht die Sicht versperrt.

Für Tallinn ist das Festival ein konstruktiver Auftakt zur dunkleren Jahreszeit: zeitgenössische Kunst wird in einem vertrauten Stadtpark sichtbar, der Eintritt bleibt frei, und ein historischer öffentlicher Raum wird für mehrere Abende zum gemeinsamen kulturellen Erlebnis.

Quellen

Lena Klingbach
Lena Klingbach ist die versierte Redakteurin der Kolumne Kultur & Bildung, mit einem scharfen Auge für die Künste und einer Leidenschaft für die Kraft des Lernens. Ihr Hintergrund in Kunstgeschichte und Literatur ermöglicht es ihr, Geschichten zu kuratieren, die den Reichtum des kulturellen Erbes und des intellektuellen Lebens der baltischen Region feiern. Lena ist überzeugt, dass Kultur und Bildung die Eckpfeiler einer starken Gesellschaft sind, und widmet sich leidenschaftlich der Aufgabe, diese lebenswichtigen Geschichten den Lesern der Baltischen Rundschau näherzubringen.

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