In Vilnius beginnt am Dienstag, dem 3. November, die Abstimmung über die nächste Runde des Beteiligungshaushalts „Dalyvauk! Vilnius“. Einen Monat lang können Einwohner der litauischen Hauptstadt darüber entscheiden, welche Vorschläge für Stadtteile und für die Gesamtstadt eine Finanzierung aus dem kommunalen Budget erhalten.
Die Abstimmung läuft bis zum 30. November. Nach den offiziellen Regeln kann jede wahlberechtigte Person ein kleineres Projekt für den eigenen Stadtbezirk sowie ein größeres, stadtweites Projekt auswählen. Die Ergebnisse sollen zwischen dem 7. und 11. Dezember bekannt gegeben werden. ([dalyvauk.vilnius.lt](https://dalyvauk.vilnius.lt/pateikti-projekta/?utm_source=openai))
Ein Budget für sichtbare Veränderungen im Alltag
Für die diesjährige Runde sind insgesamt rund 1,6 Millionen Euro vorgesehen. Das Programm verbindet Bürgerbeteiligung mit konkreten Verbesserungen im öffentlichen Raum. Gefördert werden können unter anderem Grün- und Erholungsflächen, kleinere städtebauliche Elemente, Freizeitangebote, kulturelle Gestaltung und gemeinschaftlich genutzte Orte.
Die kleineren Projekte sind einzelnen seniūnijos, also den administrativen Stadtbezirken, zugeordnet. Größere Vorschläge beziehen sich auf Vilnius insgesamt. Einwohner müssen dafür weder ein fertiges technisches Projekt vorlegen noch selbst nach einem Bauunternehmen suchen. Wenn ein Vorschlag ausgewählt wird, übernehmen die zuständigen Stellen der Stadtverwaltung die weiteren Planungs- und Umsetzungsschritte. ([dalyvauk.vilnius.lt](https://dalyvauk.vilnius.lt/?utm_source=openai))
Damit senkt das Verfahren die Zugangshürden für Bürger. Eine Idee kann aus einer Alltagserfahrung entstehen: einem fehlenden Spielangebot, einer ungenutzten Fläche, einer schwer erkennbaren Verbindung zwischen zwei Orten oder dem Wunsch nach mehr Natur im dicht bebauten Viertel. Die Verwaltung prüft anschließend, ob der Vorschlag den Regeln entspricht, am angegebenen Ort möglich ist und realistisch umgesetzt werden kann.
Vorschläge reichen von Spielangeboten bis zum Naturschutz
Die während der Einreichungsphase veröffentlichten Beispiele zeigen, wie unterschiedlich die Ideen der Einwohner sind. Für Pilaitė wurde etwa eine Seilrutsche für Kinder vorgeschlagen. In Grigiškės ging es um eine ungewöhnliche Bewegungs- und Spielanlage. Für die Stiklių-Straße wurde eine Lichtinstallation angeregt, die an die Geschichte des Viertels und seine handwerklichen Traditionen erinnern könnte.
Andere Vorschläge verbinden Stadtgestaltung und ökologische Anliegen. Auf der Švitrigailos-Straße könnten Betonsäulen nach einer Idee von Einwohnern zu einer gemeinschaftlich gestalteten „Vogelstadt“ mit Nistkästen werden. Ein weiterer Vorschlag sieht vor, saisonal verwendete Schutzverkleidungen für Bäume in eine farbige Freiluftgalerie zu verwandeln.
Wichtig ist, dass diese Beispiele zunächst eingereichte Ideen waren und nicht automatisch zur Abstimmung zugelassen wurden. Vor dem öffentlichen Votum wurden die Vorschläge von einer Expertengruppe auf ihre formale Eignung und praktische Umsetzbarkeit geprüft. ([dalyvauk.vilnius.lt](https://dalyvauk.vilnius.lt/paskutine-proga-pasiulyti-ideja-vilniui/?utm_source=openai))
Auch 16- und 17-Jährige können abstimmen
Eine Neuerung der diesjährigen Runde ist das Wahlalter. Seit 2026 dürfen auch in Vilnius gemeldete Einwohner ab 16 Jahren teilnehmen. Die Abstimmung findet elektronisch statt. Das System erkennt anhand des gemeldeten Wohnorts automatisch den zuständigen Stadtbezirk und zeigt die dort zur Wahl stehenden kleineren Projekte an.
Anschließend kann ein stadtweites Projekt ausgewählt werden. Jede Person darf nur einmal abstimmen. Zur Bestätigung wird ein fünfstelliger Code per SMS verschickt. Wer in einer Kategorie keinen passenden Vorschlag findet, kann ausschließlich in der anderen Kategorie votieren. Die Stadt empfiehlt, die Projekte vor der endgültigen Bestätigung sorgfältig zu vergleichen, da eine spätere Änderung der Auswahl nicht vorgesehen ist. ([dalyvauk.vilnius.lt](https://dalyvauk.vilnius.lt/d-u-k/?utm_source=openai))
Die Einbeziehung jüngerer Einwohner erweitert die Perspektive des Verfahrens. Jugendliche nutzen Parks, Sportflächen, Schulwege und den öffentlichen Verkehr täglich, verfügen aber nur selten über direkte Möglichkeiten, kommunale Investitionen mitzugestalten. Ihre Stimmen könnten dazu beitragen, dass Angebote für Bewegung, Begegnung und eigenständige Freizeit stärker berücksichtigt werden.
Keine Gesamtplanung, aber ein sichtbares demokratisches Instrument
Der Beteiligungshaushalt ersetzt keine langfristige Stadtplanung. Große Verkehrsprojekte, neue Wohnviertel und umfangreiche Infrastruktur benötigen eigene Planungs-, Genehmigungs- und Finanzierungsverfahren. Das Programm arbeitet auf einer kleineren Ebene.
Gerade darin liegt seine praktische Bedeutung. Ein fertiggestellter Spielplatz, ein begrünter Aufenthaltsort oder eine neue kulturelle Markierung im Straßenraum kann für die Bewohner eines Viertels unmittelbar spürbar sein. Zugleich erhält die Verwaltung Hinweise darauf, welche Probleme und Chancen die Menschen in ihrer unmittelbaren Umgebung wahrnehmen.
Die November-Abstimmung ist deshalb nicht nur eine Entscheidung über Geld. Sie ist auch ein Test dafür, wie stark sich Einwohner an der Entwicklung ihrer Stadt beteiligen wollen. Vilnius stellt Mittel für Vorschläge aus der Bevölkerung bereit; nun entscheiden die Einwohner, welche Ideen Vorrang erhalten. Das Votum beginnt am 3. November und endet am 30. November.






















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