Berliner PEOPLE Festival macht das Funkhaus zum Labor für musikalische Zusammenarbeit
Das Funkhaus Berlin ist am 10. und 11. Oktober 2026 Schauplatz des PEOPLE Festivals.
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Berliner PEOPLE Festival macht das Funkhaus zum Labor für musikalische Zusammenarbeit

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Das historische Funkhaus Berlin wird in dieser Woche zu einem offenen musikalischen Arbeitsraum: Beim PEOPLE Festival kommen rund 180 Musikerinnen und Musiker zusammen, um neue Kooperationen zu entwickeln. Die Ergebnisse werden am Samstag und Sonntag, dem 10. und 11. Oktober 2026, öffentlich präsentiert.

Im Mittelpunkt steht ein ungewöhnliches Festivalmodell. Statt einer klassischen Abfolge fest gebuchter Hauptacts treffen sich die Beteiligten zunächst in wechselnden Gruppen, probieren Ideen aus und lassen die endgültigen Auftritte aus diesem Prozess entstehen. Das Festival versteht sich damit weniger als gewöhnliche Konzertreihe denn als zeitlich begrenzte Gemeinschaft des gemeinsamen Musikmachens.

Eine Woche Arbeit in den Studios

Die Residenz läuft vom 4. bis zum 9. Oktober. Nach Angaben der Veranstalter arbeiten die Musikerinnen und Musiker in etwa 40 Studios und Räumen des Funkhauses. Sie lernen einander kennen, tauschen musikalische Ansätze aus und entwickeln neue Stücke oder bearbeiten bereits vorhandenes Material in ungewohnten Besetzungen.

Am Wochenende beginnt der öffentliche Teil. Für den 10. und 11. Oktober sind rund 200 Auftritte auf 12 Bühnen angekündigt, mit etwa zwölf Stunden Musik pro Tag. Nach Angaben des Festivals handelt es sich bei vielen Beiträgen um Premieren. Manche der entstehenden Kombinationen könnten nur bei dieser Ausgabe und nur in dieser Form zu erleben sein.

Damit unterscheidet sich PEOPLE deutlich von Festivals, bei denen das Publikum vor allem einem festen Zeitplan und bekannten Namen folgt. Die teilnehmenden Künstler sind teilweise angekündigt, die konkrete Zusammensetzung vieler Auftritte bleibt jedoch offen. Das Konzept setzt bewusst auf Entdeckung und auf die Bereitschaft, sich durch das Gebäude und das Programm treiben zu lassen.

Vom kleinen Raum bis zum Konzertsaal

Austragungsort ist das Funkhaus an der Nalepastraße im Südosten Berlins. Der denkmalgeschützte Gebäudekomplex bietet eine Vielzahl unterschiedlich großer Räume. VisitBerlin nennt sowohl kleine Räume für etwa 50 Gäste als auch Konzertsäle mit einer Kapazität von bis zu 1.000 Personen.

Die räumliche Vielfalt ist ein wichtiger Teil des Formats. Besucherinnen und Besucher können zwischen verschiedenen Bereichen wechseln und dabei etablierte Musiker, weniger bekannte Namen und spontane Zusammenschlüsse erleben. Zu den angekündigten Teilnehmern gehören unter anderem Aaron und Bryce Dessner, Sharon Van Etten, Henning May, Erlend Øye, Colin Stetson, Ichiko Aoba und Nick Zinner.

Auch die Nordischen Botschaften in Berlin verweisen auf die Beteiligung von Künstlern aus Dänemark, Finnland, Island, Norwegen und Schweden. Genannt werden unter anderem Mads Brauer, Casper Clausen, Rasmus Stolberg, Tatu Rönkkö, Gyða und Kristín Anna Valtýsdóttir sowie Erlend Øye. Das unterstreicht den internationalen Charakter des Treffens.

Ein Festival ohne klassisches Gewinnmodell

PEOPLE beschreibt sich zudem als nicht kommerziell ausgerichtetes Kulturprojekt. Es gibt nach Angaben der Veranstalter kein übliches Line-up mit Hierarchien, keine Künstlergagen und keinen finanziellen Gewinn. Die Ticketeinnahmen sollen ausschließlich die Kosten der Produktion decken.

Das bedeutet nicht, dass die organisatorischen Anforderungen eines großen Festivals entfallen. Bühnen, Räume, Tickets, Personal und Besucherlogistik müssen weiterhin koordiniert werden. Der Unterschied liegt vielmehr in der künstlerischen Priorität: Nicht die Vermarktung einzelner Namen steht an erster Stelle, sondern die Zusammenarbeit und das gemeinsame Entstehen von Musik.

Die Musiker können während des Wochenendes mehrfach in unterschiedlichen Formationen auftreten. Dadurch wird ein Stück nicht nur einmal für ein Publikum gespielt, sondern kann sich von Raum zu Raum und von Besetzung zu Besetzung verändern. Auf der offiziellen Festival-Seite wird dieser Ansatz als unmittelbare, fragile und gemeinschaftliche Musikerfahrung beschrieben.

Ein neues Kulturformat für Berlin

Für Berlin ergänzt das Festival die vielfältige Musiklandschaft der Stadt um ein internationales Format, das Konzert, Residenz und kreatives Experiment miteinander verbindet. Das Funkhaus ist dabei nicht nur Kulisse. Die ehemalige Rundfunkanlage wird als zusammenhängender Kulturort erfahrbar, in dem kleine Studios und große Säle Teil desselben Wochenendes werden.

PEOPLE steht außerdem für eine Entwicklung, bei der Zusammenarbeit und Beteiligung nicht bloß als Begleitprogramm verstanden werden. Sie bilden den Kern der Veranstaltung. Das Publikum wird eingeladen, nicht nur fertige Produktionen anzusehen, sondern den Wert des Ungeplanten und Einmaligen kennenzulernen.

Der Berliner Veranstaltungskalender nennt den Beginn des Programms an beiden Tagen um 10 Uhr. Die Nordischen Botschaften weisen für Samstag auf einen öffentlichen Festivalbetrieb ab 13 Uhr hin. Besucher sollten deshalb vor der Anreise den offiziellen Zeitplan und die Ticketinformationen prüfen.

Quellen

Lena Klingbach
Lena Klingbach ist die versierte Redakteurin der Kolumne Kultur & Bildung, mit einem scharfen Auge für die Künste und einer Leidenschaft für die Kraft des Lernens. Ihr Hintergrund in Kunstgeschichte und Literatur ermöglicht es ihr, Geschichten zu kuratieren, die den Reichtum des kulturellen Erbes und des intellektuellen Lebens der baltischen Region feiern. Lena ist überzeugt, dass Kultur und Bildung die Eckpfeiler einer starken Gesellschaft sind, und widmet sich leidenschaftlich der Aufgabe, diese lebenswichtigen Geschichten den Lesern der Baltischen Rundschau näherzubringen.

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