Tallinner Kammermusikfestival eröffnet eine Woche musikalischer Brücken
Die historische Altstadt Tallinns bildet den Rahmen für das 22. Tallinner Kammermusikfestival.
EstlandKultur

Tallinner Kammermusikfestival eröffnet eine Woche musikalischer Brücken

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Ein Festival zwischen Tradition und Gegenwart

Am Samstag, dem 22. August, beginnt das 22. Tallinner Kammermusikfestival. Unter dem Titel „Bridges of Folklore“ – auf Estnisch „Folkloori sillad“ – präsentiert die Veranstaltungsreihe bis zum 29. August Konzerte in mehreren historischen Sälen der Tallinner Altstadt. Zu den Spielstätten gehören das Tallinner Rathaus, die Schwedisch-St.-Michaels-Kirche und das Haus der Schwarzhäupter.

Veranstalter ist der Pille-Lill-Musikfonds, der das Festival im Jahr 2003 ins Leben rief. Die kompakte zeitliche Struktur ermöglicht es dem Publikum, innerhalb einer Woche zahlreiche estnische und internationale Musiker zu erleben. Die Veranstalter zählen die Reihe zu den etablierten Ereignissen der klassischen Musik in Estland. ([tallinnkammerfest.ee](https://www.tallinnkammerfest.ee/tallinna-kammermuusika-festival/meist?utm_source=openai))

Auftakt mit Margo Jürjendal

Der Eröffnungsabend im Tallinner Rathaus trägt den Titel „Jürjendal 60“ und ist dem 60. Geburtstag des Komponisten Margo Jürjendal gewidmet. Auf der Bühne stehen die Geigerinnen und Geiger Anna-Liisa Bezrodny und Lasse Joamets, die Bratschistin Sandra Klimaitė, die Cellistin Silvia Ilves, die Kontrabassistin Regina Udod, der Saxofonist Virgo Veldi und der finnische Pianist Mika Rännäli.

Neben Werken Jürjendals erklingen Kompositionen von Miklós Rózsa, William Grant Still und Aulis Sallinen. Bereits der erste Abend zeigt damit die Grundidee des Festivals: Kammermusik wird als Raum des Austauschs verstanden, in dem estnische Gegenwartsmusik, internationale Repertoires und unterschiedliche Klangfarben zusammentreffen. Das Eröffnungskonzert beginnt um 19 Uhr. ([piletilevi.ee](https://www.piletilevi.ee/series/UL3EQI23OF/xxii-?utm_source=openai))

Eine Woche mit wechselnden Klangwelten

Am 23. August folgt ein Konzert mit Musik des finnischen Komponisten Leevi Madetoja. Zugleich wird eine neue Aufnahme seines Werkes „Melodia Intima“ vorgestellt. Bezrodny, Ilves und Rännäli gestalten das Programm und setzen damit einen nordischen Schwerpunkt innerhalb der Festivalwoche.

Am 24. August gastiert die Estonian Percussion Group in der Schwedisch-St.-Michaels-Kirche. Unter dem Titel „Percussion Jugglers“ verbindet das Ensemble Werke von Erkki-Sven Tüür, Philip Glass, Arvo Pärt und Toivo Tulev. Das Konzert zeigt, wie stark sich das Kammermusikformat erweitern lässt, wenn Schlaginstrumente und rhythmische Strukturen in den Mittelpunkt rücken.

„Home Sweet Home“ am 25. August bringt den französischen Geiger Nicolas Dautricourt, estnische Musiker und den amerikanischen Pianisten Mackenzie Melemed zusammen. Am folgenden Abend stellt „O Ecclesia“ Musik aus verschiedenen Jahrhunderten gegenüber. Auf dem Programm stehen unter anderem Hildegard von Bingen sowie estnische Komponisten wie Helena Tulve, Tõnu Kõrvits und Ülo Vinter. ([piletilevi.ee](https://www.piletilevi.ee/series/UL3EQI23OF/xxii-?utm_source=openai))

Internationale Perspektiven in historischen Räumen

Am 27. August setzt „Alla Zingarese“ die Reihe mit Werken von Maurice Ravel und Johannes Brahms fort. Daran beteiligt sind Bezrodny, Joamets, Klimaitė, der finnische Cellist Tuomas Ylinen und Melemed.

Der amerikanischen Klaviermusik widmet sich das Konzert „Keys Across America“ am 28. August. Melemed interpretiert Werke von Aaron Copland, Amy Beach, Florence Price, Louis Moreau Gottschalk und Ned Rorem. Vor dem Konzert ist um 18 Uhr ein Einführungsgespräch vorgesehen.

Das Abschlusskonzert findet am 29. August im Haus der Schwarzhäupter statt. Der Trompeter Neeme Ots, die Geigerin Anna-Liisa Bezrodny und die Estonian Sinfonietta spielen Werke von Margo Jürjendal, Valentyn Petrov und John Rutter. Einzelkarten und Festivalpässe werden über Piletilevi angeboten. ([piletilevi.ee](https://www.piletilevi.ee/series/UL3EQI23OF/xxii-?utm_source=openai))

Folklore als Verbindung

Der Titel „Bridges of Folklore“ versteht Folklore nicht nur als Sammlung überlieferter Melodien. Er lenkt den Blick auf musikalische Erinnerung, regionale Identität und die Frage, wie Komponisten ältere kulturelle Ideen in neue Werke übertragen.

Das Thema passt zu Tallinns Altstadt, deren historische Räume während der Festivalwoche nicht bloß Kulisse sind. Rathaus, Kirchenraum und Haus der Schwarzhäupter prägen jeweils die akustische und atmosphärische Wahrnehmung der Konzerte. Gleichzeitig öffnet das Programm den Blick weit über Estland hinaus – nach Finnland, Frankreich und in die Vereinigten Staaten.

Für das Publikum entsteht so eine musikalische Route mit täglich wechselnden Schwerpunkten: estnische zeitgenössische Musik, nordische Komposition, geistliche Traditionen, Schlagzeugmusik und amerikanisches Klavierrepertoire. Der lokale Ausgangspunkt des Eröffnungsabends mit Jürjendal verbindet sich mit einer internationalen Woche, ohne den Charakter der estnischen Gastgeberstadt aus dem Blick zu verlieren.

Das Festival beginnt am 22. August und bietet damit unmittelbar zum Auftakt des Spätsommers eine konzentrierte Möglichkeit, Tallinns historische Architektur und sein klassisches Musikleben gemeinsam zu erleben.

Quellen

Lena Klingbach
Lena Klingbach ist die versierte Redakteurin der Kolumne Kultur & Bildung, mit einem scharfen Auge für die Künste und einer Leidenschaft für die Kraft des Lernens. Ihr Hintergrund in Kunstgeschichte und Literatur ermöglicht es ihr, Geschichten zu kuratieren, die den Reichtum des kulturellen Erbes und des intellektuellen Lebens der baltischen Region feiern. Lena ist überzeugt, dass Kultur und Bildung die Eckpfeiler einer starken Gesellschaft sind, und widmet sich leidenschaftlich der Aufgabe, diese lebenswichtigen Geschichten den Lesern der Baltischen Rundschau näherzubringen.

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