Mehrweg soll alltagstauglich werden
In Tartu treffen sich am heutigen 5. Oktober Fachleute aus Gastronomie, Kommunen, Veranstaltungsorganisation und Abfallwirtschaft, um über eine praktische Frage des täglichen Lebens zu sprechen: Wie können Essensverpackungen künftig häufiger wiederverwendet werden?
Das Seminar trägt den Titel „Food packaging in the wind of change – the future of circular food delivery systems and lessons from the Change(K)now! project“. Es findet von 13.00 bis 16.30 Uhr im Soho Hotel in Tartu statt. Veranstaltet wird es von BEF Estonia, dem Tallinner Zentrum des Stockholm Environment Institute, dem Tallinner Strategischen Managementamt und Baltic Restaurants Estonia.
Im Mittelpunkt steht nicht allein das Material einer Verpackung. Die Organisatoren wollen das gesamte System betrachten: Ausgabe, Rückgabe, Reinigung, Transport, Kosten und die Frage, wie leicht Verbraucherinnen und Verbraucher eine neue Lösung im Alltag nutzen können.
Ein Thema für Kantinen, Feste und Take-away
Einwegverpackungen sind aus dem modernen Außer-Haus-Verzehr kaum wegzudenken. Gleichzeitig entstehen bei Schulessen, Veranstaltungen und Take-away-Angeboten sehr unterschiedliche Anforderungen. Eine Schulkantine arbeitet mit festen Abläufen und großen Mengen. Ein Stadtfest muss in kurzer Zeit viele Menschen bedienen. Ein Restaurant braucht dagegen ein System, das sich in den normalen Geschäftsbetrieb integrieren lässt.
Das heutige Treffen soll diese Unterschiede sichtbar machen und zugleich nach gemeinsamen Lösungen suchen. Eingeladen sind unter anderem Vertreter lokaler Verwaltungen, Aufsichtsbehörden, Cateringunternehmen, Veranstalter, Recyclingdienstleister und Restaurants.
Die Leitfrage lautet, welche zirkulären Lösungen in Estland bereits funktionieren, wo noch Hindernisse bestehen und wie die nächsten Schritte aussehen können. Damit erhält die Diskussion einen bewusst sachlichen und umsetzungsorientierten Charakter.
Erfahrungen aus dem Change(K)now!-Projekt
Ein Teil des Programms widmet sich den Ergebnissen des Projekts Change(K)now!, einer Kooperation im Ostseeraum, die von 2023 bis 2026 läuft. Das Projekt unterstützt Kommunen und Unternehmen beim Übergang von Einweg- zu zirkulären oder mehrfach nutzbaren Systemen für Essensversorgung und Catering.
Die Erfahrungen werden heute in drei Bereichen vorgestellt: bei der Verringerung von Einwegverpackungen in der Schulverpflegung, bei Mehrweglösungen für öffentliche Veranstaltungen und bei der Frage, wie Wiederverwendung im Take-away-Bereich ohne Verlust an Komfort funktionieren kann.
Gerade dieser letzte Punkt ist für die Akzeptanz entscheidend. Verbraucher erwarten schnelle Abläufe und klare Rückgabemöglichkeiten. Gastronomiebetriebe müssen wissen, wo Behälter gesammelt und gereinigt werden. Kommunen wiederum können durch Ausschreibungen, Infrastruktur und gemeinsame Standards Einfluss nehmen.
Mehrweg ist deshalb weniger eine einzelne technische Erfindung als eine organisatorische Aufgabe. Das Projekt versucht, Erfahrungen aus einzelnen Pilotvorhaben für breitere Anwendungen nutzbar zu machen.
Neue Regeln und offene Kostenfragen
Zum Programm gehört auch ein Beitrag von Kelli Seppel aus der Abteilung für Kreislaufwirtschaft des estnischen Klimaministeriums. Dabei geht es um die Veränderungen, die neue Verpackungsvorschriften für Unternehmen und öffentliche Einrichtungen bringen können.
In der anschließenden Podiumsdiskussion sollen Vertreter des Ministeriums, von Eesti Pandipakend, des Estnischen Hotel- und Restaurantverbands, des Tartu Event Management Centre sowie aus der Gastronomie über die praktische Umsetzung sprechen.
Auf der Tagesordnung stehen Fragen, die über die reine Umweltwirkung hinausgehen: Wer finanziert Rückgabe- und Reinigungssysteme? Wie viele unterschiedliche Modelle können Verbraucher akzeptieren? Führt die Regulierung den Markt oder geht sie ihm zu schnell voraus? Und wie lassen sich verschiedene Geschäftsmodelle miteinander verbinden?
Diese Fragen sind für die Zukunft des Mehrwegs entscheidend. Ein System kann ökologisch sinnvoll sein, aber im Alltag scheitern, wenn die Rückgabe kompliziert ist oder die Zuständigkeiten unklar bleiben. Umgekehrt können gut organisierte gemeinsame Lösungen auch für Unternehmen praktikabel werden.
Ein Blick in die Schulkantine
Am 6. Oktober wird das Thema bei einem Besuch der Tartu Raatuse School konkret. Interessierte Teilnehmer können dort erfahren, wie die Schulkantine den Einsatz von Einwegverpackungen reduziert hat und wie Schülerinnen, Schüler und Mitarbeitende auf die Veränderung reagiert haben.
Der Besuch ergänzt die heutige Diskussion um einen wichtigen praktischen Aspekt. Zwischen politischen Vorgaben und ökologischen Zielen liegen zahlreiche tägliche Abläufe: Bestellungen, Ausgabe, Reinigung, Rückgabe und die Kommunikation mit den Nutzern.
Für Estlands Lebensmittel- und Gastronomiesektor ist das Tartu-Seminar deshalb ein konstruktiver Schritt. Es verbindet Umweltfragen mit Servicequalität und Geschäftspraxis. Ob Mehrweg in Estland breiter zum Standard wird, hängt von vielen Einzelentscheidungen ab. Der heutige Austausch bringt jedoch die Akteure zusammen, die diese Entscheidungen später umsetzen müssen.






















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