Vilnius erweitert an diesem Wochenende sein Kulturangebot um eine Veranstaltung, die Literatur, Wissenschaft, Spiele und Fantasie miteinander verbindet. Am Samstag, dem 10. Oktober 2026, findet im Gebäude der Hochschule SMK in der Kalvarijų-Straße das 37. Lituanicon statt. Das eintägige Festival beginnt um 10.30 Uhr und endet um 21 Uhr; der Eintritt ist frei.
Für Besucher bietet die Veranstaltung eine ungewöhnliche Möglichkeit, die litauische Hauptstadt kennenzulernen. Statt einer klassischen Stadtführung führt der Weg durch Geschichten, erfundene Welten, Spiele und Gespräche über Technologie, Forschung und gesellschaftliche Entwicklungen. Das ehrenamtlich organisierte Lituanicon gilt nach Angaben der Veranstalter als ältestes litauisches Treffen für Interessierte an Fantasy und Science-Fiction.
Eine Reise durch Literatur, Spiele und Ideen
Das diesjährige Motto „Voyage“ bildet den roten Faden des Programms. Reise wird dabei nicht nur als Bewegung von einem Ort zum anderen verstanden, sondern auch als Bild für Neugier, Erkenntnis und den Wechsel der Perspektive.
Das zeigt sich in der Vielfalt der Programmpunkte. Vorgesehen sind Vorträge, Diskussionsrunden, kreative Workshops, Rollenspiele, Brett- und Videospiele, eine Kunstausstellung sowie Begegnungen mit Autoren und Künstlern. Mehrere Beiträge finden auf Englisch oder in englischer und litauischer Sprache statt. Damit richtet sich das Festival nicht nur an die lokale Fangemeinde, sondern auch an internationale Gäste und Reisende in Vilnius.
Das Veranstaltungsformat eignet sich besonders für Besucher, die eine Stadt nicht ausschließlich über Sehenswürdigkeiten, sondern über ihre zeitgenössischen Gemeinschaften und kreativen Szenen entdecken möchten. Innerhalb eines Tages können sie zwischen Literaturgespräch, Zeichenkurs, Kunstausstellung und Spielebereich wechseln.
Alastair Reynolds als internationaler Gast
Der wichtigste internationale Gast ist der walisische Science-Fiction-Autor und frühere Astrophysiker Alastair Reynolds. Laut dem veröffentlichten Programm wird er an einem Gespräch teilnehmen, aus seinen Werken lesen und Autogramme geben. Seine Teilnahme verbindet das Vilniusser Festival mit der internationalen Science-Fiction-Szene und schafft zugleich Raum für den direkten Austausch mit dem Publikum.
Neben Reynolds stehen litauische Autoren, Forscher und Künstler im Mittelpunkt. Die angekündigten Beiträge beschäftigen sich unter anderem mit technologischen Innovationen, dem Verhältnis von Wissenschaft und Fantastik, invasiven Arten sowie der Frage, wie spekulative Erzählungen unbekannte Wirklichkeiten deuten.
Auf dem Programm stehen außerdem ein Gespräch mit der Schriftstellerin Neringa Vaitkutė, eine Diskussion über technologische Entwicklung und ihre literarischen Zukunftsbilder, Zeichenworkshops und mehrere Rollenspielrunden. Ein Cosplay-Karneval, zwei LEGO-Ausstellungen, ein Bereich für Kunsthandwerk und Künstler, analoge Fotografie sowie Brett- und Videospiele ergänzen die inhaltliche Seite um eine stark gemeinschaftliche Atmosphäre.
Das Museum als digitales Abenteuer
Auch das Litauische Nationalmuseum beteiligt sich am Lituanicon. Es präsentiert „Vilnius Museum of Antiquities: A Sanctuary of the Past“, eine interaktive Ausstellung und ein Computerspiel, das auf historischen Informationen beruht.
Das Projekt führt in das Vilniusser Museum of Antiquities des 19. Jahrhunderts, seine Sammlungen und seinen Gründer, Graf Eustachy Tyszkiewicz, ein. Am Stand des Nationalmuseums können Besucher die virtuelle Ausstellung ausprobieren und erleben, wie historische Inhalte durch digitale und spielerische Vermittlung zugänglich werden.
Gerade diese Verbindung von Kulturerbe und Fantastik macht den Charakter des Festivals aus. Lituanicon stellt Fantasy nicht einfach der Geschichte gegenüber. Vielmehr bringt die Veranstaltung Bücher, Spiele, Technologie und Museumspädagogik in einem offenen öffentlichen Raum zusammen. Für Besucher entsteht so ein Programm, das die Geschichte von Vilnius mit Vorstellungen über zukünftige Welten verbindet.
Ein unkomplizierter Kulturtermin für Einwohner und Gäste
Der kostenlose Eintritt und die Konzentration auf einen Veranstaltungsort senken die Zugangsschwelle. Familien, Studierende, Einheimische und Reisende können ohne langfristige Ticketplanung kommen und selbst entscheiden, wie lange sie bleiben. Die Organisatoren verstehen Lituanicon als Community-Veranstaltung; die große Bandbreite des Programms spricht jedoch auch Menschen an, die bisher wenig Kontakt mit dem Genre hatten.
Praktisch ist das Konzept einfach: tagsüber anreisen, aus mehreren parallelen Angeboten auswählen und die Veranstaltung dem eigenen Interesse entsprechend erkunden. Neben Altstadt, Museen und etablierten Bühnen zeigt Lituanicon eine informellere Seite des Vilniusser Kulturlebens und macht lokale kreative Netzwerke sichtbar.
Für den Oktoberbesuch in Vilnius funktioniert „Voyage“ deshalb auf zwei Ebenen. Es ist einerseits das Motto des Festivals, andererseits eine treffende Beschreibung des Tages: eine Reise durch Literatur, Forschung, Kunst, Spiele und die historische Vorstellungskraft der Stadt.


















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